Multimedia-Ausstellung

Grimms Märchenwelten – neues Spektakel in der HafenCity

So könnte eine Animation in den "Märchenwelten" aussehen

So könnte eine Animation in den "Märchenwelten" aussehen

Foto: TAMSCHICK MEDIA+SPACE GmbH

Interaktive Multimedia-Ausstellung soll im Frühjahr 2019 eröffnen. Die Besucher können dort selbst Abenteuer bestehen.

Hamburg. Von „Rapunzel“ bis zu „Hänsel und Gretel“, von „Aschenputtel“ bis zu „Frau Holle“: Die mehr als 200 Jahre alten Märchen der Brüder Grimm kennt jedes Kind. Nun soll ihnen in Hamburg eine multimedial-interaktive Dau­erausstellung gewidmet werden. In der HafenCity, unweit der Elbphilharmonie, sollen am Ende des ersten Quartals 2019 auf 3000 Quadrat­metern in einer mobilen Halle im Baakenhafen die „Märchenwelten“ eröffnen. Der Umzug an den finalen Standort, ein zweistöckiges Gebäude am Strandkai, ist im Laufe des Jahres 2022 geplant. Im Mittelpunkt: die Märchen der Brüder Grimm.

Etwa 300.000 Besucher werden pro Jahr erwartet; sie sollen „in die Welt der grimmschen Märchen eintauchen“, ­beschreibt Märchenwelten-Vorstand Matthias Kammermeier das Konzept. Der 61-Jährige blickt auf eine mehr als drei Jahrzehnte währende Filmkarriere unter anderem als Produktionsdesigner, Art Director und Visual-Effects-Experte zurück, wurde 2007 mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet und hat auch schon mit Regisseur Roland Emmerich („Independence Day“) ­zusam­mengearbeitet.

„Märchenwelten“ schlagen neues Edutainment-Kapitel auf

Zum Kernteam der „Märchenwelten“ gehört außerdem Carolin Ngo, ­zuvor unter anderem Projektleiterin der Kunstmeile Hamburg. Im Aufsichtsrat sitzen Ralf Eberenz (u. a. BWL-Professor an der Nordakademie), Hans Dieter Eckstein (im Kuratorium des Bucerius Kunst Forums) und Volker Heeg (Aufsichtsratsvorsitzender der mybet Holding SE). Initiator des Projekts ist Frank Mehlin, der schon an der 2009 in Hamburg gestarteten Ausstellung „Tutanch­amun – Sein Grab und die Schätze“ mitwirkte, die weltweit inzwischen mehr als acht Millionen Menschen gesehen haben. Zum Kreativteam zählen die Brüder-Grimm-Expertin Maria Leonarda Castello sowie die Firmen Atelier für Szenografie und Tamschick Media & Space, die bereits in aller Welt spektakuläre Ausstellungen realisiert hat.

Mit den „Märchenwelten“, so versprechen die Macher, werde in Hamburg ein ganz neues Edutainment-Kapitel aufgeschlagen: „Grimms Märchen und die darin vermittelten Werte sind einer der kostbarsten Schätze unserer Kulturgeschichte“, heißt es in einer Präsentation des Projekts. „Ihr Vermächtnis eint uns alle.“ Besucher würden mit Tapferkeit, Mut, Liebe, Furcht, Verrat und Gier konfrontiert, mit all dem, „was Märchen seit jeher prägt“.

Besucher entscheiden individuell über Weg durch die Show

Vorgesehen ist, dass die Besucher zunächst in Gruppen starten, im Verlauf der Tour aber Entscheidungen treffen müssen, die zu individuellen Wegen durch die Ausstellung führen. Dafür ­erhält jeder Teilnehmer einen Ring oder ein Armband mit Mikrochip, in dem persönliche Daten wie Alter, Geschlecht und Sprache hinterlegt sind. Ein zehnjähriges Mädchen wird also die „Märchenwelten“ anders erleben, als ein 60 Jahre alter Mann, auch wird es Räume geben, deren Türen so niedrig sind, dass nur Kinder hindurchgehen können. Wände und Böden sollen auf Bewegungen reagieren, ein Besucherschatten sich unabhängig bewegen, auch Tast- und Geruchssinn werden angesprochen. „Der Besucher wird zum Held seines eigenen Märchens“, verspricht Kammermeier.

