Israel

Wie prominente Hamburger den Frieden in Nahost fördern

Haifa Dinner mit dem ehemaligen Bundestagspräsidenten Prof. Dr. Norbert Lammert, Rhodes-Stipendiatin Lian Ryan-Hume, Max und Dr. Nagila Warburg sowie Dr. Sonja und Prof. Manfred Lahnstein und Mitgliedern des Hamburger Förderkreises der Universität Haifa

Haifa Dinner mit dem ehemaligen Bundestagspräsidenten Prof. Dr. Norbert Lammert, Rhodes-Stipendiatin Lian Ryan-Hume, Max und Dr. Nagila Warburg sowie Dr. Sonja und Prof. Manfred Lahnstein und Mitgliedern des Hamburger Förderkreises der Universität Haifa

Foto: Ulrich Perrey

Die arabische Israelin Lian Ryan-Hume sprach im Hause Warburg darüber, wie Araber und Juden ihre Feindschaft überwinden könnten.

Hamburg.  Mit 24 hat sich Lian Ryan-Hume für die erste Reihe der internationalen Politik qualifiziert. Im besten Sinne des Wortes. Die aus Haifa stammende Studentin der Politikwissenschaften hat einen exzellenten Abschluss hingelegt, wurde vom Hamburger Förderkreis der israelischen Universität unterstützt und ist nach einem irrwitzigen Ausleseprozess Rhodes-Stipendiatin der Elite-Universität Oxford. Dort macht sie in den kommenden Jahren ihren Master, vielleicht den Doktor. Für eine arabische Israelin nicht unbedingt der einfachste Karriereweg.

In der kommenden Woche wird Lian, so möchte sie genannt werden, im Springer Auditorium des Israel Museums in Jerusalem dabei sein, wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel die Ehrendoktorwürde ihrer Uni Haifa entgegennimmt. Die Uni ehrt Merkel für ihren Führungsstil, der auf Gleichheit, Freiheit und Menschenrechten basiere, so Uni-Präsident Ron Robin am Donnerstag. Sie habe sich gegen Rassismus und Antisemitismus und für wissenschaftliche Kooperationen zwischen beiden Ländern eingesetzt.

Lian Ryan-Hume – eine außergewöhnliche Studentin

Die außergewöhnliche arabische Studentin, die deutsche Kanzlerin in wahrlich bewegten Zeiten – und alles sanft mitangestoßen von einem besonderen Hamburger Zirkel. Wie dieser vor Jahrzehnten vom Bankier Eric M. Warburg gegründete Förderkreis den Frieden in Nahost und die Verständigung zwischen Juden und Arabern unterstützt, das zeigte sich im Aufeinandertreffen von Lian mit ihren Unterstützern und dem früheren Bundestagspräsidenten Norbert Lammert (CDU) bei einem Dinner oberhalb der Elbe. Max und Dr. Nagila Warburg wollten einem kleinen Kreis von Haifa-Engagierten vor Augen führen, wie Israel-Freunde, junge Forscher und kluge Politiker sich gegen die großen Vereinfacher der Welt aufstellen können.

Ohne sich absprechen zu können, wählten Lian und Lammert dieselben leidenschaftlichen Worte: „Man kann alles erreichen– wenn man will.“ Lian wurde auf dem Uni-Campus „gezwungen“, sich mit jüdischen Kommilitonen auseinanderzusetzen und diese, sich mit ihren arabischen Mitstudenten auszutauschen.

Uni Haifa bringt Juden und Araber zusammen

„Es gibt keinen Ort auf der Welt, an dem so viele Juden und Araber friedlich miteinander umgehen“, sagte Förderkreis-Chefin Sonja Lahnstein, die zuletzt Ehrendoktorin in Haifa wurde und quasi „Vorgängerin“ der Kanzlerin ist. Lian übte leise Kritik am neuen Nationalitätengesetz in Israel, das die „Minderheit“ von über 20 Prozent arabischer Bevölkerung faktisch ignoriert. „Wir müssen die Araber in Israel wieder auf die Karte bringen“, sagte sie, „vor allem die Frauen.“ Viele säßen zu Hause, ihr Potenzial liege brach.

Wenn junge Juden und Araber aufeinandertreffen, geschieht das meist in martialischem Umfeld: Die Juden als wehrpflichtige Soldaten der Israeli Defense Forces, die Araber als Demons­tranten oder Passanten in Jerusalem, im Westjordanland oder an Checkpoints. Lian selbst gab Juden Arabischunterricht, Araber lehrte sie Hebräisch – die Sprachen der jeweiligen „Feinde“.

Norbert Lammert über Populisten wie Donald Trump

„Man kann, wenn man will“, sagte Norbert Lammert in einer glasklaren Rede gegen den Populismus dieser Tage vor den Dinner-Gästen. Als er 2006 als Bundestagspräsident vor der Knesset mit militärischen Ehren und der deutschen Nationalhymne empfangen wurde, war er fast verstört, dass das möglich war nach dem Holocaust und in einer „Beziehung zwischen Israel und Deutschland, die nie normal sein kann“.

Und heute? Deutschland hinke mal wieder anderen europäischen Ländern hinterher, so Lammert ironisch: Erst das 20. von 28 EU-Ländern, in denen Populisten ins Parlament einziehen.

Den Parteinamen AfD nahm er nicht in den Mund. Aber: Man müsse sich damit auseinandersetzen, welche Themen die etablierten Parteien nicht richtig aufgenommen hätten. Lammert zitierte den Dramatiker George Bernard Shaw, der sinngemäß gesagt hat: „Auf jede komplexe Frage gibt es eine einfache Antwort. Aber mit Sicherheit ist sie falsch.“ Es sei die „einzige Begabung“ von US-Präsident Donald Trump, den ersten Satz dieser Weisheit immer wieder zu bestätigen. Lammert warnte mit einer kuriosen Feststellung: „Die Demokratie ist durch Wahlen bedroht.“

Ehrendoktorwürde: Begegnung mit Angela Merkel

In Europa, aber auch in Venezuela und im Mutterland der Freiheit, den USA, gebe es Tendenzen, die Errungenschaften der streitbaren Demokratie auf den Müllhaufen der Geschichte zu werfen. Er formulierte das aus dem Stegreif geschliffener, aber die Botschaft war klar.

Diese Lektion hat die 24 Jahre junge Lian längst gelernt: Sprich die Sprache deiner Zuhörer. Die Studentin hat Verwandte in Gütersloh und Reutlingen. Als sie an der Jacobs Universität Bremen gastierte, lernte sie Deutsch. Keine Frage, dass sie es ausgezeichnet versteht und gut spricht. Frau Merkel wird am kommenden Donnerstag in Jerusalem neben den Honoratioren auf eine besondere Haifa-Absolventin treffen.