Hamburg

Action! Mit Tempo 90 über die Elbe sausen

Beim  Speedboat-Fahren auf der Elbe

Beim Speedboat-Fahren auf der Elbe

Foto: Martin Brinckmann

In unserer Sommer-Serie probieren wir Action-Angebote in Hamburg aus. Teil 3: Im Speedboot über zwei Meter hohe Wellen.

Hamburg. Das wichtigste, denke ich, ist eine Mütze. Eine Mütze braucht ein Mann mit wenig Haaren auf dem Kopf, um sich vor der sengenden Julisonne zu schützen. Vorsorglich packe ich zwei Mützen ein. Schließlich könnte eine von beiden weggeweht werden von den Böen der Windstärke 7, die an diesem Tag über die Elbe fegen. Dann hätte ich wenigstens Ersatz.

Pah! Windstärke 4 bis in Böen 7, das ist doch nichts. Da haben wir schon ganz andere Sachen erlebt. Bei der Drake-Passage von Kap Hoorn in die Antarktis. Oder bei den schaukelnden Zodiac-Touren vor den Gletschern Grönlands. Jetzt aber stehe ich auf dem Bootssteg im City-Sportboothafen, wo die RIB-Piraten ihre Basis haben. Das sind harte Männer und Frauen, Piraten eben, die nicht die Schönheit der Landschaft, sondern den Adrenalinkick auf dem Wasser zum Geschäftsmodell gemacht haben.

Die Schlauchboote sind für den Offshore-Einsatz konzipiert

Mit steigendem Tempo und bis zu 90 Stundenkilometer schnell rasen die RIBs (Rigid Inflatable Boats) von der Elbphilharmonie bis ins Alte Land und wieder zurück. Die drei pechschwarzen, acht Meter langen Festrumpfschlauchboote sind mit 300 PS-starken Motoren ausgerüstet. Die Schlauchboote sind für den Offshore-Einsatz konzipiert und werden von den Navy S.E.A.L.s, einer US-Spezialeinheit, und den radikalen Umweltschützern von Sea Shepherd für ihre Aktionen auf offener See eingesetzt.

Auf diesen jeweils 100.000 Euro teuren und für mehr als zehn Passagiere umgebauten Booten werden wir gleich rund 90 Minuten verbringen. Auf dem Bootssteg, wo Caro Schmidt vom Empfang mit ihrem kleinen Kind gute Laune verbreitet und freundlich Kaffee serviert, blicke ich in die Gesichter jener Passagiere, die gerade vom windigen Wellenritt auf dem Strom zurückgekommen sind. Sie schauen aus, als hätten sie stundenlang im Fitnessstudio an den Geräten geschuftet. Fix und fertig und ein bisschen fahl, ohne Lächeln im Gesicht.

Und jetzt: ein kaltes Bier auf dem Steg

Erst als RIB-Kapitän Frank Proco­pius wenig später von seinem Boot aussteigt und bereits die neue Tour vorbereiten will, löst sich die Anspannung der Ankommenden. Sie beginnen zu strahlen. Geschafft! War das toll! Und jetzt: ein kaltes Bier auf dem Steg.

Ich muss noch warten, bis es losgeht. Auf dem Bootssteg treffe ich auf Torsten Weingang. Er hatte zu seinem Geburtstag einen Gutschein für die RIB-Piraten geschenkt bekommen und will ihn heute einlösen. „Ich bin sehr gespannt“, sagt Weingang, der in der Personalabteilung einer Hamburger Reederei arbeitet. Derweil treffen immer mehr junge Frauen ein. Wie sich gleich herausstellt, gehört die Fahrt mit dem Speedboot zum Programm eines Junggesellinnen-Abschieds. Ich ahne: Beim Rodeo auf dem Wasser werden sie bestimmt laut kreischen.

