Energieversorgung

Gasanbieter wechseln und so bis zu 770 Euro sparen

Den Gasanbieter zu wechseln, kann sich finanziell lohnen.

Den Gasanbieter zu wechseln, kann sich finanziell lohnen.

Foto: picture alliance / Arco Images

Die Heizperiode hat begonnen. Viele Hamburger Haushalte suchen nun nach einem neuen Versorger. Die besten Abendblatt-Tipps.

Hamburg.  Nach den Heizölpreisen steigen jetzt auch die Gaspreise stark an. Erste Anbieter haben den Trend für den diesjährigen Winter vorgegeben. „Für Oktober und November haben insgesamt 24 Gasgrundversorger Preiserhöhungen von durchschnittlich sieben Prozent angekündigt“, sagt Mathias Köster-Niechziol, Energieexperte von Verivox. Er rechnet mit einem weiteren Preisanstieg in den Wintermonaten. Deshalb macht es jetzt Sinn zu prüfen, ob man seinen bisherigen Anbieter kündigen und zu einem günstigeren Lieferanten wechseln kann. Je nach Verbrauch und aktuellem Tarif kann die Entscheidung für einen neuen Anbieter mehrere Hundert Euro pro Jahr sparen. Bei einem großen Einfamilienhaus in Hamburg können das bis zu 770 Euro im Jahr sein. Das Abendblatt beantwortet die wichtigsten Fragen zum Gasmarkt und zum Anbieterwechsel.

Wie entwickelt sich der Gaspreis?

Innerhalb von zwölf Monaten hat sich der europäische Gaspreis um 48 Prozent erhöht. Noch sind diese Ausschläge nicht beim Endverbraucher angekommen. Im Mai (neuere Zahlen liegen nicht vor) musste der Kunde mit einem Einfamilienhaus im Schnitt 5,69 Cent je Kilowattstunde (kWh) bezahlen. Das sind rund 14 Prozent weniger als vor drei Jahren. Doch dieser Trend stetig sinkender Preise geht jetzt zu Ende, wie Zahlen des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zeigen.

Seit Anfang 2017 gibt es bei den Quartalspreisen kaum noch einen Rückgang, aber bei den Importpreisen und im Großhandel zeichnen sich stark steigende Preise ab. Wurden im Großhandel vor einem Jahr noch rund 17 Euro pro Megawattstunde Erdgas verlangt, kostet sie jetzt schon 25 Euro. Das werden auch bald die Endverbraucher zu spüren bekommen. „Zum kalendarischen Beginn der Heizperiode am 1. Oktober haben zum ersten Mal seit Jahren mehr Gasanbieter die Preise erhöht als gesenkt“, so Experte Köster-Niechziol.

Was sind die Gründe für den Preisanstieg?

„Wir haben unverändert eine sehr robuste Konjunktur“, sagt Jan Edelmann, Rohstoffexperte der HSH Nordbank. Das bedeutet eine hohe Nachfrage. Für den Preisanstieg sind aber mehrere Faktoren verantwortlich. „China kauft sehr große Mengen Flüssig-Erdgas auf dem Weltmarkt ein, um die Luftverschmutzung durch Kohlekraftwerke im Land zu reduzieren“, sagt Edelmann. Das sei eine strukturelle Veränderung, die auch langfristig den Gaspreis beeinflussen werde. Außerdem ist in Russland der Erdgas- noch an den Ölpreis gekoppelt. „Aber das Winterwetter wird auch einen entscheidenden Einfluss auf den Gaspreis haben“, sagt Edelmann voraus. Bei einem milden Winter können die Gaspreise wieder fallen.

Wie schnell kann ich meinen alten Vertrag kündigen?

Wer noch in der Grundversorgung steckt, kann jederzeit mit einer Frist von zwei Wochen kündigen. Neuere Verträge laufen meist zwölf Monate und verlängern sich ohne Kündigung erneut um diesen Zeitraum. Die Kündigungsfrist liegt häufig bei sechs Wochen. Diese Kunden sollten prüfen, ob sie jetzt noch kündigen können. Denn es ist wahrscheinlich, dass sie im neuen Bezugszeitraum mit höheren Preisen rechnen müssen. Wer die Kündigung verpasst, ist meist wieder für zwölf Monate an den Anbieter gebunden.

Wie finde ich einen neuen Anbieter?

