Norderstedt
Henstedt-Ulzburg

Zum 80. Geburtstag kommt der Lebensretter

Helga Arnold hat von ihrem Retter Stefan Müller-Mau Blumen zum Geburtstag geschenkt bekommen

Helga Arnold hat von ihrem Retter Stefan Müller-Mau Blumen zum Geburtstag geschenkt bekommen

Foto: Annabell Behrmann

Stefan Müller-Mau hat ein Ehepaar aus einem brennenden Haus gerettet. Am 80. Geburtstag überrascht er es. Das Abendblatt war mit dabei.

Henstedt-Ulzburg.  Die Kaffeetafel ist gedeckt. Helga Arnold wartet im Seniorenzentrum Lühmann-Park auf den Überraschungsgast, den ihr Sohn Björn zu ihrem 80. Geburtstag angekündigt hat. Als ein drahtiger Mann mit Blumenstrauß vor ihr steht, braucht sie nur wenige Sekunden, um ihn zu erkennen. „Herzlichen Glückwunsch“, sagt Stefan Müller-Mau und reicht Arnold die Hand. Die Seniorin schüttelt ungläubig den Kopf. „Danke, dass ich diesen Tag noch erleben darf“, antwortet sie.

Vor genau vier Monaten hat Müller-Mau dem Ehepaar Helga und Günther Arnold das Leben gerettet. Es war Mitte Mai, als ihr Einfamilienhaus am Meisenkamp in Norderstedt komplett ausbrannte. In den frühen Morgenstunden stieg dichter Qualm aus dem Obergeschoss. Um kurz nach 5 Uhr ist Müller-Mau auf dem Fahrrad in der Straße vorbeigefahren. Wie immer zu dieser Zeit. Der 52-Jährige arbeitet als Reinigungskraft auf dem Friedhof
Friedrichsgabe gegenüber.

Mann konnte sich nicht selbst aus Flammen befreien

Plötzlich hat er Hilferufe gehört. „Ich habe den Rauch bemerkt und sofort die Feuerwehr verständigt. Danach bin ich ins Haus gegangen“, sagt Müller-Mau. Angst hatte er keine. „Durch das Adrenalin im Körper hat alles wie von allein funktioniert.“

Als er die Tür öffnete, stand Helga Arnold bereits im Flur. Ihr Mann hingegen konnte sich aus den Flammen nicht befreien. Gemeinsam mit dem polnischen Pfleger, der bei dem Rentnerehepaar gewohnt hat und zuvor aus dem Fenster im ersten Stock gesprungen war, hob Müller-Mau den 84 Jahre alten Günther Arnold in seinen Rollstuhl und schob ihn aus dem Haus.

„Unmittelbar danach gab es eine Explosion“, erinnert sich der Lebensretter. Aus dem Anbau des Hauses hat er einen weiteren Bewohner befreit. Ohne nachzudenken, hat Müller-Mau die Tür eingetreten. „Ich würde es jederzeit wieder machen“, sagt er. Erst nach dem Arbeitstag auf dem Friedhof hat er realisiert, was passiert ist. „Zu Hause habe ich angefangen zu zittern.“

Technischer Defekt ist die Brandursache

Im Nachthemd und Schlafanzug mussten die Rentner dabei zusehen, wie ihr Lebenswerk niederbrannte. Schuld hatte ein technischer Defekt. „Wir hatten nichts mehr“, sagt Günther Arnold, der damals mit dem Schrecken davongekommen war. Im Gegensatz zu seiner Frau. Sie hat eine leichte Rauchvergiftung erlitten und wurde ins Krankenhaus gebracht. Bis auf ein paar Fotoalben und einige persönliche Gegenstände haben die Arnolds alles verloren. Sie hatten zwar schon lange überlegt, in ein Altersheim umzuziehen – aber die Entscheidung hätten sie gern selbst getroffen. Immerhin: Schon nach wenigen Tagen haben sie einen freien Platz im Lühmann-Park in Hen-stedt-Ulzburg bekommen.

Trotz des Brandes, der ihr Leben auf den Kopf gestellt hat, herrscht eine große Dankbarkeit vor. Diese gilt vor allem Stefan Müller-Mau. „Meine Eltern haben es mehrmals erwähnt, dass es ihnen eine Herzensangelegenheit wäre, ihn persönlich zu treffen und sich zu bedanken. Ein runder Geburtstag ist ein toller Anlass dafür“, sagt Björn Arnold, der den Überraschungsbesuch arrangiert hat. „Es ist ein schönes Gefühl zu sehen, dass alles gut ausgegangen ist. Es hätte nichts gebracht, jemanden zu retten, wenn anschließend das soziale Leben zusammengebrochen wäre“, sagt Müller-Mau.

Tausend Dank an den Retter

Am meisten gefreut über seinen Besuch hat sich das Geburtstagskind. „Mit dieser Überraschung habe ich wirklich nicht gerechnet“, sagt Helga Arnold. „Von Ihnen werden wir noch lange sprechen. Ich bekomme eine Gänsehaut, wenn ich Sie sehe. Vielen lieben Dank noch einmal“, sagt Günther Arnold zu seinem Retter.

Die Familie, zu der auch die beiden Enkelkinder Mats (11) und Tim (14) sowie Schwiegertochter Birte (49) zählen, erhebt ihre Sektgläser. Auf den 80. Geburtstag. Das Leben. Und natürlich Stefan Müller-Mau. Prost!