Etwa 90 Minuten dauert ein Gang durch die „Märchenwelten“, zu denen laut Planung auch ein musealer Bereich gehört. Hier sollen etwa Originale der Märchen-Erstausgaben oder das grimmsche Wörterbuch in „zeitgemäßer, in-teraktiver Form“ präsentiert werden. Hinzu kommen ein Gastronomiebereich mit Märchen-Menüs, für den spektakuläre Am-Tisch-Animationen geplant sind, sowie ein Shop, in dem unter anderem ein personalisierter Ausstellungskatalog erhältlich ist.

Der Kartenvorverkauf soll noch im Herbst 2018 starten

Bis auf Heiligabend und Silvester sollen die Märchenwelten täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet sein, die Zeit von 9 bis 10 Uhr ist Schulklassen vorbehalten, abends kann die Ausstellung etwa für Firmenevents gemietet werden. ­Geplant wird mit Besuchergruppen von maximal 40 Personen pro Zeitfenster, zu Spitzenzeiten kann alle zehn Minuten eine Gruppe auf die Reise gehen. Über den Ticketpreis ist noch nicht ­abschließend entschieden, er soll zwischen 14 und 20 Euro liegen. Für Familien mit Kindern, Gruppen, Schüler und Studenten sind besondere Angebote ­geplant. Zudem gibt es Überlegungen, etwa mit dem Miniaturwunderland zu kooperieren, also auch Kombi-Tickets anzubieten.

Das Investitionsvolumen, so Carolin Ngo, liegt „im hohen siebenstelligen ­Bereich“; es gibt 25 Anteilseigner der Märchenwelten AG, auch die Unicredit Bank AG ist finanziell beteiligt. Der mit den Firmen DC Developments und ­August Prien geschlossene Pachtvertrag über die Mietfläche am Strandkai läuft ­zunächst über zehn Jahre mit der ­Option auf weitere fünf. Derzeit wird das Baugenehmigungsverfahren abgeschlossen.

Mitte August beginnen Arbeiten für mobile Halle

Mitte August sollen am Standort der mobilen Halle, die für etwa vier Jahre genutzt wird, die Erdarbeiten beginnen. Nach derzeitigem Plan wird sie Ende Oktober 2018 in ihrer Rohform fertiggestellt. Sowohl der temporäre als auch der finale Standort sind mit der U4 gut erreichbar, liegen sie doch unweit der Stationen HafenCity Universität bzw. Überseequartier, zudem fährt hier der Bus 111. Seit diesem Sonnabend ist die Website www.maerchenwelten.net freigeschaltet, der Kartenvorverkauf ­beginnt voraussichtlich noch im Herbst dieses Jahres.

Holger Hübner, Gründer des ­Wacken Open Air Festivals, der das Projektteam seit Jahren berät, verspricht: „Mit den ,Märchenwelten‘ bekommt die Stadt ein neues Highlight. Die Ausstellung wird die Hamburger Kulturlandschaft enorm bereichern. Heavy Metal findet auch im Märchen statt!“

Die Brüder Grimm

Die Volkskundler und Sprachwissenschaftler Jacob Grimm (1785–1863) und Wilhelm Grimm (1786–1859) wurden in Hanau geboren und lebten später in Kassel, Göttingen und Berlin. 1812 veröffentlichten sie ihren ersten Band der „Kinder- und Hausmärchen“, 1815 folgte Band zwei. Zu ihren Hauptwerken gehören außerdem „Deutsche Sagen“ (1816/18), „Deutsche Mythologie“ (1835) sowie das „Deutsche Wörterbuch“ (1854).