Biografie

Beastie-Boys: Das umwerfendste Musikbuch des Jahres

Die Beastie Boys, einst Vorkämpfer für das Recht zu feiern. Auch bei Regen.

Die Beastie Boys, einst Vorkämpfer für das Recht zu feiern. Auch bei Regen.

Foto: Heyne Verlag/Beastie Boys

Die große Beastie-Boys-Biografie ist phänomenal und rekapituliert die Geschichte der epochalen New Yorker Band.

Hamburg.  Die banale Feststellung, wonach man das eigene Älterwerden auch an den Gesichtern berühmter Menschen ablesen kann, muss erlaubt sein. Und es muss ebenfalls gesagt werden, dass man manche Menschen einfach nicht altern sehen will. Oder gerade eben doch. Wer hätte gedacht, dass die Kindsköpfe von den Beastie Boys, die uns in den Achtzigerjahren „Fight For Your Right To Party“ einhämmerten, je graue Haare haben könnten? Aber wer hätte nicht gewollt, dass Beastie Boy Adam Yauch („MCA“) alt, gerne auch uralt wird und nicht bereits im Alter von nur 47 Jahren das Zeitliche segnet?

2012 ist Yauch an einer seltenen Krebserkrankung gestorben. Michael Diamond („Mike D“), und Adam Horovitz („Ad-Rock“), die beiden Musiker, mit denen er 30 Jahre lang Musik gemacht hatte, lösten im selben Jahr die Beastie Boys auf. Über ihre Karriere und ihre Freundschaft, über ihre Heimatstadt New York und das Musikgeschäft haben Diamond und Horowitz ein Buch geschrieben, das jetzt beinah gleichzeitig auf Englisch und Deutsch erschienen ist. Es ist in einem Wort: das phänomenalste und umwerfendste Musikbuch des Jahres.

"Beastie Boys Buch“ ist der äußerlich klobige Brocken, der dieser Band gebührt, die Hardcore und Rap amalgamierte und daraus eine einzigartige Popspielart machte. Eine anarchisch anmutende Bandbiografie, die aus einer Vielzahl von Einzeltexten der beiden Autoren, vielen, vielen Fotos und etlichen Gastbeiträgen von Fans wie Jonathan Lethem, Wes Anderson, Amy
Poehler, Colson Whitehead und Spike Jonze besteht. Das mit der Anarchie spiegelt, na klar, die ästhetische Strategie der Beastie Boys wider. Die aus behüteten Verhältnissen stammenden Teenager hörten Punk und Rock, als sie sich entschieden, selbst eine Band zu gründen. Mit Bass, Gitarre, Schlagzeug und ihren kräftigen Jungmann-Stimmen spielten sie in den kleinen Clubs anschließend ihre Version des Hardcore.

Pop-Pioniere statt Underground

Wäre es dabei geblieben, die Beastie Boys hätten einen Platz in der New-York-Underground-Nische sicher gehabt. Sie wurden aber zu Pop-Pionieren und einer weltweit geliebten Band. Einfach deswegen, weil mit Hip-Hop das heute maßgebliche Genre seinen Siegeszug antrat und MCA, Ad-Rock und Mike D eine diesbezügliche Erleuchtung hatten: Sie kauften sich mit einem Male jede Rap-Maxi, derer sie habhaft werden konnten. Sie waren weiße Jungs, und sie teilten ihre Konzerte fortan auf: in einen Hardcore- und einen Rap-Teil. Und dann gab es diese Aufteilung nicht mehr.

Wie das alles vonstatten ging, wer ihre Wege kreuzte und wie sie als Band wuchsen, wer sie beeinflusste und was sonst noch so passierte, zum Beispiel mit Tibet – das alles wird in diesem wilden Buch anekdotenreich erzählt. 1986 erschien „Licensed To Ill“, das sich bis heute mehr als zehn Millionen Mal verkaufte und ihre Hit-Platte geblieben ist.

Aber als das bahnbrechendste Werk der Beastie Boys gilt das drei Jahre später erschienene „Paul’s Boutique“, mit dem die Beastie Boys den Hip-Hop neu definierten. „Paul’s Boutique“ ist einmal als das „Sgt. Pepper des Hip-Hop“ bezeichnet worden. Selbst wenn es unter Umständen nicht stimmt: Es klingt gut. In einer Remaster-Version ist „Paul’s ­Boutique“ nun wieder veröffentlicht worden.

Wer es hört, der lese dabei das Beastie-Boys-Buch, angerührt von der eigenen Jugend, voller Bewunderung für drei Musiker, die sich für Grenzen nicht interessierten.