Verkehr

Mehr Unfälle auf maroden Gehwegen in Hamburg

Marode und zu schmale Gehwege im Generalsviertel in Eimsbüttel

Marode und zu schmale Gehwege im Generalsviertel in Eimsbüttel

Foto: Michael Rauhe

Die Zahl der Verletzten hat sich fast verdoppelt. Die CDU kritisiert „zunehmende Stolperfallen“ und fordert Sanierung.

Hamburg.  Nicht nur Radfahrer leben in Hamburg bisweilen gefährlich. Die an vielen Stellen maroden Gehwege führen auch immer häufiger zu Stürzen von Fußgängern. Das jedenfalls lässt sich aus den aktuellen Daten ableiten, die der Senat jetzt auf eine Kleine Anfrage des CDU-Verkehrspolitikers Dennis Thering unter dem Titel „Stolperfalle Gehweg“ vorgelegt hat.

Demnach hat sich die Zahl der Unfälle auf Fußwegen und der daraufhin an die Stadt gerichteten Schadenersatzansprüche im Laufe des Jahres 2018 bis etwa Mitte Dezember auf 94 fast verdoppelt. Im Dezember 2017 lag diese Zahl laut der Auswertung der Senatsdaten durch Thering noch bei 52.

Falsche Angaben

Auch wenn der Trend klar ist, scheint die Erhebung der Daten noch nicht optimal zu funktionieren. So sind die von den Bezirken an den Senat gemeldeten Daten zur Sicherheit der Fußwege bisweilen widersprüchlich oder falsch – was auch Vergleiche erschwert. So meldete der Bezirk Altona jetzt zunächst 153 Schadenersatzforderungen im laufenden Jahr. Erst nach Veröffentlichung der Senatsantwort und auf Nachfrage des Abendblatts wurde diese Zahl auf 17 korrigiert.

Insgesamt summierten sich die Schadenersatzforderungen von Bürgern, die auf Gehwegen im laufenden Jahr zu Schaden kamen, auf rund 39.500 Euro. In den meisten Fällen aber lehnte die Stadt die Zahlung ab. Bisher wurden 2018 lediglich etwas mehr als 3500 Euro an Geschädigte ausgezahlt.

Die höchste Zahlung leistete die Stadt mit 1691,89 Euro für einen Gehwegunfall in Höhe der Straße Am Born 20 in Ottensen. An einen auf Höhe Wendlohstraße 133 (Niendorf) Geschädigten flossen 1541,85 Euro. Die meisten Gehwegunfälle gab es laut Senat im laufenden Jahr im Bezirk Hamburg-Nord (24), es folgen Mitte (20), Altona (17) und Eimsbüttel (12).

Häufig Gehwege als Stolperfallen

„Hamburgs Gehwege sind in einem schlechten Zustand und werden immer häufiger zu Stolperfallen“, kommentierte CDU-Verkehrspolitiker Thering die Zahlen. „Der Senat verschleppt die Instandsetzung und ist unmittelbar für die zahlreichen Stürze und schweren Verletzungen verantwortlich. Es ist nicht hinnehmbar, dass Fußgänger, Rad fahrende Kinder und Menschen mit Rollatoren oder Rollstühlen Tag für Tag diesen Gefahren ausgesetzt sind. Anstatt zu sanieren, stellt der rot-grüne Senat lieber Hinweisschilder auf und versucht so, sich vor Schadenersatzansprüchen zu schützen.“

Auch die Umsetzung „des seit fast drei Jahren versprochenen Konzepts zur Schulwegsicherung wird von SPD und Grünen weiter blockiert“ so Thering. „Wir fordern den Senat auf, umgehend mit einer Sanierungsoffensive-Gehwege zu starten und in den kommenden Jahren jährlich vier Millionen Euro zusätzlich zu investieren. Die Gehwege müssen in einen verkehrstüchtigen Zustand versetzt werden.“

Ein Hauptproblem sind Wurzeln älterer Bäume

Das ist allerdings wohl nicht immer ohne Konflikte möglich. Denn oft sind Baumwurzeln dafür verantwortlich, dass Gehwegplatten angehoben werden und so gefährliche Unebenheiten entstehen. Straßenbäume aus Sicherheitsgründen zu fällen ist aber auch keine optimale Lösung – und diese Idee stößt in der Regel bei vielen Hamburgern auf großen Widerstand. Darauf weist auch die Wirtschafts- und Verkehrsbehörde hin.

Behördensprecherin Susanne Meinecke: „Viele Bäume, die in den 50er- oder 60er-Jahren gepflanzt wurden, haben flache Wurzeln. Tiefwurzler wurden damals weniger gepflanzt. Jetzt, Jahrzehnte später, schlagen die Wurzeln auf den Gehwegen durch den Boden. Deshalb müssen wir abwägen, wie damit umzugehen ist, wenn man den hohen Grünanteil erhalten möchte. Das ist eine generelle Herausforderung, die ganz Hamburg betrifft.“

Ziel: Konflikte zwischen Verkehrsteilnehmern entschärfen

Derzeit werde „das gesamte Straßenbild, inklusive der Gehwege, unter Berücksichtigung der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer betrachtet, überplant und verbessert“, so Meinecke. „Ein Ziel ist es dabei stets, mögliche oder vorhandene Konflikte zwischen verschiedenen Verkehrsteilnehmern zu entschärfen. Im Übrigen ist nicht jeder Unfall eines Fußgängers auf den Zustand des Gehweges zurückzuführen.“

Verbesserungen verspricht sich der Senat durch das Projekt „GIS-Strako“ (kurz für „geoinformationsbasierte Straßenkontrolle“), das 2019 starten soll. Alle Wegewarte würden Schäden dann mithilfe von mobilen Tablet-Computern aufnehmen, so Meinecke. „So können auch Schäden schneller abgearbeitet werden.“