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Höhle der Löwen: Hamburger finden Investor

Sleeperoo-Gründerin Karen Löhnert in einem ihrer Würfel

Sleeperoo-Gründerin Karen Löhnert in einem ihrer Würfel

Foto: Roland Magunia/Hamburger Abendblatt

Mit einem mobilen Schlafwürfel kann das Unternehmen Sleeperoo Jurorin Dagmar Wöhrl begeistern. Wie viel die Löwin investiert.

Hamburg.  Man braucht schon ein wenig Fantasie. Ist es ein Unterwasserbett? Oder eins mit Rundum-Leinwand für den perfekten Filmgenuss? Um es gleich zu sagen, weder das eine noch das andere. Aber der weiße Würfel, den die Hamburger Karen Löhnert und Dennis Brosseit mit ins TV-Studio nach Köln gebracht haben, um ihre Geschäftsidee in der Gründershow „Die Höhle der Löwen“ zu präsentieren, sorgt für Rätselraten bei den Investoren.

Dann kommt die Neugier. „Ich will da rein“, sagt Ralf Dümmel und liegt kurz darauf mit Judith Williams auf der Matratze mit Sojaöl-Kern. Verstehen Sie Spaß? Auf jeden Fall ist es mal ein unterhaltsamer Start für den Investorenwettstreit. Es geht um den Schlafwürfel Sleeperoo.

Würfel für ungewöhnliche Orte

Dahinter steckt ein transportabler Raum mit Panoramafenstern und Platz für eine Doppelmatratze. Nicht Zelt, nicht Hütte. Das Besondere: Der stylische Cube mit den runden Ecken lässt sich quasi überall aufstellen, auch an Orten, an denen man normalerweise nicht schläft. Seit diesem Sommer vermietet das Start-up Sleeperoo die Erlebnisübernachtungen, aktuell auf dem Hamburger Energiebunker, am Ende der Seebrücke in Großenbrode oder auf der Leuchtenburg in Seitenroda. „Die Gäste möchten etwas Besonderes erleben, emotional berührt werden, ein 08/15-Hotel ist dafür nicht mehr genug”, sagt Karen Löhnert zu der Geschäftsidee.

Sechs Leute im Team

Wenige Tage vor Ausstrahlung der Fernsehsendung sitzt die erfahrene Tourismusmanagerin vor ihrem Büro in einem Gewerbegebiet im Hamburger Osten mit Blick auf die Bille. In den vergangenen Monaten ist viel passiert. Sechs Leute sind inzwischen im Sleeperoo-Team, es gibt Buchungsanfragen aus ganz Deutschland. Das hat mit der TV-Show zu tun, aber nicht nur.

Vor laufender Kamera am Dienstagabend hatten vier der fünf „Löwen“ abgewinkt, bevor Dagmar Wöhrl den Deal mit dem Hamburger Start-up an Land zog. Zum Familienimperium der Nürnberger Unternehmer gehört unter anderem die Hotelkette Dormero, die Sohn Marcus führt. „Ich finde die Idee gut, ich finde die Idee sogar sehr gut“, hatte die stets makellos gekleidete Investorin gesagt. Allerdings wollte die Juristin mit Miss-Germany-Titel, die 23 Jahre lang für die CSU im Bundestag saß, für ihre 250.000 Euro 25,1 Prozent statt der offerierten 20 Prozent der Firmenanteile. Geschäft ist Geschäft. Löhnert überlegte nicht lange, schlug ein.

Zusammenarbeit soll jetzt richtig losgehen

„Seit Mitte September sind die Verträge unterschrieben“, sagt die 56-jährige Gründerin. Investor ist die Dormero Hotel AG, ein Unternehmen, das zur Wöhrl Gruppe gehört. Diese hätte sogar eine nicht unerhebliche Änderung akzeptiert. Denn wegen bereits laufender Verbindlichkeiten durfte Sleeperoo nur 24,9 Prozent Firmenanteile abgeben. „Für uns ist das eine strategische Partnerschaft“, sagt Löhnert. Die Zusammenarbeit soll jetzt richtig losgehen. Gemeinsam sollen unter anderem deutschlandweit neue Standorte für die Cubes akquiriert werden.

Design aus Schwerin

Der Markt für Eventübernachtungen boomt. Ob im Hafenkran, im Iglu, im Strandkorb, im Gefängnis oder im Kanalrohr – es gibt kaum etwas, was es nicht gibt. „Kalkulierter Ausstieg für eine Nacht“, nennt Karen Löhnert den weltweit wachsenden Trend. Vor zwei Jahren hat die Hamburgerin ihren Job als Geschäftsführerin des Jugendherbergswerks Mecklenburg-Vorpommern gekündigt und sich mit ihrer Idee selbstständig gemacht. Sogar ein Haus hat sie verkauft, um ihre neue Schlafstatt zu erschaffen. Ein Schweriner Design-Studio entwarf schließlich den innovativen Sleeperoo nach ihren Vorgaben. Der Name ist ein Kunstwort und leitet sich von „sleep“ (schlafen) und „roo“ (Endung von kangaroo, gemeint ist vor allem der Beutel) ab.

