Hamburg

Warnstreik beendet – was Bahnkunden jetzt wissen sollten

Einstellung des Fernverkehrs wirkt sich über gesamten Tag aus. Tickets bleiben gültig oder werden erstattet. Hotline geschaltet.

Hamburg. Pendler mussten am Montagmorgen mit vielen Zugausfällen und Verspätungen zurechtkommen: Wegen des Warnstreiks der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) hat die Deutsche Bahn den Fernverkehr am Montagmorgen bundesweit eingestellt. Auch der Regionalverkehr und der Güterverkehr waren massiv eingeschränkt. Insgesamt waren allein von der DB mehr als 1400 Züge betroffen.

Im Norden wurden die Strecken Hamburg–Harburg–Cuxhaven (RE5) sowie Schwerin–Rostock nicht mehr bedient. Am Kieler Hauptbahnhof wurde der Zugverkehr am Morgen komplett eingestellt. Die Auswirkungen des um 9 Uhr beendeten bundesweiten Warnstreiks würden noch über den gesamten Tag spürbar bleiben, kündigte die Bahn an. Grund: Wegen der Streikaktivitäten konnten Züge nicht planmäßig gewartet werden, Züge und Personal seien in vielen Fällen nicht an den vorgesehenen Einsatzorten.

In Hamburg war über den Fernverkehr hinaus der S-Bahn-Betrieb der Linie S3 zwischen Stade und Neugraben betroffen. Dort fand bis 9 Uhr kein Zugverkehr statt, nur wenige Busse sind als Ersatzverkehr eingerichtet. Eine Presseveranstaltung zum zehnjährigen Bestehen der Hamburger Flughafen-S-Bahn ist wegen des Warnstreiks bei der Bahn abgesagt worden. Dabei sollte eine eigens für den Geburtstag gestaltete S-Bahn gezeigt werden.

Auch der Metronom meldete Auswirkungen des Streiks. Grund: Bahnmitarbeiter einiger Stellwerke traten ebenfalls in den Ausstand. Die Verbindung zwischen Hamburg und Bremen (RE4/RB41) war deshalb beeinträchtigt, wie die private Eisenbahngesellschaft mitteilte. So konnte der Bahnhof Bremen nicht mehr angefahren werden. Die Teilstrecke Sagehorn–Bremen musste entfallen. Einschränkungen gab es auch auf dem Abschnitt Sagehorn–Hamburg.

Auf der Linie Uelzen–Hannover–Göttingen (RE2) wurden die Bahnhöfe Hannover, Göttingen und Eschede nicht bedient. Nicht befahren wurden die Abschnitte von Hannover nach Eschede und Banteln. Zwischen Banteln und Göttingen verkehrten die Züge unregelmäßig. Einzig auf der Verbindung von Hamburg nach Uelzen kamen Reisende störungsfrei voran.

Einige Erixx-Züge und Nordwestbahnen blieben ebenfalls stehen – etwa die Weser-Lammetal-Bahn, die zwischen Bünde und Hildesheim verkehrt.

Bahn strebt "zügige Lösung" des Tarifkonflikts an

Die Gewerkschaft hatte ihre Mitglieder in ganz Deutschland zum Ausstand aufgerufen und dabei keinen regionalen Schwerpunkt gesetzt. Der Grund des Warnstreiks: Die Gewerkschaft will damit im Tarifkonflikt mit der Bahn ihre Forderungen durchsetzen. Am Sonnabend hatte die EVG die Tarifverhandlungen für rund 160.000 Beschäftigte abgebrochen. Bei der Lohnerhöhung war der Konzern der Gewerkschaft aus deren Sicht nicht weit genug entgegengekommen.

Die Bahn erklärte am Montagmorgen, "zügig" zu Ergebnissen in der Tarifrunde kommen zu wollen. "Wer verhandelt, muss bereit sein, sich auf den anderen zuzubewegen. Jede Seite muss ihren Teil dazu beitragen. Die DB will mit der EVG ernsthaft weiterverhandeln", hieß es in einer Twitter-Mitteilung.

