Harburg

Mord an Apotheker: Die wichtigsten Fragen und Antworten

Was man bis jetzt über das Opfer Mohamed J. weiß und welche Hypothesen es bisher zu den Tätern gibt.

Hamburg. Es ist eines der aufsehenerregendsten Verbrechen der letzten Jahre. Mitten in der Harburger Fußgängerzone wurde am 15. Januar Apotheker Mohamed J. (48) durch „Schläge mit einem stumpfen Gegenstand“ getötet. Der Fall löste viel Anteilnahme, aber auch viele Spekulationen aus. Selbst der Auftragsmord durch den syrischen Geheimdienst halten Personen aus seinem Umfeld für möglich. Das Abendblatt beantwortet die wichtigsten Fragen zur dem Fall.

Wer war Mohamed J.?

Mohamed J. war Syrer. Er hatte laut seinem Umfeld hier studiert und war Apotheker. Der Mann war mit einer Russin verheiratet und hatte zwei Kinder. Die Familie lebt an einer der besten Adressen in Harvestehude in einer dreigeschossigen Villa.

Was hat ihn mit Harburg verbunden?

Der 48-Jährige besaß mehrere Immobilien in der dortigen Fußgängerzone. Es handelt sich um dreigeschossige Geschäftshäuser, in denen im Erdgeschoss Ladengeschäfte sind. In einem der Gebäude hatte er seine Apotheke, die aktuell geschlossen ist. Zwei der Gebäude hatte er von einem Fonds erworben, der insolvent gegangen war.

Wie starb der Mann?

Tatort ist eines seiner drei Häuser in der Fußgängerzone. Das Gebäude, in dem er seine erste Apotheke hatte, steht leer und wurde gerade umgebaut. Mohamed J. starb durch Schläge mit einer Axt und vermutlich einem Hammer. Die Polizei zählte 20 Verletzungen vornehmlich im Gesicht und am Oberkörper. Außerdem wurde ihm ein Finger abgetrennt. Trotz der Schwere seiner Verletzungen hatte er sich noch auf die Straße schleppen können und war dort zusammengebrochen. Im Krankenhaus wurde dann der Tod des Mannes festgestellt.

Der 48-Jährige galt als engagiert. Wodurch ist das begründet?

Mohamed J. lebte zwar bereits lange in Deutschland. Er engagierte sich aber stark für Flüchtlinge aus seiner Heimat. Dafür hatte er den Verein „Union der Syrer im Ausland“ mitbegründet. Er war 1. Vorsitzender des Vereins, der zwar im Vereinsregister an seiner Wohnadresse in Harvestehude eingetragen ist, der aber, darauf weist ein Schild hin, in dem Haus beheimatet war, in dem der Apotheker getötet wurde.

Was machte der Verein?

Der Verein kümmerte sich um Flüchtlinge aus Syrien. Ein Schwerpunkt, so sagen Bekannte, sei die Sprachförderung gewesen. Aber auch im türkisch-syrischen Grenzgebiet, so zeigen es Fotos, war der Verein aktiv. Beim DRK half er während der Flüchtlingskrise, indem er Helfer über syrische Sitten und Gebräuche informierte. Dazu hielt Mohamed L. laut DRK dort zwei Vorträge von je 45 Minuten..

War der Getötete auch politisch aktiv?

Er selbst hatte sich als Mitglied einer der vielen syrischen „Schattenregierungen“ ausgegeben. Die „Schattenregierung“, der er angehörte, hatte ihren Sitz in Paris.

Am Tatort hängen Plakate, die Handlanger des Assad-Regimes für die Tat verantwortlich machen. Ist das möglich?

Im Umfeld hält sich die These hartnäckig. Die Polizei selbst ermittelt zwar „in alle Richtungen“. Dort hält man das nach den bisherigen Erkenntnisse für eher unwahrscheinlich.

Laut Vertreter der These deutet gerade der abgetrennte Finger auf eine Verwicklung des syrischen Geheimdienstes in die Tat hin. Ist das möglich?

Nach Einschätzung der Polizei nicht. Ermittler gehen davon aus, dass es eine Abwehrverletzung ist und dass der Finger abgetrennt wurde, als der Mann sich vor den Schlägen mit der Axt schützen wollte. Diese Einschätzung beruht auch auf dem Ergebnis der Obduktion durch Rechtsmediziner.

Gibt es andere Hypothesen zum Tod des Mannes?

Er könnte auch Opfer eines banalen Streites gewesen sein, möglicherweise mit Handwerkern, die in dem Haus gearbeitet hatten.

Was untermauert diese Hypothese?

Der 48-Jährige galt bei Geschäftspartnern als schwierig. Oft soll es Streitigkeiten um Geld gegeben haben. Deswegen gab es in der Vergangenheit auch mehrere Gerichtsprozesse. Diese Informationen stammen aus seinem geschäftlichen Umfeld. Untermauert werden diese Behauptungen durch verschiedene Ermittlungsverfahren, die die Polizei in den vergangenen Jahren gegen den Mann einleitete. Darunter war nach Informationen des Abendblattes auch ein Verfahren wegen „Vorenthaltung von Arbeitsentgelt“.

Gibt es Verdächtige?

Die Polizei fahndete nach zwei Männern mit einem auffallenden Größenunterschied, die am Tattag von der Harburger Rathausstraße in Richtung Tatort gegangen waren. Sie hatten einen Hammer und eine Axt dabei. Es könnte sich um die Tatwaffen handeln.

Gibt es weitere Spuren?

In dem Gebäude selbst wurde am Tatort unter anderem eine Axt gefunden, die als mögliche Tatwaffe angesehen wird. Außerdem stellte die Polizei bei einer Suche in der Umgebung zwei Schuhe und eine Jacke sicher, die in einen Mülleimer gesteckt worden waren. Es könnte sich um Kleidung des oder eines Täters handeln. Sie werden jetzt auf Spuren, insbesondere DNA, aber auch auf Fingerabdrücke untersucht. Die Polizei prüft, ob man über die Herkunft der Sachen Rückschlüsse auf die Täter ziehen kann. Darüber hinaus werden Aufnahmen aus Überwachungskameras in der Gegend ausgewertet. Darunter ist beispielsweise der nahe S-Bahnhof Harburg Rathaus.

Machen die Ermittlungen Fortschritte?

Schleppend. Nach einem Zeugenaufruf zu den beiden Männern ging nur eine Handvoll Hinweise ein, von denen die Polizei keinen als „heiße Spur“ bezeichnet.

Ist eine Axt nicht als Tatwerkzeug ungewöhnlich?

Ja. Bei den 40 Tötungsdelikten, inklusive Versuchen, über welche die Polizei im vergangenen Jahr berichtete, war in 26 Fällen ein Messer die Tatwaffe. In vier Fällen wurde eine Schusswaffe benutzt. In einem Fall war es ein Samurai-Schwert. Eine Axt wurde in keinem Fall benutzt. Allerdings sind Messer in jedem Haushalt verfügbar und greifbar. Da im Fall Mohamed J. eine Baustelle der Tatort war, ist es gut möglich, dass die Axt zufällig dort war und spontan als Tatwaffe benutzt wurde.

Gibt es weitere Hypothesen zur Tat?

Eine weitere These ist, dass der Mann zufällig auf Personen stieß, die sich illegal in dem Haus aufhielten,und dass es zu einem Streit kam.