Zivilcourage

Ausgezeichnet: Die Retter aus dem Bille-Bad

Die Lebensretter und Laudatoren am Donnerstag bei der feierlichen Verleihung des Asklepios-Lebensretterpreises 2018

Die Lebensretter und Laudatoren am Donnerstag bei der feierlichen Verleihung des Asklepios-Lebensretterpreises 2018

Foto: Michael Rauhe

Eine Schülerin und ein Kranfahrer bewahrten ein Kind vor dem Ertrinken. Am Donnerstag wurde der Asklepios-Lebensretterpreis verliehen.

Hamburg. Sie haben im richtigen Moment Mut und Zivilcourage bewiesen – und damit Menschenleben gerettet. Vier Hamburger sind dafür von den Asklepios Kliniken in Kooperation mit dem Abendblatt mit dem Asklepios-Lebensretterpreis 2018 ausgezeichnet worden: Thomas Waschull (58) und Jessica Gondzik (13), Wilfried Duckwitz (67) und Christian Dahlke (49). Die Preisträger stehen beispielhaft für beherzte Ersthelfer, die mit einer Herzdruckmassage oder dem Einsatz eines Defibrillators einen Menschen ins Leben zurückgeholt haben.

„Das Hamburger Abendblatt möchte mit der Unterstützung des Lebensretterpreises ein wenig dazu beitragen Hamburg sicherer, besser, ja lebenswerter zu machen.“, sagte Berndt Röttger, stellvertretender Chefredakteur des Hamburger Abendblatts. „Wir wollen das Bewusstsein dafür schärfen, dass jeder helfen kann,“, sagte Dr. Thomas Wolfram, Vorsitzender der Konzerngeschäftsführung der Asklepios Kliniken, die den Preis in diesem Jahr zum vierten Mal vergeben. Der Festakt fand mit mehr als 100 Gästen im ehemaligen Hauptzollamt in der HafenCity statt.

Die Preisträger erhielten Medaillen und dürfen sich einen persönlichen Wunsch im Wert von 1000 Euro erfüllen. Die Medaillen überreichten Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD), Dr. Thomas Wolfram und Lars Tue Toftild, Geschäftsführer des Ambulanz- und Rettungsdienstes GARD, der die Initiative unterstützt.

Sonderpreis für "Hamburg schockt" vom ASB

Erstmals in diesem Jahr wurde auch ein Sonderpreis vergeben. Er geht an den Hamburger Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) für das Projekt „Hamburg schockt“. „Ich habe mir die App von „Hamburg schockt“ sofort herunter­geladen – und auch den Defibrillator in der Redaktion fotografiert und einge­tragen. Die APP sollte jeder auf seinem Smartphone haben“, sagte Berndt Röttger, der die Medaille an Gerd Prüfer, den stellvertretenden Landesvorsitzenden des ASB, überreichte. Auch die beiden weiteren Lebensretter, die für den Preis nominiert waren, erhielten eine Medaille: Jürgen Lamp (63) aus Tangstedt und Harry Schlüter (53) aus Lurup. Durch den Abend führte TV-Moderatorin und Medizinerin Susanne Holst.

Bei der Wahl der Lebensretter waren die Abendblatt-Leser gefragt. Das Abendblatt und ­Asklepios hatten sie aufgefordert, Menschen aus dem Großraum Hamburg als Asklepios-Lebensretter 2018 vorzuschlagen, die in den vergangenen zwölf Monaten jemanden durch Herzdruckmassage oder den Einsatz eines Defibrillators ins Leben zurückgeholt haben. Aus den Vorschlägen wurden fünf Kandidaten ausgewählt. Danach stimmten Abendblatt-Leser ab und entschieden so zusammen mit einer Jury über die Gewinner. Für Prüfer-Storcks ist es eine Herzensangelegenheit, Menschen als Lebensretter zu gewinnen. „Ich möchte bei den Menschen in Hamburg dafür werben, dass sie etwas unternehmen, wenn sie jemanden auf der Straße liegen sehen.“

Teenager und Kranfahrer retten Vierjährigen

Was schnelle Hilfe bewirken kann, zeigt die große Tat der beiden Lebensretter im Bille-Bad. 42 Prozent der Abendblatt-Leser stimmten für Jessica Gondzik und Thomas Waschull, die in dem Schwimmbad einen Vierjährigen vor dem Ertrinken bewahrten. Jessica Gondzik entdeckte ihn auf dem Boden des Schwimmbeckens, holte ihn an die Oberfläche und zog ihn aus dem Wasser.

Thomas Waschull stellte fest, dass das Kind nicht mehr atmete, und begann sofort mit der Wiederbelebung. „Nach drei bis vier Minuten war der Junge wieder wach und ansprechbar, und spuckte Wasser“, erzählt er. Heute geht es dem Jungen gut. „Ich bin sehr stolz, dass das so ausgegangen ist“, sagte Waschull. Und er sagte auch: „Die Ärzte und Feuerwehrleute müssten eigentlich jeden Tag den Lebensretterpreis bekommen.“ Beide Retter teilen sich das Preisgeld. Jessica will die 500 Euro für eine Sprachreise sparen, Waschull möchte mit dem Geld den Holzboden in seiner Wohnung sanieren.

Herzdruckmassage kann Leben retten

32 Prozent der Stimmen fielen auf Wilfried Duckwitz. Er fuhr an einer Bushaltestelle vorbei, an der sich eine Gruppe Jugendlicher aufhielt. Aus dem Augenwinkel sah der 67-Jährige, wie einer von ihnen in sich zusammensackte. Der Rentner und ehemalige Feinmechaniker fuhr weiter nach Hause, aber das Bild ließ ihm keine Ruhe. Also kehrte er zu der nahegelegenen Bushaltestelle zurück – und rettete damit einem Jungen das Leben. Duckwitz stellte fest, dass der Jugendliche nicht mehr atmete und begann mit der Wiederbelebung. „Nach fünf bis sieben Minuten kam der Rettungswagen“, erzählt Duckwitz. Der Junge hat alles ohne bleibende Schäden überstanden. Duckwitz’ persönlicher Wunsch: eine neue Digitalkamera.

19 Prozent der Abendblatt-Leser stimmten für Christian Dahlke. Der Geschäftsführer des Hamburger Ruderclubs Alemannia saß an seinem Schreibtisch in der Werkstatt, als er in der Bootshalle jemanden fallen hörte. Der 49-Jährige fand seinen Bootsmeister in der Halle, ohne Puls und Atmung, das Gesicht blau angelaufen. Dahlke griff sofort zum Telefon. Unter der Anleitung eines Feuerwehrmanns führte er die Herzdruckmassage durch – 15 Minuten lang. Mittlerweile hat sich der 61-Jährige wieder gut erholt und fand warme Worte für Dahlke: „Es ist Klasse, dass er gerade da war und die Nerven hatte, die Reanimation durchzuführen.“ Dahlkes persönlicher Wunsch: ein Kurzurlaub mit seiner Tochter in Polen.