Zwischenruf

Cyber-Attacke vom Chef

Jule Bleyer, Lokalredaktion

Jule Bleyer, Lokalredaktion

Hamburg. Feueralarm, der sich hinterher, wenn sich alle vor dem Gebäude versammelt haben, als Probe herausstellt, kennen Mitarbeiter von großen Unternehmen. Ein lebenswichtiger Test, den viele, die die Übung schon mehrfach mitgemacht haben, längst nicht mehr ernst nehmen.

Doch der falsche Alarm lauert überall. Manchmal auch im Postfach, wie 3000 Mitarbeiter der Kieler Verwaltung jüngst feststellen mussten. Um sie für Cyber-Attacken zu sensibilisieren, erhielten sie von ihrem städtischen Arbeitgeber ohne Vorwarnung Fake-Mails, in denen sie aufgefordert wurden, Links oder Anhänge zu öffnen und ihren Benutzernamen samt Passwort einzugeben. Und siehe da: Immerhin rund 28 Prozent der angemailten Beschäftigten fielen auf die fiesen falschen Mails rein.

Pilotprojekt im Auftrag der kommunalen Verbände

„Live Phishing Training“ nennt sich dieses Pilotprojekt im Auftrag der kommunalen Verbände – das bald auch Eingang in Ihrem Postfach finden könnte. Zumindest kündigte der Datenschutzbeauftragte der Stadt Kiel an, die Stadtverwaltung auch in Zukunft auf diese Weise „robuster gegen Angriffe aus dem Netz“ zu machen. Und tolle technische Ideen verbreiten sich ja bekanntlich wie Spam.

Zu einem guten Flurfunk im Büro gehört natürlich auch die Gerüchteküche, welcher unglückliche Tropf aus dem Kollegenkreis denn wohl zu den 28 Prozent der Reingelegten gehöre. Da diese Daten, wie die Verantwortlichen betonen, anonymisiert wurden, werden gewiefte Mitarbeiter versuchen, das selbst herauszufinden. Vermutlich sind bereits Dutzende Kettenmails in der gesamten Verwaltung unterwegs, und jede persönliche Nachricht („Wollen wir zusammen in die Kantine?“) wird sicherheitshalber eisern ignoriert. Zum Mittagessen gibt es künftig lieber eine gesunde Portion Misstrauen.