Hamburger Klimawoche

Fürst Albert: Jetzt aber schnell die Welt retten!

Hamburger Klimawoche mit Fürst Albert und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU)

Hamburger Klimawoche mit Fürst Albert und Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU)

Foto: Andreas Laible

Monacos Regent traf in Hamburg Mrs. Energiewende und Mr. Klimawandel. Fürst Albert wurde sogar von den Grünen gelobt.

Hamburg.  Jugend first. Zum Frühstück traf sich Albert II. mit vier Gewinnerinnen von „Jugend forscht“-Wettbewerben im Gästehaus des Senats, und als der Fürst anschließend am Jungfernstieg-Anleger aus dem Elektrobus stieg – ganz lässig mit Sonnenbrille – waren die Ersten, die er begrüßte, wieder Schüler. 17 Jugendliche aus Wilhelmsburg, die Wetterbeobachtungen von einem Boot im Spreehafen aus unternehmen, bekamen von Seiner Durchlaucht einen Gutschein für einen Forschungskoffer überreicht.

„Die Jugend ist entscheidend für die Rettung unseres Planeten“, sagte der regierende Fürst von Monaco gegenüber dem Abendblatt. „Wir können nur noch die Alarmglocken läuten, die wirkliche Arbeit muss vor allem von der nächsten Generation geleistet werden.“

Der Herrscher engagiert sich schon lange für den Meeresschutz. 2006 gründete er die „Fondation Prince Albert II de Monaco“. Die Umweltstiftung hat seitdem mehr als 350 Projekte unterstützt. „Aber meine Arbeit ist nur ein Teil in dem Puzzle, es müssen mehr Leute an Bord kommen, wenn es um die Rettung der Ozeane geht“, sagte der Fürst.

Experten gehen zusammen an Bord eines Solarschiffs

Weniger metaphorisch, sondern ganz konkret gingen gestern viele Leute gemeinsam an Bord. Auf dem Solarschiff „Alstersonne“ traf sich alles, was in der Klimadiskussion Rang und Namen hat: Prof. Dr. Mojib Latif, Energieökonomin Prof. Dr. Claudia Kemfert (die manche liebevoll als „Mrs Energiewende“ bezeichnen), Prof. Hartmut Graßl (Vorsitzender der Vereinigung Deutscher Wissenschaftler) und Prof. Dr. Hans Otto-Pörtner vom Weltklimarat stachen gemeinsam mit Fürst Albert II. von Monaco in See bzw. schwebten fast lautlos über die Alster. Es fühlte sich an wie ein schwimmendes Clubtreffen der Weltenretter.

Mojib Latif sagte, er hasse es zwar, aber er müsse immer wieder davor warnen, „nicht weiter mit Vollgeschwindigkeit durch den Nebel zu rasen, denn irgendwann kommt da eine Wand“. Zahlreiche Untersuchungen würden den Klimawandel beweisen: „Wenn wir eines nicht haben, dann ein Erkenntnisproblem. Wir haben ein Umsetzungsproblem!“ Er mache sich große Sorgen, wenn im deutschen Parlament Menschen säßen, die von einer CO2-Lüge sprächen. „Haben Sie das Parteiprogramm der AfD gelesen? Das ist Trump pur! Wir sollten höllisch aufpassen, von diesen Tendenzen nicht überwältigt zu werden. Beim Klima fängt es an, bei der Abschaffung der Freiheit hört es auf.“

Fürst Albert bekommt Umweltpreis verliehen

Latif bekam während der Fahrt von Fürst Albert II. und Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner den B.A.U.M. -Umweltpreis verliehen, beide hatten sich spontan dazu bereit erklärt: „Klar, das mache ich gerne!“, sagte die Ministerin, die mit viel Elan bei der Sache war. Mit dem erst 20 Jahre alten Felix Finkbeiner von Plant-for-the-Planet, der seit elf Jahren weltweit Bäume pflanzt, unterhielt sie sich angeregt: „Toll, was Sie machen!“ Und beim Lunch im Clubhaus des Norddeutschen Regattavereins hielt Klöckner eine flammende Verteidigungsrede auf die deutsche Landwirtschaft.

Die CDU-Vizechefin erzählte, dass das Wetter noch vor wenigen Jahren ein belangloses Small-Talk-Thema gewesen sei, heute gehe es um viel mehr. Sie wies darauf hin, dass die Land- und Forstwirtschaft eine Schlüsselrolle im Klimawandel einnimmt: „Denn wenn wir Wald erhalten und nachhaltig bewirtschaften, können wir 70 bis 127 Millionen Tonnen CO2 sparen.“ Die Landwirtschaft werde oft und auch zu Recht als Emittent von Treibhausgasen bezeichnet, sagte Klöckner, doch sie liege „mit großem Abstand hinter dem Energiesektor, hinter der Industrie und hinter dem Verkehr“. Sie selbst arbeite mit ihrem Ministerium aber jeden Tag an Lösungen, um die Landwirtschaft umweltfreundlicher zu machen. Der Platz der Landwirtschaft „ist nicht in der Ecke der Verursacher, sondern am Tisch der Konstrukteure einer internationalen Klimapolitik“.

