Hamburg

Obikes-Leihräder: Alles andere als ein Renner

Massenware: die Obike-Räder im Lager in Barsbüttel.

Massenware: die Obike-Räder im Lager in Barsbüttel.

Foto: Klaus Bodig / HA

In Hamburg wurden rund 12.000 Räder verkauft – im Stadtbild sind sie kaum zu sehen. Warum die Käufer unzufrieden sind.

Hamburg.  Beim Online-Marktplatz Ebay Kleinanzeigen gibt es sie noch zu kaufen. Für die Stadt Hamburg bieten aktuell 21 Verkäufer die Fahrräder des pleitegegangenen Anbieters Obike an. Kosten: zwischen 50 und 80 Euro. Rabya Yawar will ihres für 60 Euro verkaufen. „Diese Räder sind eine große Enttäuschung“, sagt sie. Das Modell sei sehr schwer und habe nur einen Gang – die Fahrt anstrengend und langsam. „Ich bin nur einmal damit gefahren – das hat mir gereicht“, sagt Yawar.

Auch Daniel Jenett kaufte sich ein Obike, das er kaum nutzt. Der 50-Jährige bietet das silbrig-gelbe Fahrrad aber nicht zum Verkauf an. Stattdessen steht es dekorativ im Schaufenster seines Designstudios am Michel. Das bringe viel Publikumsverkehr, auch weil einige glaubten, es sei ein E-Bike. Jenett berät hauptberuflich Carsharing-Anbieter bei Designfragen. „Aber ein Auto passt nicht ins Fenster“, sagt er. Deshalb will Jenett das Rad noch eine Weile zu Dekorationszwecken stehen lassen, zumindest, bis ihm etwas Besseres einfällt.

Imbissbudenbetreiber verkaufte Räder

Die Firma Obike aus Singapur versuchte 2017 auf dem hart umkämpften Bike-Sharing-Markt in Deutschland Fuß zu fassen. Der Anbieter überschwemmte Städte wie München und Berlin regelrecht mit den gelb-silbernen Leihrädern. In Barsbüttel lagerte die Firma rund 10.000 Modelle ein, die für den Einstieg in der Hansestadt gedacht waren. Doch dazu kam es nie. Das Unternehmen musste Konkurs anmelden, und die für Hamburg gedachten Räder wechselten mehrfach den Besitzer. Im August 2018 verkaufte der hauptberufliche Imbissbudenbetreiber Osman Tazik 10.000 Räder aus der Barsbüttler Lagerhalle. Das Geschäft lief so gut, dass Tazik im September sogar noch mal 2000 Obikes aus Frankreich importierte und verkaufte.

Nach Vorliegen zweier Gutachten, die den Rädern mangelhafte Bremsleistung bescheinigten, wurde der Verkauf Ende September durch das schleswig-holsteinische Verbraucher­schutz­ministerium untersagt. Ein eventuell entstehendes Rückgaberecht müssten Käufer aber gegenüber Tazik durchsetzen. Der Schweizer Unternehmer ist nach Abendblatt-Informationen wieder in seine Heimat zurückgekehrt. „Ist der Verkäufer nicht mehr auffindbar, ist eine Durchsetzung der Ansprüche schwierig bis unmöglich“, sagt Julia Rehberg von der Verbraucherzentrale Hamburg.

Im Stadtbild fallen die 12.000 verkauften Obikes kaum auf. „Ab und zu sehe ich eins“, sagt Dirk Lau. Der ADFC-Sprecher hat eine Vermutung, woran das liegt: „Dass die Räder keine gute Qualität haben, kann sich jeder denken.“ Die Neuware kostete im Verkauf 69 Euro.