Altbürgermeister geehrt

Wie Klaus von Dohnanyi Hamburg geprägt hat

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher ehrt Altbürgermeister Klaus von Dohnanyi zu dessen 90. Geburtstag

Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher ehrt Altbürgermeister Klaus von Dohnanyi zu dessen 90. Geburtstag

Foto: Pressestelle des Senats

Tschentscher zum 90. Geburtstag Dohnanyis: Als Hamburg eine schrumpfende Stadt war, habe der Altbürgermeister Weitsicht bewiesen.

Hamburg.  Meinungsstark, unbequem und nach eigenem Bekunden mit 90 Jahren „fröhlich und gelassen“ in die Zukunft blickend – Altbürgermeister Klaus von Dohnanyi (SPD) ist am Montag anlässlich seines Geburtstags im Juni mit einem Senatsfrühstück im Rathaus geehrt worden. Im Beisein von mehr als 50 Gästen aus Politik und Gesellschaft, unter ihnen die ehemaligen Hamburger Bürgermeister Hans-Ulrich Klose und Ortwin Runde, würdigte der aktuelle Amtsinhaber, Peter Tschen­tscher (SPD), das politische Wirken Dohnanyis.

Die Vita des promovierten Juristen erzählt Geschichte: Nach dem Studium in München und in den USA arbeitete er bei Ford in Detroit und Köln, er leitete das Umfrageinstitut Infratest, organisierte den Wahlkampf für Willy Brandt, führte als Bildungsminister das BAföG ein.

Unter Kanzler Helmut Schmidt wurde er Staatsminister im Auswärtigen Amt, bevor er 1981 Hamburgs Stadtoberhaupt wurde. Dohnanyis internationale Erfahrung und seine vielfältigen Kontakte seien eine „hervorragende Voraussetzung für das Wirken als Bürgermeister“ gewesen, sagte Tschentscher. „Es waren schwierige Zeiten, als Klaus von Dohnanyi das Amt übernahm.“

„Hamburg war eine schrumpfende Stadt“

Die Arbeitslosenzahlen und die Sozialausgaben seien damals gestiegen, die Wirtschaftskraft sei gesunken, die Haushaltslage prekär gewesen, sagte Tschentscher in seiner Tischrede. „Hamburg war eine schrumpfende Stadt – in Bezug auf die Bevölkerung wie auf den Wohlstand und die Lebensqualität.“ Hinzu kam etwa der Konflikt um besetzte Häuser in der Hafenstraße, den von Dohnanyi dann befriedete.

„Dass es gelungen ist, die Entwicklung der Me­tropole wieder in eine andere Richtung zu lenken, Hamburg wieder zu einer wachsenden Stadt zu machen, nicht nur in der Einwohnerzahl, sondern auch in der Wirtschaftskraft und Lebensqualität für die Bürgerinnen und Bürger, liegt auch an den Weichenstellungen in den 80er-Jahren“, sagte Tschentscher.

Bei politischen Entscheidungen zur Finanzierung des Hafens, dem Ausbau der Messe und dem Medienstandort Hamburg habe von Dohnanyi Weitsicht bewiesen. Schon früh habe Dohnanyi auch die Bedeutung der Wissenschaft für Hamburg erkannt.

In der SPD „nicht immer glücklich, aber treu“

2014 befeuerte der Altbürgermeister die Debatte um den Hochschulstandort. Mit Willfried Maier (Grüne) und Wolfgang Peiner (CDU) – beide ebenfalls unter den Gästen – hatte er mehr Engagement für den Wissenschaftsstandort Hamburg eingefordert. Tschentscher sagte nicht ohne Ironie: „Wenn Sie außerhalb der Presse mal wieder ein Thema haben, wissen Sie ja, wo Sie mich finden.“

Dohnanyi selbst blickte in seiner kurzen Ansprache auf 90 Jahre deutsche Geschichte zurück. „Wenn die Wirtschaft nicht läuft, funktioniert auch kein Sozialstaat mehr – und am Ende auch keine Demokratie“, warnte er mit Blick auf das Ende der Weimarer Republik. Und: Sein Rücktritt 1988 – pünktlich nach 20 Jahren Politik – sei für ihn lange vorher geplant gewesen. Der SPD gehört er seit 1957 an – „nicht immer glücklich, aber treu“.