Bürgerschaftswahl 2020

Katharina Fegebank will Hamburgs Grüne anführen

 Katharina Fegebank (Bündnis 90/Die Grünen), Zweite Bürgermeisterin von Hamburg und Wissenschaftssenatorin, will als Grüne-Spitzenkandidatin bei der Bürgerschaftswahl 2020 antreten

Katharina Fegebank (Bündnis 90/Die Grünen), Zweite Bürgermeisterin von Hamburg und Wissenschaftssenatorin, will als Grüne-Spitzenkandidatin bei der Bürgerschaftswahl 2020 antreten

Foto: Christian Charisius / dpa

Zweite Bürgermeisterin möchte trotz Schwangerschaft Spitzenkandidatin bei der Bürgerschaftswahl werden.

Hamburg.  Sie erwartet zwar im Dezember Zwillinge, doch das hält Hamburgs Zweite Bürgermeisterin Katharina Fegebank nicht davon ab, die Grünen in die nächste Bürgerschaftswahl führen zu wollen: Am Dienstag gab die 41-Jährige bekannt, dass sie Anfang 2020 erneut als Spitzenkandidatin ihrer Partei antreten wolle.

„Ich möchte mich auf der kommenden Landesmitgliederversammlung bei euch für diese Aufgabe bewerben“, schreibt Fegebank in einem Brief an ihre rund 1800 Parteifreunde in Hamburg. Zuvor hatte der Landesvorstand vorgeschlagen, auch 2020 mit einer Spitzenkandidatin anzutreten. Die Entscheidung fällt auf einen Parteitag am 27. Oktober.

Fegebank erwartet einen Wahlkampf über Werte

Dreieinhalb Jahre nach Eintritt in die Koalition mit der SPD stellt Fegebank in dem Brief fest: „Ich habe meine Hamburger Grünen selten so gut sortiert und motiviert erlebt wie jetzt. Dieser Schwung soll uns zu tollen Ergebnissen bei den Bezirksversammlungswahlen und Europawahlen führen und danach zu einem starken Resultat bei der Bürgerschaftswahl 2020.“ Sie sei überzeugt davon, dass für die Grünen „viel mehr“ drin sei als die 12,3 Prozent, die die Partei 2015 geholt hatte.

Katharina Fegebank will bei der Bürgerschaftswahl 2020 als Spitzenkandidatin der Grünen antreten – ist sie die richtige?

Von den zwischenzeitlichen Überlegungen, sogar erstmals eine „Bürgermeisterkandidatin“ zu nominieren, haben die Grünen aber wieder Abstand genommen. „Das wäre eine Umdrehung zu viel“, sagte Fegebank am Nachmittag in der Parteizentrale. Es sei zwar nicht ausgeschlossen, dass irgendwann eine Frau Bürgermeisterin werde – und das dürfe auch gerne eine Grüne sein. Derzeit wolle sie aber „den Ball flach halten“.

Seit 2015 ist Fegebank auch Wissenschaftssenatorin

In ihrem Brief beschreibt Fegebank einen „Sturm der Fremdenfurcht und des hasserfüllten Nationalismus“, der durch Europa und die Welt tobe. Dieser mache auch vor Hamburg nicht halt. Daher erwarte sie einen Wahlkampf über Werte und empfiehlt den Grünen, als „Orientierungspartei“ aufzutreten, die für Rechtsstaatlichkeit und Menschenwürde stehe. „Hamburg darf nicht auseinanderbrechen. Weder zwischen Arm und Reich. Noch zwischen Alteingesessenen und Zuwanderer*innen. Noch zwischen Außenbezirken und Zentrum.“

Mit Blick auf ihre künftige Rolle als Mutter schreibt Fegebank: „Es wird nicht einfach sein, alles unter einen Hut zu bringen. Und ich kann euch nicht versprechen, dass ich nicht mal übernächtigt und ungeschminkt am Wahlkampfstand aufkreuze oder mein Kleid bei einem Fernsehauftritt nicht top gebügelt und dafür ein bisschen bekleckert ist.“ Aber sie verspreche, ihre ganze politische Leidenschaft einzubringen.

Grüne sind anderen Parteien in Kandidatenfrage voraus

Fegebank war von 2008 bis 2015 Landesvorsitzende der Grünen und hatte diese auch 2015 als Spitzenkandidatin in die Wahl geführt. Seit Bildung der rot-grünen Koalition im Frühjahr 2015 ist sie Wissenschaftssenatorin und Zweite Bürgermeisterin und gilt als das Gesicht der Partei in der Hansestadt. Insofern kommt weniger ihre erneute Kandidatur überraschend als der relativ frühe Zeitpunkt. Nach den Worten von Parteichefin Anna Gallina ist der durchaus taktisch gewählt: „Durch die frühe Festlegung auf eine Spitzenkandidatin lange vor der Listenaufstellung schaffen wir die Voraussetzungen für eine stärkere Personalisierung. Eine ungeklärte Spitzenkandidatur raubt einer Partei sehr viel Energie.“

Tatsächlich wären die Grünen, wenn sie noch vor der offiziellen Listenaufstellung eine Spitzenkandidatin benennen, den anderen Parteien etwas voraus. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) hat zwar bereits erklärt, 2020 als Spitzenkandidat antreten zu wollen. Seine Nominierung dürfte eine Formsache werden, aber sie wird vermutlich erst im Laufe des Jahres 2019 erfolgen.

Am spannendsten ist die Frage in der CDU, deren Spitzenkandidat zusätzlich das Etikett „Bürgermeisterkandidat“ bekommt – auch wenn die Union bei den letzten Wahlen mit 15,9 Prozent nur auf rund ein Drittel der SPD-Stimmen kam. Als Favorit auf die Kandidatur gilt Fraktionschef An­dré Trepoll, der sich diese nach eigener Aussage auch zutraut. Parteichef Roland Heintze werden nur Außenseiterchancen eingeräumt. Die Entscheidung soll noch in diesem Herbst fallen.

Auch bei den Linken, der FDP und der AfD dürften die Spitzenkandidaten aus den Kreisen der Fraktionsvorsitzenden kommen. Allerdings haben diese drei Fraktionen jeweils eine Doppelspitze, sodass Auseinandersetzungen zumindest nicht ausgeschlossen sind.