Tickets bleiben gültig oder werden erstattet

Ein Bahnsprecher empfahl Reisenden dringend, ihre Reisen auf den Dienstag zu verschieben. Im Fernverkehr sollen alle für Montag gekauften Tickets bis kommenden Sonntag, den 16. Dezember gültig bleiben, wie die Bahn mitteilte. Für Spar- und Superspartickets werde zudem die Zugbindung aufgehoben. Im Fall von Reiseabsagen wegen des Streiks sind Erstattungen von Tickets und Reservierungen geplant.

Die DB versprach zudem, alle Tickets und Reservierungen zu erstatten, sofern die Reise bedingt durch den Streik nicht wie geplant möglich gewesen ist. Für betroffene Kunden wurde unter Telefon 08000 996633 eine kostenlose Hotline geschaltet, die bis 24 Uhr erreichbar ist. Allein bis 12 Uhr sind etwa 12.000 Anrufe eingegangen.

Am Dienstag soll der Zugverkehr dann wieder planmäßig laufen. Weitere Fragen und Antworten zu den Auswirkungen und Hintergründen des Streiks finden Sie hier.

Kein Verkehrschaos auf den Straßen

Obwohl die EVG den Warnstreik bereits am Wochenende angekündigt hatte, wurden am Montagmorgen viele Pendler und Geschäftsreisende von den Zugausfällen überrascht. Betroffen war auch der Hamburger SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs.

Andere werden aufs Auto umgestiegen sein. Ein erhöhtes Verkehrsaufkommen war nach Angaben der Verkehrsleitzentrale allerdings nicht zu verzeichnen. Zwar geriet der Verkehr an einigen neuralgischen Knotenpunkten – Autobahndreiecke Nordwest und Südost, Autobahnkreuz Süd und A24 – zeitweise ins Stocken. Doch sei die Lage für einen Montagmorgen bei schlechtem Wetter durchaus üblich.

Auch am Hamburger Hauptbahnhof waren viele Reisende von dem Bahnstreik betroffen. Auf den Info-Tafeln stand hinter jedem zweiten Zug “fällt aus”, vor dem Informationsschalter standen die Menschen Schlange, um Auskunft über mögliche Alternativen zu erhalten. Von einer Situation wie an den Bahnhöfen Nordrhein-Westfalens blieb Hamburg aber anscheinend verschont: Kurz vor Ende des Warnstreiks um 9 Uhr war der Bahnhof nicht sonderlich stark frequentiert.

Was Reisende am Hauptbahnhof sagen

“Ich glaube, dass viele schon vorher gesagt haben, dass sie es heute Morgen gar nicht erst probieren”, sagte Simon Jacobsen. Er war auf dem Weg nach Oldenburg. Er zeigte Verständnis für die Aktion der EVG. Petra Richter, die auf dem Weg zu ihrer Schwester in Berlin war, ist der gleichen Meinung: “Ich finde es schön, dass sie überhaupt noch streiken können. In der Pflege geht das gar nicht mehr.” Zudem sei heute ihr erster Urlaubstag, wirklich im Zeitdruck sei sie also nicht. “Die Geschäftsleute hingegen fluchen wahrscheinlich.”

Ein Geschäftsreisender, der gerade auf dem Weg nach Darmstadt war, wird heute wohl auf die Weihnachtsfeier seiner Firma verzichten müssen. Eigentlich sollte sein Zug um 8.24 Uhr fahren. “Ich glaube, ich gehe nach Hause und sage die Reise ab”, sagte er. Er könne nicht nachvollziehen, wieso die Geschwerkschaftsmitarbeiter ihren Frust “auf anderen Leuten abwälzen”. Auch Christian Krück glaubt, dass es bei den Streiks immer die Falschen trifft: die Bahnreisenden und eben nicht die Arbeitgeber. “Irgendwo habe ich aber trotzdem Verständnis für die Streikenden.”

Auch Reisezentren werden bestreikt

Manche warteten an den Bahnhöfen vergeblich auf Informationen. Nach Angaben der Bahn würden teilweise auch die Reise- und Ansagezentren bestreikt. Die Unternehmensseite Deutschebahn.com mit weiterführenden Informationen war am Morgen phasenweise nicht mehr aufzurufen, offenbar war der Server der Vielzahl der Abfragen nicht gewachsen. Vom Streik betroffen waren auch die Informationssysteme auf bahn.de/aktuell und im DB-Navigator.