Rothenburgsort

Großrazzia gegen Fahrradhehler – Vater und Sohn im Visier

Polizei durchsucht erfolgreich Betrieb – und macht einen Zufallsfund. Nur 3,3 Prozent der Diebstähle werden aufgeklärt.

Hamburg.  Erneut ist der Polizei ein Schlag gegen die organisierte Fahrradhehlerei geglückt. Am Mittwochmorgen stürmten Beamte ein Firmengelände an der Billstraße. Dort wurden nach Erkenntnissen von Ermittlern gestohlene Fahrräder versetzt.

Ankäufer sollen ein 59-Jähriger und sein 24 Jahre alter Sohn sein. Gegen sie wird wegen „gewerbsmäßiger Hehlerei“ ermittelt. Mehrere hochwertige Fahrräder, die als gestohlen gemeldet sind, wurden bei der Aktion sichergestellt. An der Billstraße hatte es nur ein paar Hausnummern weiter im April vergangenen Jahres eine Razzia gegeben, bei der rund 1500 Fahrräder sichergestellt wurden.

100 Fahrräder überprüft

Um 9.30 Uhr stürmten Beamte der Bereitschaftspolizei unter Führung der Sonderkommission „Fahrrad“ das Gelände in Rothenburgsort, wo vier Firmen angemeldet sind und auf dem es mehrere Büros und Lagerhallen gibt. Gleichzeitig wurden auch drei Wohnungen durchsucht, die von Vater und Sohn genutzt wurden.

Diesmal war man nicht auf Masse aus. „Wir haben rund 100 Fahrräder anhand von Individualnummern überprüft“, sagt Polizeisprecher Florian Abbenseth. „30 der Räder waren als gestohlen gemeldet und in der Fahndung.“

Polizei geht gezielter vor

Dass die Polizei gezielter vorging, ist auf die Erfahrungen aus dem Einsatz im April 2017 zurückzuführen, bei dem 180 Beamte einen ganz Tag lang im Einsatz waren und das THW mit Lastwagen anrücken musste, um die sichergestellten Räder wegzuschaffen. Damals waren vor allem sogenannte Schrotträder sichergestellt worden, für die sich niemand mehr interessierte.

Razzia in Rothenburgsort: Polizei stellt gestohlene Fahrräder sicher
Gestohlene Fahrräder bei Razzia sichergestellt

Die Zuordnung war auch deshalb schwierig, weil viele nicht registriert waren. Die Polizei hatte extra zwei Hallen in Niendorf anmieten müssen, um die riesige Masse an Fahrrädern zu lagern, zu registrieren und zu katalogisieren. Am Ende hatte man an mehreren Tagen die Opfer von Fahrraddiebstählen in die Halle gelassen, damit sie nachschauen konnten, ob ihr Fahrrad dabei ist. „Der Aufwand war enorm und stand kaum im Verhältnis“, so ein Beamter.

Diesmal waren es hochwertigere Fahrräder, die die Polizei gezielt suchte und überprüfte. „Entsprechend viele waren auch als gestohlen gemeldet worden und identifizierbar“, so der Polizist. Unter den sichergestellten Rädern waren außer Mountainbikes und Rennrädern auch E-Bikes. Teilweise waren die Fahrräder neuwertig. Auch sie wurden in Lastwagen abtransportiert.

Auch Unterlagen sichergestellt

„Nebenbei“ stellte die Polizei Elek­trowerkzeug sicher. Es handelte sich um Geräte wie Bohrmaschinen der Firmen Makita oder Hilti, die als professionelles Werkzeug gelten. Auch sie waren offensichtlich Hehlerware, da sie ebenfalls in der Sachfahndung der Polizei registriert sind.

Sichergestellt wurden auch Unterlagen. Dafür waren Buchprüfer der Polizei vor Ort. Dolmetscher sollten für eine reibungslose Kommunikation sorgen, falls es mit den beiden beschuldigten Afghanen zu Sprachproblemen kommen sollte. Zudem war der Zoll bei dem Einsatz mit dabei. Die Beamten überprüften auf dem Gelände angetroffene Personen. Die Zöllner suchten nach Schwarzarbeitern.

Dem Einsatz am Mittwoch waren mehrmonatige Ermittlungen und Vorbereitungen vorausgegangen. Bereits im Mai war die Soko „Fahrrad“ Jasin T. (24) und Rafet I. (26) auf die Spur gekommen. Beide waren der Polizei aus der Vergangenheit als Fahrraddiebe bekannt. Damals gab es einen Hinweis, dass die beiden in Billstedt wohnenden Männer wieder Fahrräder klauten und versetzten.

Als Anlaufadresse für die beiden Männer wurde die Firma an der Billstraße ermittelt. Als dort am Mittwochmorgen durchsucht wurde, stand die Polizei auch vor den Wohnungs­türen der beiden Männer, gegen die wegen „gewerbsmäßigen Diebstahls“ ermittelt wird. Bei ihnen wurde unter anderem spezielles Aufbruchswerkzeug gefunden.

Polizei will Absatzwege der Hehler ermitteln

Was die Aktion genau gebracht hat, stand am Mittwochabend noch nicht fest. Vor allem die Auswertung von Unterlagen wird noch Wochen in Anspruch nehmen. Zudem wird die Polizei versuchen, die Absatzwege der Hehler zu ermitteln. Fahrräder, so glaubt man bei der Kriminalpolizei, werden oft nach Osteuropa verschoben. Zumeist werden sie in Kleintransportern dorthin geschafft.

Allerdings bleiben die allermeisten Fahrraddiebstähle in Hamburg ungeklärt. Zwar wurden im vergangenen Jahr in Hamburg mit 14..506 Fällen knapp 3000 Fahrräder weniger als gestohlen gemeldet als im Vorjahr. Die Aufklärungsquote ging allerdings auf 3,3 Prozent zurück und liegt damit auf dem schlechtesten Wert der vergangenen zehn Jahre.

Dass die Fahrraddiebe und die als Abnehmer ermittelten Firmenbetreiber aus der Billstraße bei der Aufhellung der Strukturen helfen, ist eher unwahrscheinlich. Sie machten zu den Vorwürfen keine Angaben und blieben mangels Haftgründen auf freiem Fuß.