Hamburger Wahrzeichen

Die Zukunft des Fernsehturms – allmählich wird es konkret

Ein Wahrzeichen der Stadt:
Der Fernsehturm steht direkt
neben dem Messegelände.

Ein Wahrzeichen der Stadt: Der Fernsehturm steht direkt neben dem Messegelände.

Foto: Michael Rauhe

Grüne wollen günstige Preise für Einheimische, die SPD fordert eine 300-Tage-Öffnung. Leistungsfähiges Konzept gefordert.

Hamburg.  Seit gut 17 Jahren ist er für die Öffentlichkeit nicht mehr zugänglich – dies soll sich bald wieder ändern. Für das Jahr 2023 ist die Neueröffnung des Hamburger Fernsehturms geplant. Nach Abendblatt-Informationen wird die Deutsche Funkturm GmbH (DFMG) in den nächsten Wochen darüber entscheiden, wer der Betreiber des Wahrzeichens wird und damit auch für die Aussichtsplattform und die Gastronomie verantwortlich ist.

An der Ausschreibung hatten sich mehrere Unternehmen beteiligt (wir berichteten). Für die Sanierung des Turms stehen insgesamt 37 Millionen Euro zur Verfügung, die sich der Bund und die Hansestadt teilen. Mit diesem Geld werden ausschließlich die öffentlichen Bereiche renoviert und ein neuer Eingangskomplex am Fuß des Bauwerks geschaffen.

Gebäude für alle Hamburger

Aber was für ein Konzept soll auf dem Turm realisiert werden?­ Politiker, Denkmalschützer und Tourismus-Fachleute sind sich einig, dass Besucher nicht nur den Ausblick aus 130 Metern Höhe auf die Stadt genießen sollen, sondern dass die Pläne gastronomisch und kulturell umfassender angelegt werden.

Der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs, der maßgeblichen Anteil am Projekt der Wiederbelebung des Fernsehturms hat, forderte, das Bauwerk solle mit Aussichtsplattform und Gastronomie mindestens 300 Tage im Jahr der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, nicht nur für Veranstaltungen: Eine „reine Event-Location“ werde es „da oben nicht geben“. Es sei wichtig, einen finanzstarken Betreiber zu finden, der auf dem Turm ein leistungsfähiges Konzept umsetze. Natürlich sei es wünschenswert, wenn die Gastronomie auch einen Hamburg-Bezug habe und wenn es von Zeit zu Zeit auf dem Turm auch kulturelle Veranstaltungen für die Bürger gebe.

Fantastischer Rundumblick

Für Kristina Sassenscheidt, Vorsitzende des Denkmalvereins Hamburg, steht fest: „Der Turm muss wieder ein Ort für alle Hamburger werden, der niedrigschwellige Angebote macht.“ Neben der Gastronomie sollte es besondere Kunst- und Kulturveranstaltungen geben, zum Beispiel auch Debatten über Stadtentwicklung. „Schließlich gibt es kaum einen Ort, an dem man die Stadt und ihre Veränderungen besser über­blicken und diskutieren kann.“ Sassenscheidt schlägt außerdem vor: „Der NDR könnte eine Talkshow aus dem Fernsehturm senden, bei dem es um Hamburg-Themen geht.“

Auch Hamburgs Tourismus-Chef Michael Otremba beteiligt sich an der Diskussion: „Die Plattform bietet einen fantastischen Rundumblick über die Stadt und allein damit schon einen sehr emotionalen Hamburg-Bezug. Ich fände es sehr spannend, den Hamburgern die Möglichkeit zu bieten, sich an der Ideenfindung zu beteiligen.“

Wünsche der FDP

Eine klare Forderung hat auch Mittes Grünen-Fraktionschef Michael Osterburg: „Es wird von Stadt und Bund viel Geld zur Verfügung gestellt, um die Wiedereröffnung zu realisieren. Vor allem die Hamburger sollten davon profitieren und Sonderpreise erhalten.“ Das müsse natürlich auch für Schüler und Senioren gelten – bei diesen allerdings unabhängig davon, ob sie aus Hamburg oder woanders herkommen.

Auch die FDP hat Wünsche: „Wichtig sind besucher- und touristenfreundliche Öffnungszeiten, ein attraktives Gastronomieangebot und ein für jedermann bezahlbares Entgelt für die Auffahrt“, sagte der Bürgerschaftsabgeordnete Jens P. Meyer.

Aber nicht nur der Hamburger Fernsehturm wird wiedereröffnet. In der HafenCity entsteht im geplanten Wolkenkratzer Elbtower eine Aussichtsplattform und ein Restaurant auf rund 200 Metern Höhe. Die Fertigstellung des rund 244 Meter hohen Gebäudes ist für 2025 geplant. Das begrüßt SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf: „Der Fernsehturm und die geplante Aussichtsplattform auf dem Elbtower sind eine Bereicherung für die Stadt.

Ich sehe diese beiden Attraktionen nicht als Konkurrenz zueinander.“ Denn von beiden Aussichtspunkten bekämen die Besucher Hamburg aus völlig unterschiedlichen Perspektiven zu sehen. Außerdem sei es in Weltmetropolen wie London oder New York geradezu ein Trend, dass in den höchsten Gebäuden Aussichtsplattformen mit Bars oder Restaurants geschaffen werden. Da befinde ich Hamburg doch in bester Gesellschaft, so Kienscherf.

Nach Abendblatt-Informationen soll der Betreiber des Fernsehturms Anfang des neuen Jahres präsentiert werden. Dem Vernehmen nach wird die TV Alexanderplatz Gastronomiegesellschaft den Zuschlag erhalten, die bereits den Berliner Fernsehturm betreibt und sich – wie berichtet – auch an der Ausschreibung für Hamburg beteiligt hatte.