Feinschmecker-Urteil

Bianc bis Heldenplatz: Hamburgs geheime Top-Restaurants

Bianc-Küchenchef Matteo Ferrantino richtet an

Bianc-Küchenchef Matteo Ferrantino richtet an

Foto: Restaurant Bianc

Newcomer und Bewährtes – diese Hamburger Restaurants sind im neuen Deutschlandranking. Ob Mälzer und Henssler diesmal dabei sind.

Hamburg. Gourmets haben es gut in Hamburg: In kaum einer deutschen Stadt können sie aus so vielen Spitzenrestaurants wählen wie an Alster und Elbe. 21 Betriebe sind es, die es diesmal in Liste der Top 500 deutschen Restaurants der renommierten Fachzeitschrift "Der Feinschmecker" geschafft haben. Darunter sind viele schon länger bekannte Speiselokale, aber auch einige echte Geheimtipps. Auffällig: Immer mehr der empfohlenen Restaurants befinden sich in der aufstrebenden HafenCity.

Die Top drei Restaurants in Hamburg

Unter den Besten der Besten mit einer Bewertung von jeweils viereinhalb von fünf "Feinschmecker-Fs" oder Punkten sind in diesem Jahr The Table, das Haerlin und das Seven Seas gelandet.

Im The Table von Chefkoch Kevin Fehling ist es weiterhin ausgesprochen schwierig, einen Platz zu bekommen. Das Haus in der HafenCity ist über Monate hinweg ausgebucht. "Das Menü in Deutschlands urbanstem Gourmetrestaurant ist ohne Zweifel eine erlebnisreiche Weltreise", schwärmen die Feinschmecker-Tester. Serviert werde am wellenförmigen Hochtisch, an dem man von jedem Platz aus das Anrichten der Gänge beobachten kann und dank der geschickten Form dennoch jeweils etwas für sich sitze. Sieben Gänge umfasst das Menü (210 Euro), alle "hochästhetisch angerichtet und so raffiniert wie harmonisch komponiert".

Drei Menüs präsentieren die Chefköche Karlheinz Hauser und Axel Krause im Seven Seas auf dem Süllberg. "Was da im elegant-modernen Restaurant des Genuss-Refugiums mit der romantischsten Terrasse über der Elbe serviert wird, ist in diesem Jahr noch raffinierter und ausgefeilter. Klar strukturiert sind die Gerichte, die zwischen feiner Eleganz und großer Aromenkraft variieren und schwelgerisch gut sind", so das Test-Votum.

Das "glamourös-elegante" Haerlin im Hotel Vier Jahreszeiten von Christoph Rüffer glänzte im Test hingegen nicht nur mit einem Blick auf die Binnenalster und einem ausgefallenen Menü. Die Tester lobten auch den "sensiblen Umgang" mit Top-Produkten und die mit 1100 Positionen "eindrucksvolle" Weinkarte.

Interessante Newcomer

Im oberen Segment tummeln sich in diesem Jahr auch Jacobs Restaurant im Hotel Jacob (dreieinhalb Punkte), das Landhaus Scherrer (drei Punkte), Anna Sgroi in Rotherbaum (drei Punkte), Jellyfish in Eimbüttel (drei Punkte) oder das Piment in Hoheluft-Ost.

In dieser LIga spielt auch das Lakeside (drei Punkte) im neuen Hotel The Fontenay an der Außenalster – was allerdings noch ein wenig hinter den hohen Ambitionen von Unternehmer Klaus-Michael Kühne liegen dürfte. Immerhin: Die Tester loben nicht nur die "perfekten Lichtverhältnisse" im Gourmetrestaurant, sondern auch "luftige Appetitmacher in Form eines Rotkohl-Macarons mit Meerrettich" und das Filet von der Seezunge mit "Schuppen aus feinen Pulposcheiben".

Restaurant Bianc sticht heraus

Hochangesehen in Fachkreisen ist ein weiterer Newcomer in den Top 500, das noch weniger bekannte Restaurant Bianc von Chefkoch Matteo Ferrantino in der HafenCity. Ferrantino, vormals im Vila Joya an der Algarve aktiv, servierte den Feinschmecker-Testern unter anderem Rindertatar mit Aioli, Entenleber mit Mango oder Granny­-Smith­-Gazpacho aus dem Reagenzglas als Amuse­-Bouche. Auch das anschließende vier- bis sechsgängige Menü sei eine "anregende Reise durch intensive Geschmackslandschaften" gewesen, so die Bewertung. Insgesamt drei von fünf Punkten.

So gut wie Cornelia Poletto

Zu den eher weniger bekannten Hamburger Restaurants, die es in die Top 500 geschafft haben, zählt das Heimatjuwel in Eimsbüttel (zwei Feinschmecker-Punkte). "Im kleinen Lokal kreiert Marcel Görke mit besten norddeutschen oder zumindest nordischen Zutaten wie Zander aus der Müritz oder Havelländer Apfelschwein produktfokussierte Gerichte, die zeitgemäß und frei von Effekthascherei sind", so die Tester.

Auch dem Restaurant Heldenplatz in der Neustadt ist es gelungen, zwei von fünf Feinschmecker-Punkten zu ergattern. Bis zwei Uhr in der Früh serviere das Team um Chefkoch Markus Hampp hier das volle Programm aus saisonalen Gerichten, oft mit mediterraner Note. Entenleberterrine mit Kaki zum Beispiel oder Pulpo und Calamaretti mit Cocobohnen Das Petit Amour am Ottensener Spritzenplatz schaffte es sogar auf zweieinhalb Feinschmecker-Punkte. Leicht und modern sei die französische Küche, die Chefkoch Boris Kasprik hier anbiete.

Heldenplatz, Heimatjuwel oder Petit Amour liegen mit ihren Konzepten auf einer Ebene mit viel bekannteren Häusern wie dem Fischereihafen Restaurant (zwei Punkte), dem japanischen Klassiker Matsumi (zwei Punkte) oder auch mit dem Restaurant von Cornelia Poletto (zwei Punkte). Ein wenig scheint den Testern in der Eppendorfer Gastronomia der Promi-Köchin das Konzept zu fehlen. "Restaurant mit Delikatessenabteilung oder Feinkostladen mit Restaurant? Die Gastronomia sei "auf jeden Fall ein beliebter Treffpunkt ihrer Fans und der Nachbarschaft", lautet das Feinschmecker-Urteil. Überschwängliches Lob klingt irgendwie anders.

Überhaupt die TV-Köche: Die Restaurants von Steffen Henssler oder Tim Mälzer sucht man in der Liste der Top 500 Restaurants vergebens. Weder Mälzers Bullerei im Schanzenviertel noch die Häuser des Konkurrenten spielen offenbar nach Einschätzung des Feinschmeckers in der Spitzenliga.

Die Liste der empfohlenen Hamburger Restaurants komplettieren das Louis – by Thomas Martin in der Hafencity (2,5 Punkte), Nikkei Nine (2,5 Punkte) im Souterrain des Hotel Vier Jahreszeiten, Portomarin (2 Punkte) an der Dorotheenstraße, Tschebull (2 Punkte) an der Mönckebergstraße, sowie das Lenz (2 Punkte) in Duvenstedt.

Ohne Wertung wird das Le Canard nouveau erwähnt. Seit dem Brand Anfang Juni ist unklar, wann das exklusive Restaurant wiedereröffnet.