Hamburger Klinik

Kinderkrankenhaus Altona erweitert seine Notaufnahme

Das Altonaer Kinderkrankenhaus besteht seit 1859, seit 2006 als Tochtergesellschaft des UKE.

Das Altonaer Kinderkrankenhaus besteht seit 1859, seit 2006 als Tochtergesellschaft des UKE.

Foto: Marcelo Hernandez / HA

AKK in Ottensen will Neubau mit zehn Einzelzimmern am 4. April eröffnen. Das sind die Vorteile für Kurzzeit-Patienten.

Hamburg.  Mehr Komfort für kleine Patienten und ihre Eltern: Im Altonaer Kinderkrankenhaus (AKK) entstehen direkt neben der zentralen Notaufnahme zehn stationäre Einzelzimmer, in denen auch Mama oder Papa übernachten können. Der neue Anbau zum Innenhof soll nach 14-monatiger Bauzeit am 4. April eröffnet werden.

Jedes Zimmer wird über ein Duschbad, Geräte der jüngsten Generation und Monitore zur Notfall- und Intensivversorgung verfügen. Zwei Räume sind als Isolierzimmer geeignet. Daneben soll es einen Aufenthaltsraum für Eltern sowie Schwestern- und Arztzimmer geben. Knapp vier Millionen Euro hat die sogenannte Interdisziplinäre Notfallaufnahmestation (INA) gekostet, finanziert von der Gesundheitsbehörde.

Einrichtung für Kurzzeitpatienten

Die für eine Kinderklinik in Hamburg bisher einmalige Notfalleinrichtung ist insbesondere für zwei Patientengruppen vorgesehen: eher leichte Fälle, die voraussichtlich nur etwa einen Tag lang stationär behandelt werden müssen, und Kinder, die nach 21 Uhr in die Notaufnahme kommen.

„Kurzzeit-Patienten können wir mit einem Team aus Radiologen, Kinderärzten, Traumatologen und Chirurgen auf der INA zügig interdisziplinär versorgen, ohne dass die Kinder dafür auf eine andere Station verlegt werden“, sagt AKK-Geschäftsführerin Christiane Dienhold. Die anderen Stationen sollen Patienten mit mittelschweren und schweren Erkrankungen vorbehalten bleiben und einem medizinischen Fachgebiet zugeordnet sein.

Als Kurzzeit-Patienten eingestuft werden könnten zum Beispiel Kinder, die starken Durchfall haben, die wegen eines Verdachts auf Gehirnerschütterung beobachtet werden oder die aus anderen Gründen vorübergehend an einen Tropf müssen.

Nicht zu unterschätzen seien auch psychologische Vorteile, die mit einer stationären Unterbringung direkt neben der Notaufnahme verbunden seien, sagt Dienhold: „Nach einem Unfall und dem ersten Schock bedeutet es für Kinder und ihre Eltern womöglich weniger Ängste, wenn sie in einem Einzelzimmer zumindest eine gewisse Privatsphäre genießen und nicht auf eine andere Station überwiesen werden.“

Kein Zuschlag für Einzelzimmer

Apropos Privatsphäre: Die anderen Abteilungen des AKK Altona mit insgesamt 206 stationären und 31 teilstationären Betten bestehen aus Zweibettzimmern. Bisher werden dort zudem leichte Fälle untergebracht und natürlich auch dann, wenn sie erst spät abends oder nachts ins Altonaer Kinderkrankenhaus kommen. Die bereits auf den Stationen schlafenden Kinder kann das erheblich stören – durch die neue INA soll es dazu seltener kommen. Einen Zuschlag kostet die Unterbringung in den Einzelzimmern nicht.

Etwa 2500 Kurzliegerpatienten könnten pro Jahr in der neuen Notfallaufnahmestation behandelt werden, schätzt Dienhold. Zur Einordnung: Insgesamt werden pro Jahr im AKK 12.100 Patienten stationär und 3400 teilstationär behandelt. Hinzu kommen 40.000 ambulante Behandlungen.

Mit den Einzelzimmern direkt neben der Notaufnahme reagiert das Kinderkrankenhaus auf höhere Ansprüche vieler Eltern, aber auch auf die größere Beanspruchung der Notaufnahme. „Vor etwa 15 Jahren hatten wir rund 13.000 Notfälle pro Jahr – inzwischen verzeichnen wir rund 30.000 Notfälle jährlich“, sagt AKK-Geschäftsführerin Christiane Dienhold.

Hemmschwelle, ins Krankenhaus zu gehen gesunken

Eine mögliche Ursache: „Die Hemmschwelle, in eine Klinik zu gehen, ist gesunken“, sagt Dienhold. Nicht selten würde allerdings eine Behandlung bei niedergelassenen Ärzten am nächsten Tag noch ausreichen. Bei längst nicht allen „Notfällen“ sei die Not auch wirklich groß, sagt Dienhold.

Das bestätigt Prof. Philippe Stock, Leitender Arzt der Pädiatrie im Altonaer Kinderkrankenhaus: „Viele Eltern haben das Gefühl dafür verloren, was ein echter Notfall ist“, sagt Stock. „Probleme, für die die Oma einen einfachen Rat hätte, werden gegoogelt. Das verunsichert oft mehr, als dass es Klarheit schafft. Einfache Erkältungskrankheiten zum Beispiel müssen nicht sofort in der Notaufnahme eines Krankenhauses behandelt werden.“

Manchen Eltern genügen offenbar selbst kleine Wehwehchen oder Auffälligkeiten bei ihren Kindern, um mit dem Nachwuchs in der Klinik vorstellig zu werden. „Wir hatten auch schon Kinder mit Blasen an den Füßen oder Warzen in unserer zentralen Notaufnahme“, sagt Philippe Stock. „Der Aufwand, die Patienten herauszufiltern, die wirklich krank sind und dringende Hilfe benötigen, wird immer größer und verbraucht wertvolle Zeit.“