Erste Hilfe

So lernt ihr, Menschen das Leben zu retten

Wie eine Herzmassage richtig
durchgeführt wird, lernen die
Kinder an einer Puppe.

Wie eine Herzmassage richtig durchgeführt wird, lernen die Kinder an einer Puppe.

Foto: Getty Images

Was muss man tun, wenn ein Mensch neben einem ohnmächtig wird oder sich verletzt hat? Wir haben einen Kursus für Schüler besucht.

Hamburg.  Es passiert überall, jeden Tag: Ein Mensch verliert sein Bewusstsein, fällt hin und liegt ohnmächtig da. Ist er tot? Atmet er? Blutet er? Hat er sich beim Fallen etwas gebrochen? Ein Glück, wenn jemand in der Nähe ist und es bemerkt. Noch größeres Glück, wenn es in Kanada oder Schweden passiert, denn dort wird ihm wahrscheinlich sehr schnell jemand zur Hilfe eilen.

In diesen Ländern lernen und wiederholen schon Kinder regelmäßig, wie man Erste Hilfe leistet, lebenswichtige Funktionen prüft, reanimiert – und sie retten dadurch viele, viele Menschenleben. In Deutschland dagegen gibt es keinen flächendeckenden Unterricht in Erster Hilfe, nicht im Kindergarten, nicht an der Grundschule und auch nicht an weiterführenden Schulen.

„Dabei können Kinder viel besser Erste Hilfe leisten als Erwachsene“, sagt Tina Tappehorn, die seit 18 Jahren als „Kinderfee“ Erste-Hilfe-Kurse auch speziell für Kinder anbietet. „Denn sie gehen sehr offen und beherzt an das Thema heran und haben im Gegensatz zu der Mehrzahl der Erwachsenen keine Berührungsängste.“ Acht Kinder zwischen vier und acht Jahren sind heute zu ihr nach Eppendorf gekommen, um zu lernen, was sie tun können, wenn Mama, Opa oder der Klassenkamerad plötzlich ohnmächtig wird. Als Erstes sehen sie den Notfallkoffer der ausgebildeten Intensiv-Kinderkrankenschwester. Wieso ist hier eine Sauerstoffflasche?

Zuerst die Atmung prüfen

„Die brauchen doch nur Astronauten!“, weiß Ben. Tina Tappehorn erklärt, dass Sauerstoff für uns überlebensnotwendig ist. Wenn wir atmen, hebt und senkt sich unser Brustkorb, dabei nehmen wir Sauerstoff auf, der von den roten Blutkörperchen in die Lunge transportiert wird und von dort aus bis ins Gehirn geht. Und wozu braucht man sein Gehirn? „Zum Denken“, sagt Greta. „Zum Erinnern“, sagt Nova.

„Also ist die Atmung das Erste, was man prüfen muss, wenn jemand sein Bewusstsein verliert!“ Man solle sich nicht damit aufhalten, einen Puls zu suchen, denn bei einer Ohnmacht habe selbst ein niedergelassener Hausarzt nur eine 30-prozentige Chance, diesen zu spüren. Aber ob sich der Brustkorb hebt und senkt, kann jeder selber fühlen und sehen.

Merkt man also, dass der Ohnmächtige atmet, dreht man ihn in die stabile Seitenlage und überstreckt den Kopf. Bei Kälte deckt man ihn zu. Und ruft dann schnell die 112 und bleibt so lange in der Leitung, bis alle Fragen beantwortet sind. „Macht euch jetzt so weich wie Wackelpudding – und nun versuchen wir gegenseitig, uns in die stabile Seitenlage zu bringen.“

Puppen zum Üben

Doch was tun, wenn die ohnmächtige Person nicht mehr atmet? Dann braucht sie Sauerstoff von außen, logisch. Tina Tappehorn legt einen kindergroßen Teddy auf den Boden. Mund-zu-Mund-Beatmung und Herzdruckmassage werden zuerst am weichen Teddy geübt und im Anschluss an drei Puppen: einer Babypuppe, einer Kinderpuppe und einer Erwachsenenpuppe. Sauerstoff zuführen geht nur, wenn der Ohnmächtige auf dem Rücken liegt, deshalb muss man seinen Arm nehmen und ihn daran vorsichtig umdrehen. Dann heißt es hinknien, Rücken gerade machen, Arme durchstrecken, Hände übereinanderlegen und in die Mitte des Brustkorbes drücken. Immer wieder.

Bei den beiden kleinen Puppen geht das einfach, doch bei dem Erwachsenen hebt sich bei den Versuchen der Kinder gar nichts. Jesper möchte aber unbedingt wiederbeleben und beginnt deshalb, die Kraft seiner Beine zu benutzen – und siehe da, der Puppenbrustkorb hebt und senkt sich wieder, Reanimation erfolgreich! „Auf diese Art und Weise hat vor einigen Jahren ein Fünfjähriger in Hamburg seinem Vater das Leben gerettet“, erklärt die Expertin den Kindern.

Abwechselnd zur Herz-Druckmassage muss wieder beatmet werden. „Wichtig: Die Nase des Ohnmächtigen dabei zuhalten! Denn sonst kommt die ganze Luft durch seine Nase wieder heraus und erreicht nicht die Lunge!“

Nummer für den Notarzt

Was passiert euch sonst oft? Man verletzt sich und blutet. Vor allem am Finger tut das weh, deshalb muss hier das Pflaster gut halten. So geht’s: Von einem größeren Pflaster rechts und links ein Dreieck herausschneiden und dann das Pflaster um die Fingerkuppe kleben. Desinfiziert werden müssen nur Schürfwunden in Handtellergröße, kleinere reinigt man am besten mit Wasser. Da Blut vielen Kindern Angst einflößt, verrät Tina Tapphorn ihren ultimativen Kinderfee-Trick: „Das Blutmonster! Ich tupfe Blut mit einem sauberen, schwarzen Handtuch ab – sozusagen unsichtbar, denn zu sehen ist auf dem Handtuch rein gar nichts.“

Zum Schluss lernen die Kinder noch, wie man einen Druckverband anlegt: Immer zum Herzen hin wickeln. Nicht zu locker und nicht zu fest. Begeistert wickeln sich die angehenden Rettungshelfer gegenseitig ein. Nicht nur Füße, auch ganze Beine, die Hände, Bäuche und sogar zwei Köpfe werden eingewickelt. Acht Schwerverletzte! Puh! Da heißt es schnell den Notarzt rufen. Wer weiß noch mal die Nummer???

Informationen unter Tel. 040/44 84 21 (dienstags und donnerstags 10–14 Uhr). Weitere Termine Erste-Hilfe-Kurse für Kinder am 6.6., 15.8. und 26.9.; www.kinderfee-hamburg.de/