Hamburg

Großes „Hallo“ beim Freistil-Festival in Hammerbrock

Gute Planung ist alles bei den „Hallo
Festspielen“

Gute Planung ist alles bei den „Hallo Festspielen“

Foto: Hallo Festspiele

Die Veranstaltung auf dem Gelände des ehemaligen Kraftwerks Bille bietet eine erstaunliche und sympathische Programm-Vielfalt.

Hamburg.  „Anne Alster, anne Elbe, anne Bill“, heißt es im Volkslied, „dor kann jeden eenen moken, wat he will.“ Im übertragenen Sinne ist das ein Loblied auf hanseatische Toleranz, wörtlich aber Blödsinn: Die Alster ist eingebettet in eine wohlhabende Parklandschaft, die Elbe viel befahrene Wasserstraße, Hafen und Industriestandort, niemand kann da machen, was er will. Und die Bille? Die vergisst man immer wieder, ein 65 Kilometer langes Flüsschen, das auf Hamburger Gebiet hauptsächlich durch Gewerbe, Industrie und Misch­bebauung gekennzeichnet ist.

Die Bille ist also ein Ort, wo sich tatsächlich noch was machen ließe, kaum präsent und entsprechend offen für neue Ideen. Die Hallo Festspiele, die seit 2015 alljährlich auf dem Gelände des ehemaligen Kraftwerks Bille in Hammerbrook als Zwitter aus Kunst, Club und Stadtraumerkundung stattfinden, haben sich für die diesjährige Ausgabe vom 3. bis 5. August den Fluss als Thema gewählt: Festivalzentrum ist ein Ponton auf dem Fluss, bespielt werden einerseits der Bereich zwischen Kraftwerk und Ufer, andererseits die Bille selbst.

Anhaltender Strukturwandel

Was bedeutet die Bille für die Menschen? Wie wird sie genutzt? Und ist der öffentliche Raum gefährdet, könnte hier womöglich eine neue Alster entstehen, hochpreisig, aufgeräumt? Überraschung: Die Bille ist gar nicht weltvergessen, hier leben Menschen. Die Ruderer des RV Bille etwa, die bei den Hallo Festspielen unter anderem eine Lichterfahrt anbieten. Man kann schwimmen, auch wenn man den schadstoffbelasteten Schlick besser nicht aufwirbeln sollte. Und trotz des anhaltenden Strukturwandels gibt es auch immer noch ­Gewerbe: Während der Pressebesichtigung wird am gegenüberliegenden Ufer lautstark eine ­altersschwache Schute beladen. Die neue Alster ist das noch lange nicht.

Bei den Festspielen im August allerdings wird nicht nur geplanscht, da wird auch inhaltlich gearbeitet. Die Theatergruppe Geheimagentur etwa zeigt eine Lecture Performance, die Künstler Adnan Softic, Kathrin Wildner und Nuriye Tohermes bieten ­Gesprächsrunden an, die Sängerinnen Frauke Aulbert und Ann-Kathrin Quednau performen in einer Sauna ein Stück, das laut Daniel Dominguez Teruel vom Programmteam „zwischen Hören und Schwitzen“ verschwimmen soll. Dazu gibt es Elektro. Eine Bar. Catering. Festivalalltag.

Geführte Touren

Und dann zieht es einen doch wieder raus, aufs Wasser. Mit geführten Touren, unter anderen von der Theatergruppe cobratheater.cobra. Oder man probiert die selbst gebauten Schwimmobjekte der südfranzösischen Aktionskünstler Yes We Camp aus. Und, wer weiß, vielleicht strahlt die wässrige Utopie des übersehenen Flusses ja aufs Festland ab. „Im besten Fall schwappt die Metapher des öffentlichen Raumes vom Wasser über aufs Kraftwerk Bille“, hofft Dorothee Halbrock vom Programmteam.

Hallo Festspiele, 3.–5. 8., Kraftwerk Bille, Bullerdeich 14b, Anfahrt von der S-Bahn Hammerbrook: 15 Minuten Fußweg oder per Wassertaxi (im Tagesticket für 8 Euro inklusive). Programm: www.hallo-festspiele.de