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Im Abendblatt-Test: Ein Smoothie aus thailändischen Algen

Foto: Andreas Laible

Firmen in der Region überraschen mit neuen Produkten. Wir prüfen, wie gut sie sind. Heute: Energielieferant mit hohem Fruchtanteil.

Hamburg.  Die Alge an sich hat hierzulande einen eher schlechten Ruf. Sie verleidet dem Meeresschwimmer das Baden und verrottet stinkend am Strand. Als Teil von Sushi-Häppchen sind die Wassergewächse mittlerweile zwar weitgehend akzeptiert. Doch es bleibt ein ehrgeiziges Ziel, das Eskil Puhl und Maurice Pfleiderer sich gesetzt haben: „Wir wollen die Spirulina-Alge sexy machen.“

Die beiden Mittvierziger mit Hamburger Wurzeln haben bis vor Kurzem ihr Geld überwiegend in der Nachhaltigkeitsberatung von Firmen und Organisationen verdient. Künftig wollen sie das mit Lebensmitteln tun, aus oder mit Algen. Das erste ist auf dem Markt. Es ist ein tiefgefrorener Frucht-Smoothie namens Whapow, der mehr als zwölf Prozent Frischalge enthält. Den gibt es in zwei Geschmacksvarianten: mit Passionsfrucht und Mango sowie mit Banane und Kakao. „40 Prozent der Käufer schlecken ihn wie ein Eis, 60 Prozent lassen ihn tauen und mischen ihn mit Früchten oder Saft“, sagt Eskil Puhl.

Algen, die Gutes tun

Die Gründer der Whapow Deutschland GmbH in Hamburg, zu denen auch Puhls Bruder Ingo und der US-Amerikaner Derek Blitz gehören, sind damit im wachsenden Segment des sogenannten Functional Food, also im Bereich von Lebensmitteln, die nicht allein satt machen und gut schmecken, sondern angeblich dem Körper Gutes tun sollen. Dass ein Produkt „gesund“ sei, ist eine mittlerweile sehr beliebte Marketingbehauptung. Die Whapow-Macher bemühen sie allerdings nicht offensiv. Sie vermarkten den Smoothie als „Greenergizer“, also als grünen Energiegeber.

Auch der Spirulina-Alge wird allerlei Wohltuendes nachgesagt. Die Weltgesundheitsorganisation bezeichnete sie bereits in den 1980er-Jahren als wichtiges Lebensmittel der Zukunft, weil sie besonders vitamin- und proteinreich, zudem schnell und weitgehend umweltverträglich zu züchten ist. Außerdem heißt es, sie sauge Schadstoffe auf wie ein Schwamm. Ob sie das auch im menschlichen Körper tut, ist wissenschaftlich jedoch nicht bewiesen. Und von bestimmten Vitaminen, zeigen Studien, könne nur ein Fünftel vom Menschen verarbeitet werden.

Algen kommen aus Thailand

Als Nahrungsergänzungsmittel in Form von Pulver oder Tabletten wird Spirulina hierzulande schon lange angeboten, mittlerweile gibt es auch Spirulina-Getränke – mit einem Algenanteil von weniger als einem Prozent. Das wohl größte Problem ist: Die Trockenalge schmeckt sehr gewöhnungsbedürftig. „Das liegt eindeutig im Bereich Fischfutter“, berichtet Eskil Puhl über die Zeit der Produktentwicklung, als die Whapow-Gründer Banane mit Algenpulver mischten. Ein Irrweg.

Im Smoothie stecken nun Frischalgen und ein hoher Anteil Früchte. In geschlossenen Tanks gezüchtet werden die Algen in Thailand, wo Ingo Puhl und Derek Blitz leben. In dem südostasiatischen Land wird das vegane Tiefkühlprodukt in der Niederlassung des US-Lebensmittelherstellers Litehouse produziert. Aus fair gehandelten Zutaten, ohne Zuckerzusatz und Stabilisatoren und in einem umweltverträglichen Verfahren. Die 85 Milliliter-Portionen werden in Papphülsen mit kleinem Plastikdeckel gefüllt.