Der Mann weiß, was er tut

Ausgerechnet auf ihrem Boot lande ich, und zwar auf einem hinteren Stehplatz direkt am Yahama-Triebwerk. Bootsführer ist Frank Procopius, der Erfinder und Geschäftsführer der RIB-Piraten. Kurz zuvor hatte er uns die Sicherheitsvorschriften erklärt. Wir tragen jetzt eine wasserabweisende Jacke und eine Schwimmweste. „Dreht euch nicht zur Seite“, rät er, „sonst fliegen euch die Sonnenbrillen weg.“

Caro Schmidt, seine Frau, winkt zum Abschied. Los geht’s! Erst beginnen die drei Powerboote im Hafen zu hüpfen. Das Tempo ist noch wie bei einer Hafenrundfahrt mit dem Schaufelraddampfer. Procopius sitzt am Steuer, die Sonnenbrille im Gesicht. Die elf Frauen und ich vertrauen ihm. Der Mann weiß, was er tut, als er immer mehr aufs Tempo drückt. Schließlich ist er Fallschirmspringer, Jetski- und Dragster-Fahrer sowie Kunstflugpilot und Vater eines Kindes. Auf jeden Fall hat er die Lizenz, solche Touren auf der Elbe durchzuführen. „Da wir die höchsten Sicherheitsauflagen durch die Behörden in Deutschland haben, werden unsere Fahrer speziell durch uns ausgebildet“, sagt er wenig später an Land.

Während das Speedboot zu fliegen beginnt und brachial auf die Wellen kracht, stehen das Seniorenstift Augustinum, die Kapitänshäuser von Oevelgönne und die Villen von Blankenese wie Trutzburgen fest auf dem Land.

Gischt spritzt in die Gesichter

Auf Höhe Wedel stoppen die Speedboote. Ich darf umsteigen und bekomme einen Stehplatz mit Rückenlehne. Die brauche ich auch, denn jetzt peitscht mein neuer Käpt’n, Sven mit Namen, das Offshore-Boot über den bewegten Strom in Richtung Altes Land. Die Körper der Insassen bewegen sich bald nach rechts, bald nach links, rauf und runter. Rückenfreundlich ist das nicht. Gischt spritzt in die Gesichter.

Sven hat sichtbare Freude am gesteigerten Adrenalin-Ausstoß seiner weiblichen Passagiere. Sie kreischen
übrigens nicht.

Wenig später plötzlicher Stopp. Die Bootsführer rufen sich etwas zu. Ich höre daraus, dass sie nicht so weit elbabwärts rasen wollen. Zu viel Wind, zwei Meter hohe Wellen. Auf jeden Fall fahren wir nicht bis Höhe Lühesand. Jetzt beginnen die Triebwerke zu dröhnen. Festhalten! Speed! Haben wir schon Tempo 80?

Sven dreht bei Hanskalbsand ab. Es geht zurück. Auf einmal sehen wir nur noch Gischt, eine Welle setzt das ganze Boot unter Wasser. Alle werden vom Kopf bis zu den Füßen pitschnass. Kann passieren. Sollte aber nicht. Später wird Sven sagen, dass die Welle zweieinhalb bis drei Meter hoch war.

Nach mehr als 90 Minuten gelangen die drei Speedboote in den sicheren Hafen zurück. Dort warten schon die nächsten Gäste, der Passagierwechsel geht schnell. Denn fünf solche Touren müssen die Bootsführer an diesem Tag absolvieren. Torsten Weingang jedenfalls ist begeistert: „Gern nächstes Mal wieder“, sagt er. „Am besten jedes Jahr einmal.“

Sollte ich jemals wieder bei Sonnenschein an Bord gehen, dann mit drei Mützen. Zwei schwimmen jetzt irgendwo in der Elbe.

Wo kann ich starten?

Die Basis von RIB-Piraten befindet sich im City-Sportboothafen (U-Bahn Baumwall). An dieser Stelle war früher ein Wasserflugzeug für Rundflüge stationiert. Während der Werktage nutzen vor allem Firmen das Angebot, an den Wochenenden verstärkt Touristen. Zwei von drei Passagieren sind männlich.

Preise: Die Karte kostet 89 Euro pro Person. Dafür wird eine Eventdauer von insgesamt 90 Minuten geboten mit einer reinen Fahrtzeit zwischen 70 bis 75 Minuten und etwa 50 zurückgelegten Kilometern.

Kontakt: RIB-Piraten Hamburg GmbH, Vorsetzen (City Sport­hafen), 20459 Hamburg Mobil: 0172/27 14 004 Office: 040/507 191 91 Fax: 040/507 191 92 E-Mail: info@rib-piraten.de Für Terminabsprachen: Montag bis Freitag, 10 bis 18 Uhr

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