Hamburg

Senat wusste nichts von Halal-Essen an Schulen

Essen in der Schule (Symbol)

Essen in der Schule (Symbol)

Foto: picture alliance / BSIP

Angebot sei „juristisch problematisch“, sagt Schulsenator Rabe. Ein Caterer berichtet aus der Praxis.

Hamburg.  Hat der Elternratsvorsitzende der Schule Bonhoefferstraße in Billstedt „unverhältnismäßig vehement“ gefordert, es müsse zukünftig Halal-Fleisch in der Schulkantine geben, wie es der Senat darstellt? Oder hat es diese Forderung nach einer Ernährung nach islamischen Vorschriften in Wahrheit nie gegeben, wie der Elternrat der Schule behauptet? Eine politisch brisante Frage, zumal vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion über die Probleme der Integration auf der einen und aufkeimende Ausländerfeindlichkeit auf der anderen Seite.

Gespräch mit der Schulleitung

Schulsenator Ties Rabe (SPD) will diesen Dissens daher nun im Gespräch mit der Schulleitung aufklären, sagte er am Dienstag im Rathaus. Unabhängig vom Ausgang dieser Gespräche machte er seine Haltung sehr deutlich: „Es gibt keinen Anspruch, von wem auch immer, auf bestimmte Speisen, die nach bestimmten religiösen, kulturellen oder sonstigen Riten zubereitet sind.“ An den Schulen werde „ordentliches, gesundes Essen“ nach den Maßstäben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung DGE angeboten, so Rabe: „Wer das nicht mag, der darf sich gern etwas mitbringen.“ Laut DGE sei übrigens vegetarisches Essen durchaus zulässig, so Rabe. „Aber von halal steht da nichts.“

Auf die Frage des Abendblatts, ob ihm denn bekannt sei, dass es an mindestens drei Hamburger Schulen bereits seit Jahren Halal-Fleischgerichte gibt oder gab, sagte der Senator: „Mir nicht.“ Er sehe das als „juristisch pro­blematisch“ an und werde sich das nun genau angucken. Entscheidend sei für ihn aber, dass es keinen Anspruch auf religiös begründete Speiseriten gebe.

Anfrage der Schule

Okan Saiti wird diese Diskussion mit Interesse verfolgen. Der Geschäftsführer des Catering-Unternehmens „mammas canteen“ beliefert rund 60 Schulen in ganz Hamburg, darunter sind auch die drei, die Halal-Fleischgerichte beziehen oder bezogen haben: das Kurt-Körber-Gymnasium (Billstedt), die Stadtteilschule Öjendorf und eben die Grundschule Bonhoefferstraße. Darauf, dass diese bereits seit 2015 Halal-Fleisch angeboten habe, hatte auch der Elternrat verwiesen und so begründet, dass es die vom Senat behauptete Forderung im Februar 2018 gar nicht gegeben haben kann.

Wie Saiti dem Abendblatt sagte, sei das Angebot an Halal-Speisen durch eine Anfrage des Kurt-Körber-Gymnasiums entstanden. „Vor gut sechs Jahren hat uns die Schulleitung gefragt, ob wir auch Halal-Fleisch liefern können“, sagte Saiti. „Das war für uns auch neu.“ Daraufhin habe man lokale Anbieter gesucht. Dass das Schächten von Tieren ohne vorherige Betäubung in Deutschland grundsätzlich verboten sei, werde beachtet: „Uns wurde von den Lieferanten mitgeteilt, dass die Tiere eine sogenannte Minutennarkotisierung vor der Schlachtung erhalten“, sagt der Catering-Chef. Die Tiere würden also kurz vor dem tödlichen Kehlschnitt betäubt.

Schulen haben viele Sonderwünsche

Saiti zufolge gibt es an den Schulen die unterschiedlichsten Anforderungen: Manche würden großen Wert auf veganes Essen legen, bei anderen werde kein Schweinefleisch gewünscht, sodass bei diesen Schulen dann auch auf Gelatine in den Nachspeisen verzichtet wird, andere Schulen wiederum legten Wert darauf, jegliche Fleischsorten anzubieten – also auch Schweinefleisch. „Solange es nicht unethisch ist, gehen wir auf die Wünsche ein“, sagt Saiti, der auch einen positiven Effekt ausgemacht hat: So hätten am Kurt-Körber-Gymnasium vor der Umstellung auf halal nicht einmal 30 Kinder in der Mensa gegessen, schätzt er. „Als wir Halal-Fleisch geliefert haben, waren es plötzlich über 200 Jugendliche.“

Halal-Fleisch zusammen mit nicht halal produziertem Fleisch in einer Schulküche zuzubereiten, sei aufgrund der religiösen hygienischen Vorschriften und der örtlichen Gegebenheiten jedoch nicht möglich. „Wir können an einer Schule nicht zwei verschiedene Produktlinien fahren“, erklärt Saiti. Eine vegetarische Alternative gebe es aber in jedem Fall. Aus Sicht des AfD-Bürgerschaftsabgeordneten Alexander Wolf, dessen Kleine Anfrage an den Senat den Stein ins Rollen brachte, geht es zu weit, an den Schulen ausschließlich Halal-Fleisch anzubieten: „Als AfD lehnen wir es ab, dass deutsche beziehungsweise nicht-muslimische Schüler sich den Schlacht- und Essensgewohnheiten von Muslimen unterwerfen müssen. Die Schulbehörde muss konsequent durchsetzen, dass in der Schulspeisung nur Fleisch nach den Richtlinien des Tierschutzgesetzes angeboten und Schüler unterschiedlicher Herkunft nicht kulturell vereinnahmt werden.“

Im Prinzip ist er sich in diesem Punkt mit dem Schulsenator einig. Der sagte: „Wenn hier irgendjemand seine Religion zum Maßstab erhebt, muss man als Staat sagen: Das geht nicht.“