Hamburg

Selbstjustiz am Chef: Vater und Sohn müssen ins Gefängnis

Handwerker wollten mehr Geld von dem Bauunternehmer – und schlugen brutal zu. So kam es zum filmreifen Fluchtversuch.

Hamburg.  Der Richter sprach von einer „filmreifen, hochgefährlichen Flucht“, die in einer „Katastrophe hätte enden können“: Nachdem ein Bauarbeiter versucht hatte, einem Mann Geld abzupressen und schließlich vor dem MEK zu fliehen, brauchte es eine Polizeisperre und mehrere Warnschüsse, um den Täter zu stoppen. Am Freitag wurde der verantwortliche 44-Jährige wegen der Tat vom 19. Dezember vergangenen Jahres zu viereinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Sein 23 Jahre alter Sohn, der an dem Überfall auf das Opfer beteiligt war, erhielt zwei Jahre und neun Monate Haft.

Vater und Sohn waren im Baugewerbe tätig und hatten für einen Unternehmer diverse Arbeiten geleistet – schwarz. Dies sei nicht untypisch in dieser Branche, bemängelte der Vorsitzende Richter, in der „viele mitverdienen wollen“. Zum Teil gebe es unangemessene Bezahlung, manche Arbeiter bekämen nicht einmal den gesetzlichen Mindestlohn.

„Sie haben so etwas wie Selbstjustiz betrieben“

So hätten auch Petar und Yordan Y. das Gefühl gehabt, von ihrem Chef nicht ausreichend bezahlt worden zu sein. Der Bauunternehmer habe seinerseits kritisiert, dass die Leistungen nicht gut gewesen seien. „Es gab die grundsätzliche Absprache: keine Rechnung, keine Steuern, keine Sozialabgaben“, so der Vorsitzende. Deshalb habe es für beide Seiten auch keine Möglichen gegeben, gegen vermeintliche Ungerechtigkeiten juristisch vorzugehen. Petar Y. und sein Sohn Yordan hätten sich „hingehalten und betrogen gefühlt und geglaubt, ihnen stünden 8100 Euro zu“. Als der Unternehmer sich weigerte zu zahlen, „beschlossen sie, letztlich das Heft des Handelns in die eigenen Hände zu nehmen. Sie haben so etwas wie Selbstjustiz betrieben“.

Petar Y. und sein Sohn, den der Vater zum Mitmachen überredet hatte, tauchten am Haus ihres Arbeitgebers auf; einen Kuhfuß hatten sie bei sich, um ihrer Forderung notfalls mit Gewalt Nachdruck zu verleihen. Als ihr ehemaliger Chef weiterhin nicht zahlen wollte, schlug Yordan Y. mit dem Kuhfuß zu, beide traktierten dann den 36-Jährigen mit Fäusten und Tritten, auch als das Opfer schon am Boden lag.

Opfer hatte die Polizei alarmiert

Als Yordan Y. dann auch noch eine Fesselung androhte, gab der Bauunternehmer sein Handy, seine EC-Karte nebst PIN-Nummer heraus und kündigte an, dass er ihnen das Geld geben werde, allerdings erst später am Tag. Beim Versuch, mit der erbeuteten EC-Karte Geld abzuheben, bekam Petar Y. lediglich 30 Euro aus dem Automaten.

Und auch als er seine erhoffte Zahlung abholen wollte, wurde schnell klar, dass das nicht gelingen würde: Das Opfer hatte mittlerweile die Polizei verständigt, und das MEK stand bereit. Als ein MEK-Beamter in Zivil, aber deutlich an einer Sturmhaube mit der Aufschrift „Polizei“ als Polizist zu erkennen, den Täter aufforderte stehenzubleiben, gab der Verbrecher Gas und versuchte, mit hoher Geschwindigkeit zu fliehen. Doch er kam nicht weit, weil ein Zivilfahrzeug der Polizei die Fahrbahn blockierte.

Filmreifer Fluchtversuch

Beim Versuch, über den Gehweg auszuweichen und so an dem Auto vorbei zu kommen, verletzte der Täter einen MEK-Beamten am Fuß, fuhr dann rückwärts weiter, so dass zwei weitere Beamte sich mit einem Sprung in Sicherheit bringen mussten. Auch ein Warnschuss der Polizei konnte Petar Y. zunächst nicht stoppen; erst als die Polizisten zwei weitere Schüsse in die Luft abgaben, gab der 44-Jährige seine Flucht auf. Die Raserei sei, betonte der Vorsitzende Richter in der Urteilsbegründung, „für alle Beteiligten eine hoch dramatische Situation“ gewesen.