Ausrüstung

Die besonderen Spezialwesten der Hamburger Polizei

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André Zand-Vakili und Christoph Heinemann
Polizeikommissarin Janine Kindel von der Wache Rahlstedt mit der neuen Einsatzweste.

Polizeikommissarin Janine Kindel von der Wache Rahlstedt mit der neuen Einsatzweste.

Foto: André Zand-Vakili

Die Beamten ändern ihr Erscheinungsbild. Die neuen Kleidungsstücke schützen viel stärker als bisher – und praktischer sind sie auch.

Hamburg.  Bislang waren sogenannte taktische Überziehwesten den Spezialeinheiten vorbehalten. Jetzt sollen auch Hamburgs Streifenpolizisten damit ausgerüstet werden – damit wird sich das Erscheinungsbild der Polizei deutlich verändern.

Ein Jahr lang haben Beamte der Wachen Rahlstedt und Troplowitzstraße solche Westen getestet. Angeschafft wird ein noch einmal verbessertes Modell, in das die Erfahrungen aus dem täglichen Dienst einflossen. „Wir werden anders aussehen“, sagt der Chef der Schutzpolizei, Hartmut Dudde.

Die Sachen drücken am Rücken

Die Zeiten, als Polizisten nur Handschellen und Pistole am Koppel hatten, sind bekanntermaßen lange vorbei. Heute ist es ein ganzes Sammelsurium von Ausrüstungsgegenständen, das am Gürtel befestigt ist. Dazu gehören Funkgerät, Desinfektionsmittel, Handschuhe oder Teleskopschlagstock.

Das ist viel zu viel, stellte die Polizei fest. „Beim Sitzen im Peterwagen drückten die Sachen am Rücken“, sagt Polizeikommissarin Janine Kindel von der Wache Rahlstedt. Sie durfte als eine der Ersten in der Hamburger Polizei im Streifendienst eine taktische Weste tragen. „Sehr gut“, sagt sie zu ihren Erfahrungen mit der Ausrüstung. Integriert in das neue Kleidungsstück ist die sogenannte Schutzweste gegen Beschuss, landläufig Kugelweste genannt, die man aber auch herausnehmen kann. Die aufgenähten Taschen bieten Platz für Handschellen oder andere Utensilien. Es gibt Haltevorrichtungen für das Funkgerät.

Die endgültige Version der Weste soll sogar noch besser werden. An ihr können mithilfe eines Klettsystems die Taschen variabel an beliebigen Stellen aufgesetzt werden. Außerdem gibt es Reflektoren. Die können aufgerollt werden, damit man sie, beispielsweise bei der Jagd nach Einbrechern, nicht sieht, oder damit Polizisten bei der Suche nach einem bewaffneten Täter nicht wie hell erleuchtete Zielscheiben herumlaufen.

Weste stammt aus dem Militär

Ist ein Polizist dagegen beispielsweise bei einem Verkehrsunfall eingesetzt, werden die Reflektoren ausgerollt. So ist der Beamte deutlich besser für andere Verkehrsteilnehmer zu sehen. „Das System hat eine ganz hohe Akzeptanz bei meinen Kollegen“, sagt Hartmut Dudde. Das Grundkonzept der Westen mit variablen Aufsätzen stammt vom Militär. Dort sind solche taktischen Kleidungsstücke bereits seit Jahren in Gebrauch. Dabei wurden sie immer weiter verbessert. Bei Spezialeinheiten der Polizei, die sich in ihrer Ausstattung angesichts der terroristischen Bedrohung immer weiter dem Militär annähern mussten, sind die Westen ebenfalls seit ein paar Jahren Standard.

Für den Streifendienst der Polizei sah man bislang nicht die Notwendigkeit. Auch, weil die Westen die Beamten deutlich martialischer und furchteinflößender wirken lassen. Diese Bedenken sind mittlerweile in den Hintergrund getreten.

Schnelles Schwitzen unter der Weste

Auch hier hat die in den vergangenen Jahren gestiegene Terrorbedrohung offenbar Wirkung gezeigt. Die Erfahrungen aus Anschlägen in mehreren Großstädten Europas haben gelehrt, dass es heute nicht mehr möglich ist, bei einem Terroranschlag oder einem Amoklauf auf das Eintreffen von Spezialkräften zu warten. Ein entsprechendes Szenario war erst in der vergangenen Woche in der HafenCity durchgespielt worden.

„Gut wäre es, wenn man bei Einführung der neuen Weste noch atmungsaktive Oberbekleidung dazubekommen könnte“, sagt Polizeikommissarin Kindel. „Da die Weste, inklusive der schusssicheren Einlage, jetzt über der Kleidung getragen wird, schwitzt man sehr schnell.“

Die Anschaffung neuer Oberbekleidung für die Schutzpolizei wird bereits seit Jahren diskutiert und geprüft. So berichtete das Hamburger Abendblatt schon im Jahr 2016 über Pläne, die Beamten im Innenstadtbereich mit Signalwesten auszustatten. „Wir wollen die Sichtbarkeit der Polizisten in belebten Bereichen erhöhen und damit auch das Sicherheitsgefühl der Bürger stärken“, sagte damals eine Polizeisprecherin.

Auch Innensenator Andy Grote (SPD) bezeichnete die Anschaffung als „einfache und sinnvolle Idee“. So könnten etwa Opfer von Taschendieben in der Innenstadt den nächsten Polizeibeamten deutlich schneller erkennen als bisher. Die Polizeigewerkschaften standen der Neuerung gespalten gegenüber. Die Westen könnten sinnvoll sein – „aber sie bringen keine zusätzlichen Polizisten“, hieß es.

Auch neue Polizeipanzer

Neben der Hamburger Schutzpolizei soll auch die Bereitschaftspolizeimit 1000 neuen Einsatzwesten ausgestattet werden. Der Haushaltsausschuss des Bundestages hat eine entsprechende Finanzierung zugesichert. Aus Berlin kommt außerdem finanzielle Hilfe, um Ersatz für die inzwischen stark veralteten vier grünen Panzerfahrzeuge der Hamburger Bereitschaftspolizei zu beschaffen.

„Die neuen Polizeipanzer sowie die neuen Schutzwesten sind von großer Bedeutung, da die Einsatzlagen immer komplexer und nicht erst seit dem G-20-Gipfel in Hamburg auch immer gewaltbereiter verlaufen“, sagte der Hamburger Bundestagsabgeordnete Christoph de Vries (CDU).

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