Hamburg

Alle vier Stunden wird in Hamburg ein Auto gestohlen

Die Polizei zählte vergangenes Jahr 1816 entwendete Kfz. Im Süden Deutschlands wesentlich weniger Autodiebstähle.

Hamburg.  Diebe haben es weiterhin besonders oft auf die Autobesitzer in der Hansestadt abgesehen: Im vergangenen Jahr sind 1143 kaskoversicherte Pkw in Hamburg entwendet worden – fast doppelt so viele wie im gleichen Zeitraum in Schleswig-Holstein (605 Diebstähle). Dabei ist ein Schaden von fast 26 Millionen Euro entstanden.

Sichere Städte in Süddeutschland

Bundesweit war das Risiko, Opfer eines Autodiebstahls zu werden, nur in Berlin noch höher. Das geht aus der neuen Statistik des Gesamtverbandes der Versicherungswirtschaft (GDV) hervor. Den Daten zufolge wurden somit durchschnittlich 1,9 von 1000 versicherten Fahrzeugen in Hamburg gestohlen. Bundesweit liege die Quote dagegen bei 0,5, in Schleswig-Holstein bei nur 0,4. Während Berlin mit 3,6 gestohlenen Autos auf 1000 Pkw eindeutig die größte Hochburg der Autodiebe darstellt, hatten die Täter in Bayern und Baden-Württemberg den geringsten Erfolg (Quoten von jeweils 0,1). „Auch die süddeutschen Großstädte waren hinsichtlich eines Autodiebstahls deutlich sicherer als andere Städte“, heißt es vom GDV.

Wenige Fälle in Hamburg aufgeklärt

Hamburger hatten statistisch bereits im Vorjahr ein neunmal höheres Risiko, das Auto gestohlen zu bekommen, als etwa Münchener. Die Polizei registrierte in ihrer amtlichen Statistik im vergangenen Jahr in Hamburg insgesamt 1800 „Diebstähle von Kraftwagen“; rechnerisch schlugen die Täter damit etwa alle vier Stunden zu. Die Zahl der Fälle sank dabei um 9,6 Prozent im Vergleich zu 2016 – es konnte laut der Statistik aber nur jeder fünfzehnte vollendete Diebstahl aufgeklärt werden. „Die Täter agieren meistens punktuell, die Ermittlung und Identifizierung der Täter ist häufig sehr schwierig“, sagte Polizeisprecher Ulf Wundrack. Die Stadt biete eine „Vielzahl von günstigen Tatgelegenheiten“.

Beamte in Zivil unterwegs

Sofern es lokale Brennpunkte gebe, werde mit Schwerpunkteinsätzen von uniformierten und zivil gekleideten Beamten reagiert. Mit Erfolg: Im ersten Halbjahr 2018 sei die Zahl der Fälle um 17 Prozent zurückgegangen. Aus der Statistik der Autoversicherer wird deutlich, dass sich etwa die Besitzer von Kleinwagen und günstigen Marken weniger Sorgen machen müssen – die Diebe haben es seit Jahren immer stärker auf hochpreisige Modelle abgesehen. Bundesweit stieg der Schaden durch die Autodiebstähle auf mehr als 300 Millionen Euro an, obwohl die Zahl der Fälle rückläufig ist.

Schaden von 22.719 Euro in Hamburg

In Hamburg entstand laut GDV pro Diebstahl durchschnittlich ein Schaden von 22.719 Euro – das ist im Bundesvergleich der zweithöchste Wert hinter Hessen und etwa 4000 Euro mehr als in Schleswig-Holstein, Berlin, Rheinland-Pfalz oder Niedersachsen. Der Schaden pro Diebstahl stieg zudem in Hamburg im Vergleich zum Vorjahr erneut um zehn Prozent an. Die drei im Schnitt meistgestohlenen Automarken in der Gesamtstatistik waren Land Rover, Porsche und Audi – die Quote pro 1000 kaskoversicherten Fahrzeugen lag bei ihnen drei bis vier Mal höher als der Durchschnitt. Die „Top 10“ der beliebtesten Modelle bei Autodieben wird klar von teuren Geländewagen und sogenannten SUV (Sports Utility Vehicle) dominiert: Der Audi Q7 3.0 TDI wurde bundesweit anteilig am häufigsten gestohlen (15,3 Fälle pro 1000 versicherten Fahrzeugen), gefolgt vom Mercedes-Benz ML 63 AMG und dem Mazda CX-5 2.2 D AWD.

Auch Toyota begehrt

Der Toyota Prius Hybrid+ auf Platz acht ist der einzige Kleinwagen unter den im Schnitt meistgestohlenen Autos. Bei der absoluten Zahl der Diebstähle führt Volkswagen die Statistik vor Audi und BMW an, der deutlichste Anstieg mit 26 Prozent war bei entwendeten Autos von Mercedes zu verzeichnen. Der Grund dafür, dass die Zahl der gestohlenen Autos bundesweit jedoch seit längerem sinkt, ist nach Ansicht von Experten die Digitalisierung des Autos. Neue Fahrzeuge sind mittlerweile vernetzt. Das bedeutet, dass ein gestohlenes Fahrzeug dadurch geortet werden kann. Die Polizei konnte im vergangenen Jahr in Hamburg laut Kriminalstatistik insgesamt 269 mutmaßliche Autodiebe ermitteln. Mehr als jeder Dritte (92 Verdächtige) war jünger als 21 Jahre, wiederum mehr als die Hälfte von ihnen unter 18 Jahren.

Neben den Diebstählen wurden auch 15.000 Fälle von Autoaufbrüchen registriert. Die Täter haben es oft auf Wertgegenstände aus den Innenräumen der Fahrzeuge sowie häufig auf Teile von teuren Automarken wie BMW und Mercedes abgesehen.