Hamburg

Osdorf-Connection: Kokain kam per Schiff aus Brasilien

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Eine der Festnahmen im Rahmen der Großrazzia gegen die "Osdorf-Connection"

Eine der Festnahmen im Rahmen der Großrazzia gegen die "Osdorf-Connection"

Foto: TV Newskontor

Die bei einer Razzia in Rothenburgsort sichergestellten 1,1 Tonnen Kokain waren in einer Tarnladung in einem Container versteckt.

Hamburg.  Die in der vergangenen Woche im Rahmen eines spektakulären Polizeieinsatzes sichergestellten 1,1 Tonnen Kokain sind nach Informationen des Hamburger Abendblattes per Schiff aus Santos in Brasilien nach Hamburg gekommen. Die Stadt im Bundesstaates São Paulo gilt als der bedeutendste Hafen Lateinamerikas. Für die Sicherheitsbehörden ist die Stadt ein Albtraum. Sie gilt als der Hafen, aus dem das meiste Kokain nach Europa kommt.

Für die Ermittler des Landeskriminalamtes dürfte es schwierig sein, die Absender zu ermitteln. Die Behörden in der brasilianischen Hafenstadt gelten als korrupt. Viele sollen, wie auch Arbeiter und Verantwortliche im Hafen, in den Kokainschmuggel verwickelt sein. „Wenn man als Polizei bei Kollegen dort anruft, weiß es auch schnell die Gegenseite“, sagt ein Beamter. „Das, was sich dort abspielt, ist Wild-West.“

Reedereien, so heißt es, lassen die Besatzungen ihrer Schiffe dort nicht mehr an Land. Zu groß ist die Gefahr, dass sie gezwungen werden, Kokain mit an Bord ihres Schiffes zu nehmen und es nach Europa zu schmuggeln. „Wer sich weigert, begibt sich in Lebensgefahr“, so ein Beamter.

1,1 Tonnen Kokain waren in einer Tarnladung versteckt

Hamburg gilt neben Antwerpen und spanischen Häfen als ein Zielpunkt der Frachtschiffe aus Santos. Die Kontrolle der hier anlandenden Güter ist unmöglich. „Aus Südamerika kommen längst nicht nur Bananen, sondern auch in großen Mengen Kakao, Soja, Holzkohle, Möbel, und andere Güter“, sagt ein Insider aus dem Hafen. „Fast jedes große Frachtschiff hat Container aus Santos an Bord. Es können schnell ein paar Hundert dieser Frachtbehälter sein, die dort an Bord geholt wurden."

Auch Ladungen mit Bananen, die als klassische Tarnladung für Kokainschmuggel galten, sind nur schwer zu überwachen. Da selbst diese Früchte vermehrt in Containern transportiert werden, kommen sie nicht nur am O'Swaldkai, dem traditionellen Anlaufpunkt für die Bananendampfer aus Südamerika, sondern an verschiedenen Terminals im Hamburger Hafen an.

Elf Verdächtige sitzen in U-Haft

Die am vergangenen Donnerstag bei einer Razzia in Rothenburgsort sichergestellten 1,1 Tonnen Kokain waren in einer Tarnladung versteckt. Das Kokain selbst dürfte aus Kolumbien stammen. Über den Landweg wird es nach Brasilien gebracht. Die Sicherstellung war kein Zufallsfund. Die Polizei hatte über Monate ermittelt und war über das Eintreffen der größeren Ladung informiert. Der riesige Kokain-Deal war nach Erkenntnissen von Ermittlern von einem führenden Mitglied der Hells Angels vom Charter „Hellport“ eingefädelt worden.

Inzwischen sitzen alle elf Männer, die im Rahmen der Razzia festgenommen worden waren, in Untersuchungshaft. Gegen drei von ihnen lagen bereits Haftbefehle vor, darunter ein führendes Mitglied der Hells Angels.

( zv )

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