„Der Wechsel des Gasanbieters geht einfach und dauert nur wenige Minuten“, sagt Ines Rutschmann vom Verbraucherportal Finanztipp. Dabei helfen Vergleichsportale wie Check 24 oder Verivox. Diese Daten werden für einen Wechsel benötigt: Name, Anschrift, Gasverbrauch und Zählernummer sowie der gewünschte Lieferstart. „Der neue Versorger kündigt für Sie Ihren alten Vertrag. Es gibt kein Risiko, dass Ihnen das Gas abgestellt wird oder dass Sie gleichzeitig beim alten und neuen Anbieter einen Vertrag haben“, sagt Energieexpertin Rutschmann. Wenn alles mit dem bisherigen Lieferanten geregelt ist, schickt der neue Anbieter eine Vertragsbestätigung zu.

Auf was muss ich beim Anbieterwechsel achten?

Vor dem Vergleich sollte man sich überlegen, was man möchte: eine möglichst hohe Einsparung im ersten Jahr oder einen Anbieter, dem man wegen seiner günstigen Preise auch mehrere Jahre treu bleiben kann, der aber keine Boni zahlt. Entsprechend muss man die Einstellungen in den Vergleichsportalen verändern. Die Voreinstellungen sind immer mit Boni.

Ein großer Teil der Einsparung im ersten Jahr geht auf den Neukundenbonus zurück. Beim Anbieter Teag sind das 240 Euro. Um diesen Betrag fällt die Einsparung im zweiten Jahr geringer aus. Unter der Annahme, dass sich die Preise nicht verändern, müssten bei Teag im zweiten Jahr rund 1613 Euro für die Gasrechnung bezahlt werden. Das wäre immer noch ein Preisvorteil von 25 Prozent gegenüber dem Grundversorgertarif von E.on. Aber es kann auch nicht ausgeschlossen werden, dass der neue Anbieter im zweiten Jahr den Tarif kräftig erhöht. Dann wäre wieder ein Wechsel fällig.

Was ist die Alternative zum Bonus?

Einsparungen sind auch ohne Boni möglich. Dann hängt die Einsparung vor allem von einem günstigen Grundpreis und niedrigen Preisen für die Kilowattstunde (kWh) Erdgas ab. Der Grundpreis ist der verbrauchsunabhängige Teil des Preises, der für die Lieferbereitschaft erhoben wird. Er fällt bei einem Verbrauch von 35.000 kWh aber nicht so stark ins Gewicht wie bei einer kleineren Wohnung, für die nur 5000 kWh benötigt werden. Ohne Boni können noch rund 500 Euro im ersten Jahr eingespart werden.

Sehr günstige Arbeitspreise haben die Stadtwerke Rostock mit 4,15 Cent je kWh und Envitra mit 4,06 Cent je kWh. Der Tarif von Maingau zeichnet sich durch einen besonders günstigen Arbeitspreis von nur 60 Euro im Jahr aus. Der Kilowattstundenpreis liegt bei 4,38 Cent. Allerdings berichten Leser des Abendblatts, dass Maingau Energie im ersten Jahr stets sehr viel niedrigere Preis als im Folgejahr nimmt – also eine Art Lockangebot. Die Tarife ohne Boni verlängern sich nach einem Jahr auch nur maximal um einen weiteren Monat. Sollte es doch zu erheblichen Preiserhöhungen kommen, kann schnell zu einem neuen Anbieter gewechselt werden.

Kann ich beim bisherigen Anbieter einen günstigeren Tarif bekommen?

Das ist in vielen Fällen möglich, denn die Anbieter wollen ihre Kunden in der Regel gerne behalten. Eine Nachfrage nach einem günstigeren Tarif beim bisherigen Anbieter lohnt sich vor allem, wenn man noch in der Grundversorgung ist. So kann der E.on-Kunde in den Tarif Erdgas wechseln und spart dabei schnell mehrere Hundert Euro.

Die Ersparnis ist aber immer davon abhängig, ob der Anbieter den Neukundenbonus auch gewährt, obwohl es sich in diesem Fall ja eigentlich nicht um einen neuen Kunden handelt. Ob alle in der Werbung angezeigten Boni bei einem solchen Wechsel gewährt werden, hänge immer vom einzelnen Anbieter ab und sei nicht garantiert, sagt Lundquist Neubauer von Verivox.

Wie ist die Wettbewerbslage bei den Gasanbietern?

In Hamburg ist die Konkurrenzsituation für die Kunden sehr gut. Sie können zwischen mehr als 50 Lieferanten wählen. Bundesweit hat jeder dritte inzwischen seinen Gasanbieter gewechselt. Seit 2016 verharrt die Wechselquote auf diesem Niveau. Zwei Drittel haben also ihr Sparpotenzial nicht ausgeschöpft.