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Senator tritt zurück

Frank Horch: "Die Krankheit meiner Frau hat jetzt Vorrang"

Der 70-Jährige will sich mehr um seine kranke Frau kümmern. Als Nachfolger wird ein sehr bekannter Ex-Manager gehandelt.

Frank Horch und seine Ehefrau bei der Eröffnung der Elbphilharmonie im Januar 2017

Foto: picture alliance/Eventpress

Hamburg. Es ist ein schwerer Schlag für die rot-grüne Koalition: Hamburgs Wirtschafts- und Verkehrssenator Frank Horch (parteilos) tritt zurück. Bis Jahresende will der 70-Jährige aus dem Amt scheiden, wie der Senator auf einer überraschend angesetzten Pressekonferenz am Donnerstagvormittag erklärte. "Jetzt ist der Zeitpunkt da, zu erkennen, dass mein Privatleben nicht länger mit dem Amt vereinbar ist", sagte Horch. "Der Spagat zwischen familiärer Verpflichtung und Beruf ist inzwischen so intensiv, dass es für mich nicht mehr leistbar sein wird."

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Grund für Horchs Entscheidung ist seine erkrankte Frau Margret (80), um die sich der 70-Jährige zukünftig verstärkt kümmern will. Ihr Zustand soll sich zuletzt weiter verschlechtert haben. "Es war eine schwere Entscheidung – aber die Krankheit meiner Frau muss jetzt Vorrang haben", sagte Horch dem Abendblatt. Wegen seiner Frau war Horch nach eigenen Angaben schon vor Jahren aus dem Umland in die Hamburger HafencCity gezogen. In der Mittagspause habe er damit die Chance gehabt, bei ihr nach dem Rechten zu sehen

"Sie wissen alle, ich bin gern Senator und ich arbeite gern für diese Stadt", erklärte Horch weiter. "Es war und ist mir immer eine Ehre gewesen, für Hamburg etwas zu erreichen und meine Erfahrung und Arbeitskraft in ihren Dienst zu stellen. Der Standort liegt mir ungemein am Herzen. Ich denke, es ist viel passiert in den vergangenen Jahren, so dass ich ein gut bestelltes Feld hinterlassen kann, auf das sich bauen lässt."

Ex-Bahnchef als Nachfolger?

Nach Informationen des Abendblatts wird aus der SPD-Bürgerschaftsfraktion vor allem ein Name für die Nachfolge Horchs ins Spiel gebracht. Dabei handelt es sich um den ehemaligen Vorstand der Deutschen Bahn, Rüdiger Grube. Dieser ist nicht SPD-Mitglied. „Aber das kennen wir ja schon von Horch“, hieß es aus Fraktionskreisen.

Grube (69) ist Hamburger und hat den Kontakt in seine Heimatstadt nie abreißen lassen. Grubes Eltern waren Obstbauern in Moorburg, sie bewirtschafteten einen Bauernhof. Als ehemaliger DASA-Manager ist er mit dem Airbus-Werk in Finkenwerder vertraut. Zurzeit ist er Aufsichtsratschef des größten Hamburger Hafenunternehmens HHLA.

Bürgermeister bedauert Entscheidung

Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) dankte Horch für seine Arbeit. „Ich habe seine Entscheidung mit großem Bedauern, aber auch mit Verständnis aufgenommen", so der Regierungschef. Horch habe das Amt Wirtschaftssenator über mehr als sieben Jahre mit großem persönlichem Einsatz und Erfolg geführt. "Die von ihm umgesetzten Projekte bis hin zur Fahrrinnenanpassung waren und sind für unsere Stadt von zentraler Bedeutung." Horchs langjährige Erfahrung in der Wirtschaft und in anderen wichtigen Aufgaben wie als Präses der Handelskammer, seine gute Vernetzung, seine Integrität und durchsetzungsstarke Persönlichkeit hätten der Stadt sehr geholfen.

Ein Tag mit Hamburgs Wirtschaftssenator

Für die rot-grüne Koalition ist der Rücktritts Horchs auf jeden Fall ein Schlag. Horch war bereits unter Tschentschers Vorgänger Olaf Scholz (SPD) Wirtschaftssenator. Mit Scholz hatte Horch immer ein sehr vertrauensvolles Verhältnis. In der Wirtschaft war der Senator hoch angesehen. In seiner Amtszeit, die am 23. März 2011 begann, hatte der Senator vehement den jahrelangen Kampf um die Elbvertiefung vorangetrieben. Aber auch neuen Technologien und der Digitalisierung war der 70-Jährige sehr zugewandt. So holte er für 2021 den internationalen Weltkongress für Mobilität und Logistik nach Hamburg.

