Infektionen

UKE-Chefarzt warnt vor Keimen in Hamburger Krankenhäusern

Rechtsmediziner Prof. Klaus Püschel im Institut für Rechtsmedizin vom UKE

Rechtsmediziner Prof. Klaus Püschel im Institut für Rechtsmedizin vom UKE

Foto: HA / HA / Mark Sandten

Gerichtsmediziner Klaus Püschel warnt vor einem „zunehmenden Problem“. Fallzahlen steigen – und Infektionen verlaufen meist tödlich.

Hamburg.  Risiko durch Keime in Hamburger Kliniken: Der renommierte Gerichtsmediziner und UKE-Chefarzt Klaus Püschel warnt vor gefährlichen Infektionen. „Wir haben es mit einem zunehmenden Problem zu tun“, sagte er dem Abendblatt: „Ich würde mich auf keinen Fall stationär aufnehmen lassen, wenn es nicht unbedingt nötig ist.“

Zu den besonders gefährlichen Erregern zählen multiresistente Keime (MRSA), gegen die Antibiotika wirkungslos sind. Die Infektionen verlaufen häufig tödlich. Die Zahl der Patienten, bei denen etwa der Erregertyp MRSA festgestellt wurde, stieg zuletzt deutlich an.

Sind Sie in Sorge wegen resistenter Keime in Krankenhäusern?

Insgesamt kam es 2017 in Hamburg zu zehn akuten Keimausbrüchen mit mehreren betroffenen Patienten. Mindestens 17 Menschen starben in den vergangenen zweieinhalb Jahren in Folge von Keiminfektionen. Das geht aus Senatsantworten auf Kleine Anfragen der Linksfraktion hervor.

Keiminfektionen werden oft nicht diagnostiziert

Zuletzt musste im Februar die Intensivstation des AK St. Georg wegen eines Keimausbruchs teilweise gesperrt werden. Wie der Linke-Abgeordnete Deniz Celik kritisiert, taucht dieser Krisenfall, über den das Abendblatt berichtete, jedoch nicht in der Statistik des Senats auf. Auch wurden nicht alle bekannten Todesfälle registriert.

Der Gerichtsmediziner Püschel geht darüber hinaus von einer „nicht unerheblichen Dunkelziffer“ an Infektionen aus. Zwar seien die Probleme bekannt und auch Maßnahmen ergriffen worden. Oft würden die Keiminfektionen mutmaßlich aber gar nicht erst diagnostiziert. „Es ist am Ende eine Frage der Kosten und auch zweifelhaft, ob jeder Fall gemeldet wird.“

Die Keime tragen meist zu einer akuten Blutvergiftung bei, die gerade bei geschwächten oder alten Patienten schnell zum Tod führen kann. Etwa einmal pro Woche, so Püschel, gebe es in seiner Gerichtsmedizin Fälle von Verstorbenen aus Hamburg oder dem Umland, die auch einen Keimbefall aufwiesen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt derzeit erneut in einem Fall von fahrlässiger Tötung gegen Ärzte des AK St. Georg. Dort hat sich der Patient Peter H. mit Keimen infiziert und soll falsch behandelt worden sein, so der Verdacht. Asklepios spricht von einem tragischen Krankheitsverlauf.