Die Bauern, so Klöckner, stünden vor einer immensen Aufgabe. Sie müssten in den nächsten 40 Jahren so viele Lebensmittel produzieren wie die gesamte Menschheit im Verlauf der vergangenen 8000 Jahre. Der Klimawandel jedoch verursache extreme Wetterereignisse wie Fluten und Dürre. Wenn Menschen ihre Äcker verlören und verarmten, könnten ganze Regionen destabilisiert werden: „Hunger- und Armutsbekämpfung ist daher immer zugleich auch Fluchtursachenbekämpfung.“

Fürst lobt einen Hamburger für sein Engagement

Fürst Albert II. gab Klöckner, die nach der Quiche vom Hokkaidokürbis weitermusste nach Wien, zum Abschied einen Handkuss. Die ganze Zeit emsig im Hintergrund: Frank Schweikert. Der Mitbegründer der Deutschen Meeresstiftung streitet seit Jahren konsequent und klug für die Rettung der Ozeane. Auf seinem Segelschiff, der „Aldebaran“, wurden schon Hunderte internationale Projekte durchgeführt. Durch seine Arbeit wurde Schweikerts Name international sehr bekannt, und einer der prominentesten Unterstützer der Ozeane – im Schloss von Monaco – wurde so auf ihn aufmerksam.

Inzwischen sind Fürst Albert II. und Frank Schweikert Freunde. „Ich schätze an ihm seine Aufrichtigkeit, seinen Durchsetzungswillen. Er tut wesentlich mehr als der Durchschnitt, für mich ist Albert einer der global führenden Umweltschützer“, sagte Schweikert über den Fürsten. Dieser lobte den Hamburger im Gegenzug für seine Leidenschaft: „Frank opfert nicht nur jede Menge Zeit, sondern auch sehr viel Energie für Veranstaltungen wie diese.“ Deshalb habe er sofort zugesagt, als Schweikert ihn fragte, ob er die Klimawoche zum Jubiläumsjahr eröffnen wolle.

Der Hamburger Umweltaktivist holte damit nicht nur einen Staatsmann, sondern auch Glamour nach Hamburg – was dem Klimagipfel half, noch mehr in das Bewusstsein der Menschen zu gelangen. „Wir sehen ja, wie gut das funktioniert: überall Kameras!“, sagte Medien-Profi Frank Otto, der im Vorstand der Deutschen Meeresstiftung sitzt.

Wir müssen unsere Konsumgewohnheiten ändern

Nach dem Mittagessen begrüßte Albert die Teilnehmer des Electric Marathon – eine Rallye mit E-Autos – auf dem Vorplatz der Rindermarkthalle und ging anschließend auf den Lattenplatz vor dem Club Knust am Neuen Kamp. Dort hielt der 60-Jährige die Eröffnungsrede. Eigentlich hatten die Verantwortlichen die Klimawoche mit einem großen, begehbaren Planeten auf dem Rathausmarkt geplant. Da dort aber dringende Sanierungsarbeiten an den WC-Anlagen stattfinden, konnte das Bezirksamt Hamburg-Mitte dem Wunsch der Umweltaktivisten nicht zustimmen. Sehr zum Ärger von einigen Anwesenden.

Fürst Albert II. störte eher der starke norddeutsche Wind, ansonsten erklärte er sehr ruhig, was jeder tun könne, „um unseren Kindern keinen zerstörten Planeten zu hinterlassen. Jeden Tag treffen wir Entscheidungen: Was wir anziehen, essen, wie viel Müll wir produzieren, wie viel Energie wir verbrauchen. Wir müssen unsere Konsumgewohnheiten ändern. Jeder Einzelne kann etwas bewegen. Es steht in unserer Macht, eine prosperierende, nachhaltige Zukunft aufzubauen.“

Der Sohn von Grace Kelly erntete viel Applaus, auch von Anton Hofreiter. Der Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion bezeichnete das umfangreiche Programm der Klimawoche als „sehr gut“. Er kam zur Eröffnung, um klarzustellen, dass viele beim Klimawandel immer von der Rettung der Welt sprächen: „Es geht aber dabei um die Rettung von uns! Unser Planet ist doch unsere Lebensgrundlage.“ Es sei eine „erschreckende Leistung“, wie sehr die Menschen die Ozeane bereits mit Plastik verschmutzt hätten.

Und während Fürst Albert II. bereits auf dem Weg zum Flughafen war, zeigte Hofreiter ein Foto von einem schmelzenden Gletscher auf Grönland: „Wir haben gute Deichbauer, aber das wäre selbst für die besten Ingenieure zu viel ...“