Kritik von CDU und Linke an Horchs Politik

Kritik musste der passionierte Segler zuletzt für seine Hafenpolitik einstecken. CDU, Linke und FDP forderten einen neuen Hafenentwicklungsplan, weil Hamburg gegenüber Rotterdam und Antwerpen an Umsatz verloren habe. Wegen seiner Frau war Horch nach eigenen Angaben schon vor Jahren aus dem Umland in die Hamburger Hafencity gezogen. In der Mittagspause habe er damit die Chance gehabt, bei ihr nach dem Rechten zu sehen.

"Es ist ein Zeichen menschlicher Größe, dass der Senator die Gesundheit seiner Frau über das Regierungsamt stellt", sagte der Vorsitzende der CDU-Fraktion, André Trepoll. "Losgelöst davon steht fest, dass die Hamburger Wirtschaft schon seit längerem nicht die politischen Impulse bekommt, die sie benötigt. Der schwächelnde Hafen, mangelnde Konzepte für die Digitalisierung und Dauerstau werden das schwierige Erbe für Horchs Nachfolger als Wirtschafts- und Verkehrssenator sein."

Grünen-Chef: "Ein feiner Kerl"

Lob für Horch kam aus der Bürgerschaftsfraktion der Grünen. "Die Entscheidung von Frank Horch macht mich traurig, ist aber menschlich nachvoIlziehbar", so Fraktionschef Anjes Tjarks. "Ich habe mit ihm seit 2011 in den unterschiedlichsten Konstellationen zusammengearbeitet und ihn immer als feinen Kerl erlebt, der im persönlichen Umgang und im alltäglichen Politikbetrieb immer anständig und zuvorkommend war. Wir Grüne hätten uns sehr gewünscht, dass er das Amt als Wirtschaftssenator noch weiter ausübt."

Auch die Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank bedauerte die Entscheidung. „Frank Horch ist ein fantastischer Kollege und ein feiner Mensch“ sagte die Grünen-Politikerin in Boston (USA). „Mir ist er zu einem mindestens politischen Freund geworden. Wir haben in den vergangenen Jahren in engem Schulterschluss versucht, viel für die Stadt zu bewegen, und das ist uns gelungen.“

Die Besetzung des Nachfolgers obliegt der SPD. Fegebank sagte, sie wünsche sich aber schon, dass das Gleichgewicht zwischen Männern und Frauen im Senat im Auge behalten werde und "die Nachfolgerin oder der Nachfolger den innovativen Geist fortsetzt“.

Vorbote politischer Erosion?

Der Vorsitzende des Industrieverbands Hamburg (IVH), Matthias Boxberger, nahm die Entscheidung Horchs mit "großem Repekt", aber auch Sorge auf. "Horch steht gleichermaßen für Unternehmer-Kompetenz, für erfolgreiche Interessenvertretung in Kammer und Industrieverband sowie für acht Jahre sehr engagierte politische Arbeit. Vor diesem Hintergrund stellt sich unserem IVH die Frage, ob dies der Vorbote einer politischen Erosion ist. Ein maßgeblicher Teil der politischen Mannschaft, an deren Seite wir uns 2011 auf den Weg gemacht haben, ist bald nicht mehr da."

Bedauern bei Handels- und Handwerkskammer

„Wir bedauern den Rücktritt von Frank Horch als Wirtschaftssenator außerordentlich und bedanken uns für sein unermüdliches Engagement für die Hamburger Wirtschaft", sagte der Präses der Hamburger Handelskammer, Tobias Bergmann. "Frank Horch hat sich während seiner Amtszeit stets für die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes allgemein und des Hamburger Hafens im Speziellen engagiert." Als erster Wirtschaftssenator, der auch für den Bereich Innovationen zuständig war, habe er auch neue Akzente in der Verbindung von Forschung und Wirtschaft gesetzt.

Horch habe den "schwierigen Spagat zwischen wirtschaftlichen Erfordernissen und politischen Realitäten" gemeistert, betonte der Präsident des Unternehmensverbands AGA, Hans Fabian Kruse. Der Senator sei ein überaus sympathischer Mensch, dessen klare und ruhige Art eine Bereicherung für die Politik darstelle.

Auch die Handwerkskammer bedauerte den vorzeitigen Abgang des Senators ."In der Handwerkskammer und dem Hamburger Handwerk haben wir Senator Horch als einen hoch vertrauenswürdigen, gut vernetzten, sehr kompetenten und stets aufgeschlossen Ansprechpartner kennengelernt", erklärte Kammerpräsident Josef Katzer. "Wir wünschen ihm und seiner Frau Margret für die Zukunft von Herzen alles Gute.“

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