Tödlicher Unfall

Als die Welt sich vor Prinzessin Diana verneigte

Nach dem Unfall in einem Tunnel in Paris: Prinzessin Diana wird zu Grabe getragen

Nach dem Unfall in einem Tunnel in Paris: Prinzessin Diana wird zu Grabe getragen

Foto: dpa Picture-Alliance / John Stillwell / picture alliance / empics

Solch ein Begräbnis hat das königliche London noch nie gesehen: Prinzessin Diana schien im Tod die Royal Family auseinander zu reißen.

Von Dianas Tod erfuhr ich gegen 8.30 Uhr aus dem Radio in einem Hotelzimmer in der Nähe von Hameln. Internet, Smartphone, Push-Nachrichten, Live-Stream? Gab es alles noch nicht. Wir brachen unseren Wochenend-Ausflug ab und fuhren zurück nach Hamburg, ich ging in die Redaktion. Als frühere Korrespondentin in Londoner Büro des Springer-Auslandsdienstes (SAD) kannte ich mich gut aus mit den Royals und den Briten. Deshalb flog ich am Ende der Woche auch in die britische Hauptstadt, um über die Trauerfeierlichkeiten zu berichten.

6. September 1997. Im Hotel neben dem Bahnhof Charing Cross gibt es gegen fünf Uhr Feueralarm. Alle raus. Ich greife Notizblock und Kamera. Entwarnung: In der Küche qualmt eine Pfanne. Ich gehe zurück ins Zimmer und beginne diesen traurigen Tag.

Kurz nach sieben Uhr wimmelt es am Trafalgar Square von Menschen, sie strömen zur Prachtstraße The Mall Richtung Buckingham Palast. An der Kirche Westminster Abbey haben Zehntausende die Nacht verbracht. Viele tragen Schwarz, haben Blumen dabei, wollen sich persönlich verabschieden.

Princess of Wales: Trauernde in Dreierreihen

Ich gehe zum Platz an der Horse Guards Parade, wo immer die Geburtstagsparade der Queen stattfindet. Hier stehen die Trauernden in Dreier-Reihen. An den Absperrgittern brennen Kerzen, stecken Blumen, hängen Spruchbänder, Fotos, selbstgemalte Bilder und letzte Grüße. Keine Wolke am stahlblauen Himmel. Es ist ein Happening ohne Fröhlichkeit.

Ganz London ist ein Schrein für die tote Prinzessin. Geschäfte sind geschlossen, Schaufenster verhängt. An vielen Autos flattert ein Trauerflor, die roten Doppeldeckerbusse tragen kleine Kränze am Kühlergrill. Und die Stadt, die wie New York eigentlich nie schläft, ist bedrückend und unnatürlich still. Keine Sirenen, kein Baulärm, kein dröhnender Verkehr. Die Menschen unterhalten sich gedämpft. Nur jede Minute schlägt die Totenglocke von Westminster Abbey. 111-mal.

Um 10.40 Uhr biegt der Trauerzug auf dem Weg vom Kensington Palast zur Westminster Abbey in die Horse Guards Parade ein. Fast vier Stunden haben die Menschen geduldig gewartet. Die Lafette mit dem Sarg rollt vorbei. Vorne drauf ein Kranz aus weißen Rosen und ein Umschlag mit der Aufschrift „Mummy“. Ihre Söhne William und Harry, Prinz Charles und Prinz Philip, ihr Bruder Earl Spencer schreiten mit gesenkten Köpfen hinterher. Tränen, Schluchzer, ein dicker Kloß im Hals. Es ist so traurig.

Elton John singt "Candle in the wind"

Ich warte mit vielen anderen auf den Beginn des Trauergottesdienstes, der per Lautsprecher auf den Platz übertragen wird. Die Stimmung wird von Minute zu Minute deprimierender. Und als Elton John die überarbeitete Fassung von „Candle in the wind“ anstimmt, ist es mit meiner Fassung vorbei. Der ganze Platz, ganz London, ganz Großbritannien ein Meer von Tränen. Und niemand schämt sich seiner Trauer um „England’s Rose“.

Dianas Bruder Earl Spencer hält eine bewegende Rede. Wieder Tränen - und Applaus. Minutenlang. Nach Ende der Gottesdienst-Übertragung und einer Gedenkminute sammeln sich die Menschen wieder an Absperrgittern. Der Leichenwagen ist in wenigen Sekunden vorbeigefahren. Die Menge bleibt still zurück. Diana ist auf ihrem letzten Weg. Am nächsten Morgen fliege ich nach Hamburg zurück und schreibe meine Reportage für das Abendblatt. Und immer am 6. September denke ich an diesen sonnigen traurigen Sonnabend in London und den weißen Rosenkranz für Mummy.