Razzia in Hamburg

Eine Tonne Kokain! Osdorf-Connection zerschlagen

Erfolg nach OK-Ermittlungen: Acht Festnahmen, drei Verhaftungen und einer der größten Drogenfunde der Hamburger Geschichte.

Hamburg. Der Polizei ist ein herausragender Schlag gegen die organisierte Kriminalität gelungen. Am Donnerstag stellten Spezialkräfte in Rothenburgsort einen Lastwagen mit einem Container voller Drogen sicher. Am Freitagmittag bestätigte die Polizei, dass mehr als eine Tonne Kokain gefunden wurde. Damit ist es einer der größten Drogenfunde der Nachkriegsgeschichte in Hamburg.

Zudem wurden weitere Drogen und rund 170.000 Euro Bargeld beschlagnahmt. Acht Personen wurden festgenommen, darunter Martin P., ein 39 Jahre altes führendes Mitglied der in Hamburg verbotenen Rockergruppe Hells Angels. Sie werden noch am Freitag dem Haftrichter zugeführt. Drei weitere Männer, gegen die bereits Haftbefehle vorlagen, wurden bereits ins Untersuchungsgefängnis gebracht.

Die Razzia ist das Ergebnis monatelanger Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und der Soko "Rocker" gegen eine Gruppe von Verdächtigen aus Osdorf, bei denen zunächst "nur" der Verdacht bestand, sie könnten im großen Umfang mit Marihuana handeln. Diese Verdächtigen hatten Kontakt zu dem nun festgenommenen Mitglied der Hells Angels in Hamburg.

Ein Dutzend Durchsuchungen auch bei den Hells Angels

Am Donnerstag wurde der Lkw mithilfe von Spezialkräften der Polizei sichergestellt. Dabei wurden fünf Männer festgenommen, die gerade dabei waren, das Kokain auf dem Gelände einer Spedition in Rothenburgsort aus dem Container zu entladen. Im Anschluss begann eine groß angelegte Razzia, bei der ein Dutzend Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt wurden. Unter anderem wurden Wohnungen und Treffpunkte der Hells Angels und ihrem Unterstützerumfeld durchsucht, bis tief in die Nacht hinein. Auch hier waren Spezialkräfte in großem Stil eingebunden. Die Rocker gelten als gefährlich und bewaffnet.

Unter anderem soll der Wohnsitz eines führenden Kopfes der Rockergruppe durchsucht worden sein, der den "Hells Angels Harbour City" zugerechnet wird. Dieser gilt Insidern eigentlich als weniger "mächtiger" Zweig der Rocker in Hamburg. Er wäre der Abnehmer des Kokains gewesen.

Schwarzmarktwert des Kokains könnte bei 200 Millionen Euro liegen

Ermittlungen wegen Drogen- und Waffenhandels und Delikten im Rotlichtmilieu gab es gegen die Hells Angels immer wieder, oft ging es um große Summen. Der aktuelle Fall dürfte aber alle bisherigen Ermittlungserfolge weit in den Schatten stellen – auch, weil die Hintermänner ermittelt wurden. Sollte es sich bei den sichergestellten Drogen um reines Kokain handeln, dürfte der Schwarzmarktwert des Rauschgifts bei rund 200 Millionen Euro liegen.

Polizeisprecher Timo Zill zeigte sich sehr zufrieden mit dem Ergebnis der Razzia: "Die mehrmonatigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hamburg und der Polizei Hamburg, die diesem Einsatz vorausgingen, stellen einen schweren Schlag gegen die organisierte Kriminalität in Hamburg und insbesondere die Rockerkriminalität dar."

In der Vergangenheit wurden immer wieder große Mengen Kokain in Hamburg sichergestellt. Sie kommen in der Regel per Schiff aus Südamerika und sind für den Rauschgiftmarkt in ganz Europa bestimmt. 2017 hatte der Zoll insgesamt 3,8 Tonnen Kokain im Hafen sichergestellt. Die bislang größte Sicherstellung von Kokain durch die Polizei gab es 2010. Damals wurden auf einen Schlag 1,2 Tonnen aus dem Verkehr gezogen.