Verstöße gegen Gesetze?

Tierheim Süderstraße – Politik fordert Aufklärung

Rund 1300 Tiere – neben Hunden, Katzen und Meerschweinchen auch eine Anaconda und zwei Pythons – leben derzeit im Heim an der Süderstraße.

Rund 1300 Tiere – neben Hunden, Katzen und Meerschweinchen auch eine Anaconda und zwei Pythons – leben derzeit im Heim an der Süderstraße.

Foto: Sebastian Becht

Grüne verlangen Konsequenzen für den Tierschutzverein. CDU fordert den Gesundheitsausschuss zum Handeln auf.

Hamburg.  Gab es zahlreiche Verstöße gegen Gesetze und Vorschriften? Die Hamburger Politik hat am Montag auf die Abendblatt-Berichterstattung über das Tierheim an der Süderstraße reagiert. „Die Vorwürfe gegen den Tierschutzverein sind gravierend“, sagte die stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Christiane Blömeke. Es bestünden Zweifel, dass der Hamburger Tierschutzverein (HTV) seinen Vertrag mit der Stadt ordnungsgemäß erfüllt und gesetzliche Anforderungen eingehalten werden. „Wenn diese Zweifel nicht rückstandslos ausgeräumt werden können, dann wird es die entsprechenden behördlichen Konsequenzen geben müssen“, sagte Blömeke.

Auch für die CDU wiegen die Vorwürfe schwer. „Man muss ihnen nun schnellstmöglich auf den Grund gehen“, sagte Sprecher Dennis Thering. Seine Fraktion forderte, dass sich der Gesundheitsausschuss mit dem Thema befassen müsse. Sollten sich die Vorwürfe erhärten, müssten die zustän­digen Behörden „zum Wohle der Beschäftigten und Tiere mit aller Konsequenz durchgreifen“. Auch gelte es zu klären, ob die derzeitigen Kontrollmechanismen effektiv genug sind.

Wie das Abendblatt exklusiv berichtete, herrschen im vom HTV geführten Tierheim laut Betriebsrat und diverser Mitglieder „unhaltbare Zustände“. Auch das Bezirksamt Mitte ermittelt nach eigenen Angaben seit Monaten wegen des Verdachts auf zahlreiche Verstöße gegen Vorschriften und Gesetze. Der Vereinsvorstand dementiert und spricht von „schikanösen Maßnahmen des Veterinäramts“. Die Vermutung liege nahe, dass die Tierschutzarbeit des Vereins den Behördenmitarbeiten „zu effektiv und erfolgreich geworden ist“.

Grüne haben schon länger Hinweise auf Probleme

Bei den Grünen sind laut Blömeke bereits Ende vergangenen Jahres Hinweise eingegangen, dass die Arbeitsbedingungen im Tierheim aufgrund der Personalführung schlecht seien. Auch von psychischen Belastungen der Mitarbeiter sei die Rede gewesen. Daraufhin habe die Fraktion die Vereinsvorsitzende Sandra Gulla zu einem Gespräch gebeten. Da die Vorwürfe nicht ausgeräumt werden konnten, habe die Fraktion weiter aufklären wollen. „Wir haben die beteiligten Behörden um ein Gespräch gebeten“, sagt Blömeke. Nun sollen das Bezirksamt Mitte als Kon­trollinstanz und die Gesundheitsbehörde den Abgeordneten von SPD und Grünen die Lage im Tierheim schildern. Schon jetzt erschienen der Mangel an tierärztlicher Fachkunde sowie die personelle Situation und die Arbeitsbedingungen als problematisch.

Auch den „Import“ von Hunden sehen die Grünen kritisch. Seit 2014 hat der HTV 576 Hunde aus Rumänien nach Hamburg geholt. „Das bindet natürlich Kapazitäten im Tierheim und bleibt auf Dauer nicht ohne Folgen für die Vertragserfüllung mit der Stadt“, sagt Blömeke. Hamburg zahlt dem Verein jährlich rund 1,5 Millionen Euro, um Tiere aufzunehmen, zu versorgen und zu vermitteln. Blömeke: „Sollten dabei Gesetzesverstöße nachgewiesen werden, dann sind selbstverständlich Verfahren einzuleiten.“

HTV verweist auf Kontrolle durch Tierschutzbund

Auf seiner Homepage verweist der HTV auf eine Kontrolle durch den Deutschen Tierschutzbund (DTB). Die Dachorganisation bescheinigt dem Hamburger Tierschutzverein ein vorbildliches Tierheim. „Der Verein ist ein professioneller und verlässlicher Mitgliedsverein, für den das Tierwohl (...) an erster Stelle steht“, sagt DTB-Präsident Thomas Schröder.

Wolfram Hartwich wundert das nicht. „Gulla ist schließlich auch Vorsitzende des Landesverbandes des DTB“, sagt Hartwich, der selbst 45 Jahre Vorsitzender des Landestierschutzverbands Schleswig-Holstein war. Der Polizeihauptkommissar im Ruhestand verfolgt das Geschehen im Tierheim an der Süderstraße schon seit Langem. „Es wurde allerhöchste Zeit, dass die gravierenden Missstände ans Licht kommen“, sagt Hartwich.

Durch Gespräche mit zahlreichen Mitarbeitern sei auch er schon vor Jahren auf die Situation aufmerksam geworden. „Da herrscht Angst und Schrecken unter den Mitarbeitern.“ Da viele aber Konsequenzen fürchten würden, traue sich kaum einer, öffentlich darüber zu sprechen. Deutlich kritisiert Hartwich auch die angebliche grundsätzliche Kastration von Hunden im Tierheim. Dies sei „illegal“, sagt er. Diese Praxis sei in Deutschland lediglich bei unbeaufsichtigten Katzen erlaubt. Auch der Deutsche Tierschutzbund spricht Klartext: „In Deutschland ist die generelle Unfruchtbarmachung von Hunden verboten“, sagt Sprecherin Lea Schmitz.