Den Prototypen des zusammensteckbaren 12-Kubikmeter-Würfels aus glasfaserverstärktem Kunststoff mit Korkkern baute ein Bremer Bootsbauer. Die ersten Testschläfer waren begeistert. In den vergangenen Monaten tourte Löhnert über Tourismusmessen, um Gäste, vor allem aber interessante Aufstellorte für ihre Designcubes zu finden. „Die Resonanz ist gut.“ Im Februar bestellte sie die ersten Exemplare, finanziert über einen Bankkredit – das Stück für knapp 10.000 Euro.

Schwierige Serienproduktion

Im Juli, so der Plan, sollte es an 15 Orten gleichzeitig losgehen. Alle Verträge waren gemacht, die Werbung lief. „Aber der Sprung vom Prototyp in die Serienproduktion des innovativen Modells war komplizierter als erwartet“, sagt die Unternehmerin. Nur mit viel Improvisation schaffte es das Team zumindest einen Teil der geplanten Übernachtungen anzubieten. Inzwischen gibt es immerhin acht Cubes. „Wir haben auf Fehmarn am Südstrand gestanden und im Stader Hafen“, sagt Löhnert, „in den Nordsee-Dünen und im Kloster.“ Einzige Bedingung: Toilette und Waschgelegenheit müssen fußläufig erreichbar sein.

Übernachtung ab 90 Euro

Gebucht werden die Spots über die Sleeperoo-Webseite. Eine Übernachtung kostet je nach Ort und Zeit zwischen 90 und 200 Euro. Platz ist jeweils für zwei bis drei Personen. Vor Ort sind sogenannte Hosts für die Betreuung zuständig. Neben Bettwäsche und Handtüchern ist ein Chillpaket mit Getränken und Snacks inklusive. Über die Umsätze in diesem Jahr will Löhnert nicht sprechen, lieber formuliert sie die Ziele für 2019. „60 Schlafwürfel sollen nächstes Jahr bezugsfertig sein.“ Bei einer Auslastung von 50 Prozent im Schnitt soll sich das Geschäft mit den Ausnahmeübernachtungen schließlich tragen.

In den nächsten Wochen beginnt die Herbstsaison, dann stehen die Schlafwürfel drinnen, etwa in der Baruther Glashütte, in der Motorworld Böblingen oder in den Felto Filzwelten in Soltau. Wer genau hingeschaut hat, konnte auch schon die neue Kooperation erahnen. Angeboten werden Übernachtungen mit Rundum-Blick auf die City von Hannover. Standort ist das Dach des Stadthotels Dormero – buchbar ab April 2019.

Und noch ein Thema beschäftigt die Gründerin: Es gibt eine Menge Interessenten, die einen Sleeperoo gerne ganz für sich haben wollen. „Das ist anders als erwartet“, sagt Karen Löhnert. Und könnte vielleicht sogar eine weitere Option für die Zukunft sein. Der Fantasie sind ja bekanntlich keine Grenzen gesetzt.

Die Sendung:

Die Gründershow „Die Höhle der Löwen“ läuft in der fünften Staffel auf Vox. Es gibt zwölf neue Folgen. Gründer präsentieren ihre Geschäftsidee prominenten Investoren – den sogenannten Löwen – und werben um deren finanzielle Unterstützung. „Die Höhle der Löwen“ hat rund drei Millionen Zuschauer und basiert auf dem TV-Format „Dragons’ Den“, das weltweit in 28 Ländern zu sehen ist. Die Investoren sind Carsten Maschmeyer, Judith Williams, die sich einen Platz mit Georg Kofler teilt, Frank Thelen, Dagmar Wöhrl und der bekannte Hamburger Unternehmer Ralf Dümmel.

Die Gründerin:

Sie hat ihr Haus verkauft, um ein Bett zu bauen. Nicht irgendeins. Karen Löhnert bietet Erlebnisübernachtungen an. Dafür hat die Hamburgerin, die seit Jahrzehnten in der Tourismusbranche arbeitet, alles auf eine Karte gesetzt. Ihren guten Job gekündigt, ihr Geld zusammengekratzt und ein ganz neues Produkt entwickelt: den Sleeperoo, einen Schlafwürfel auf Rollen. Das Erfolgsgeheimnis: Man kann darin an Plätzen übernachten, wo das sonst nicht möglich wäre. Gestern Abend holte sie mit ihrem Design-Cube in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ einen 250.000-Euro-Deal. „Ich war schrecklich aufgeregt vor der Aufzeichnung“, gesteht die 56-Jährige.

Aber sicher ist sie, dass sie ein Gespür für besondere Orte hat. Auch ganz persönlich. Die Mutter von zwei erwachsenen Söhnen ist mit ihrem Partner, dem Drehbuchautor Rainer Butt, nach Ro­thenburgsort gezogen. Nach dem Auf­stehen schwimmt sie dort in der Elbe. Natürlich würde sie am liebsten an allen Sleeperoo-Orten probeschlafen. Gerade kommt sie aber kaum hinterher.

Eine Nacht im Sleeperoo in Wilhelmsburg
Eine Nacht im Sleeperoo in Wilhelmsburg