Videoüberwachung

Wird der Hamburger Hauptbahnhof jetzt sicherer?

In der Bundespolizeiinspektion in Jenfeld laufen die Bilder der Kameras im Hauptbahnhof zusammen

In der Bundespolizeiinspektion in Jenfeld laufen die Bilder der Kameras im Hauptbahnhof zusammen

Foto: Andre Zand-Vakili

190 neue Videokameras übertragen das Geschehen zur Bundespolizei. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Hamburg.  190 neue Videokameras, die rund um die Uhr das Geschehen aufzeichnen, sollen den Hauptbahnhof von sofort an sicherer machen. Die Bilder werden live in die Einsatzzentrale der Bundespolizei­inspektion in Jenfeld übertragen. Dort können Verdächtige in Echtzeit verfolgt oder kurz zuvor begangene Taten noch einmal abgerufen werden.

Polizeidirektor Normen Großmann bezeichnete den Einsatz der neuen Technik, die in Kooperation von Bundespolizei und Bahn erfolgte, als „Quantensprung“ für die Polizeiarbeit. Gleichzeitig kündigte er an, dass Beamte bereits zum Jahresanfang nach erfolgreicher Erprobung mit 40 Bodycams ausgerüstet werden, die damit bei der Bundespolizei in Hamburg flächendeckend zum Einsatz kommen.

Was ist besser an den neuen Kameras? Die jetzt eingesetzten Kameras zeichnen in Full HD auf. Damit sind wesentlich höhere Kontrastumfänge möglich, sodass auch bei schwierigen Lichtverhältnissen mehr Details sichtbar sind. Die Aufnahmen selbst sind wesentlich schärfer. Problemlos können einzelne Vorfälle ins Visier genommen werden.

Sind nun mehr Kameras im Einsatz? Mit 190 Kameras ist die Zahl der Geräte nahezu verdoppelt worden. Die Vorgängermodelle waren sogenannte Domkameras, die schwenkbar waren und so einen Bereich von 360 Grad abdeckten. Allerdings wurden so viele Ereignisse nicht erfasst, weil die Kamera gerade in eine andere Richtung geschwenkt war.

Ist die Abdeckung durch Kameras jetzt besser? Ja. Zwar wollen weder Bundespolizei noch Bahn verraten, wie viel Fläche des Hauptbahnhofs genau durch Kameraüberwachung abgedeckt ist. „Sie erfassen nicht 100 Prozent der Fläche, aber die wichtigen und richtigen Orte“, sagte Großmann.

Wird auch der Außenbereich des Bahnhofs mit den neuen Kameras überwacht? Nein. Das gibt die komplizierte Rechtslage nicht her.

Warum ist die neue Videotechnik für die Polizei gerade am Hauptbahnhof so wichtig? Der Hauptbahnhof ist der am stärksten frequentierte Bahnhof in Deutschland. Rund 550.000 Menschen halten sich dort täglich auf. 80 Prozent der monatlich rund 1000 Einsätze der Bundespolizei in Hamburg führen die Beamte in den Hauptbahnhof. Die Hälfte aller 2000 im Jahr 2016 an­gezeigten Körperverletzungsdelikte im Zuständigkeitsbereich der Bundes­polizei wurde im Hauptbahnhof begangen.

Fühlen Sie sich durch die bessere Kameraüberwachung am Hauptbahnhof sicherer?

Verhindert Videoüberwachung Straftaten? Zwar würden laut Großmann Terroristen oder eine bestimmte Klientel wie unter Drogen- und Alkohol­einfluss stehende Täter nicht ab­geschreckt. Für die Masse der Täter sei laut Großmann aber Videoüber­wachung ein Grund, der sie von der Begehung einer Straftat abhalte. Das haben auch Studien ergeben.

Wie lange bleiben die Aufnahmen gespeichert? Die Bundespolizei speichert die Aufnahmen aller 190 Kameras 30 Tage lang, bevor sie überspielt werden. Denn viele Straftaten würden laut Großmann erst im Nachhinein angezeigt. So kann man Beweismaterial auch noch Tage nach der Tat sichern.

Gibt es auch eine Gesichtserkennungssoftware? Nein. Das ist, auch wenn die neue Videotechnik dafür geeignet ist, bislang nicht vorgesehen. Aktuell läuft ein Test im Bahnhof Südkreuz in Berlin, durch den festgestellt werden soll, ob die Gesichtserkennung technisch zuverlässig funktioniert. Ob sie dann eingeführt wird, hängt laut Großmann davon ab, „ob man es politisch will“. Außerdem ist die Frage der Finanzierung solcher „intelligenten Videotechnik“ offen.

Werden Bilder aus Überwachungs­kameras direkt an die Einsatzkräfte im Bahnhof geschickt? Nein. Die Bundespolizisten sind mit Digitalfunkgeräten ausgerüstet. Bilder können sie nicht empfangen. Smartphones gehören nicht zu ihrer Ausrüstung. Das Senden von Bildern aus Überwachungskameras auf private Geräte der Bundespolizisten ist rechtlich nicht möglich.

Werden auch andere Bahnhöfe mit der neuen Videotechnik ausgerüstet? Bereits im Laufe des kommenden Jahres sollen die Bahnhöfe Harburg, Altona, Dammtor sowie die S-Bahn-Haltepunkte Jungfernstieg, Landungsbrücken und Hamburg Airport mit der neuen Kamerageneration bestückt werden. Insgesamt ist die Bundespolizei in Hamburg für 70 Bahnhöfe und S-Bahn-Haltepunkte zuständig, in denen 1059 Kameras installiert sind.

Was kostet die neue Technik? Allein im Hauptbahnhof wurden 1,7 Millionen Euro für die neue Videokameratechnik investiert. Die Umsetzung dauerte zwei Jahre. Finanziert haben die Umrüstung am Hauptbahnhof der Bund und die Deutsche Bahn im Rahmen des Programms zur Ausweitung und Modernisierung der Videotechnik in großen Bahnhöfen. Bundesweit wurden dafür insgesamt 85 Millionen Euro zur Verfügung gestellt.