Die Verpackung erinnert an Fruchteis von Langnese

„Bislang wurden circa 85.000 Stück produziert“, sagt Pfleiderer. Nach Deutschland kommen sie im Kühlcontainer, und zu kaufen gibt es sie im Onlineshop (whapow.de) und im Einzelhandel. In Hamburg hatten zuletzt Edeka Bode an der Hoheluftbrücke und der Rewe-Citymarkt an der Dorotheenstraße Whapow in der Tiefkühltruhe – zum Preis um die drei Euro. Eine große Biomarkt-Kette, sagen Puhl und Pfleiderer, wolle die Smoothies in den nächsten Monaten ins Sortiment nehmen.

Puhl sagt aber auch: „Wir müssen in Vielem neu denken, wir müssen einfacher werden.“ Das Produkt ist stark erklärungsbedürftig, die Packung erinnert an Calippo-Wassereis, womöglich ist auch der Geschmack des puren Smoothies ein Problem. Bald soll es eine Pfandverpackungslösung für den Versand per Lieferdienst geben. Gut 300.000 Euro seien bislang in das Unternehmen geflossen, aufgebracht wurde das Geld auch durch eine Finanzierungsrunde im Bekanntenkreis. Inzwischen seien weitere Algenprodukte entwickelt worden, sagen die Gründer. Es gibt Überlegungen, mit einer Algenfarm in Sachsen-Anhalt zusammenzuarbeiten. Und die Spirulina-Alge soll nicht allein in Deutschland „sexy“ werden. „Das Ziel ist, das Produkt europaweit auszurollen.“

Der Test:

Produkt: Der Whapow Greenergizer ist ein sogenannter Frozen Green Smoothie, also eine tiefgefrorene, grüne Fruchtzubereitung mit Spiruli­na- Frisch­algen. Es gibt sie in den Geschmacksvarianten Passionsfrucht und Mango sowie Banane und Kakaopulver. Eine Portion hat 85 Milliliter. Das Produkt ist nach der Herstellung bei minus 18 Grad ein Jahr lang haltbar.

Packung: Das Produkt ist in Pappe verpackt, die von einer Plastikfolie verschlossen wird. Um den Smoothie aus der Packung zu drücken, muss sie mit den Händen etwas angewärmt werden.

Preis: Im Onlineshop von Whapow und in einzelnen Hamburger Supermärkten ist der Smoothie zum Preis zwischen 3 Euro und 3,30 Euro zu haben. Grüne Smoothies mit Spinat und Grünkohl etwa von Voelkel kosten um 2,50 Euro, enthalten mit 250 Milliliter aber die fast dreifache Menge.

Inhaltsstoffe/Nährwerte: Die Smoothies enthalten 12,5 beziehungsweise 12,8 Prozent frische Spirulina-Algen, der Fruchtanteil beträgt je nach Sorte etwa 55 bis 62 Prozent. Zudem werden unter anderem Mandeln, Spinat, Limettensaft und Kokosnussöl zugesetzt. Eine Portion der Sorte Banane hat 111 Kalorien, eine Portion der Sorte Passionsfrucht 65 Kalorien.

Geschmack: Gewöhnungsbedürftig. Die spontan geäußerten Meinungen reichten von „eklig“ über „ziemlich wässrig“ und „geht so“ bis „ist doch gar nicht schlecht“ und „sehr fruchtig“. Die Geschmacksrichtung Banane wurde von der Mehrzahl der Tester favorisiert. Bei Passionsfrucht wurden die Fruchtkerne als störend empfunden.

Fazit: Schwierig. Whapow erinnert stark an ein Eis, dann wären Geschmack und Preis nicht angemessen. Auch für einen Smoothie ist das Produkt zu teuer. Aber es gibt eine Marktnische. Für Verbraucher mit Vorliebe für Spirulina-Algen, ist Whapow aber das derzeit wohl wohlschmeckendste Lebensmittel auf dem Markt. Deshalb, und weil die Verpackung das Bemühen um Nachhaltigkeit erkennen lässt, lautet das Abendblatt-Urteil: drei von fünf Sternen.

Der Abendblatt-­Test – jeden Dienstag im Wirtschaftsteil. Alle bisherigen Folgen gibt es online unter www.abendblatt.de/testserie