Bildung

Kanzlerin Merkel zeichnet „Hamburger Bücherkoffer“ aus

Bundeskanzlerin Angela Merkel, Schirmherrin von startsocial e.V., und Dieter Düsedau, Gründer von startsocial e.V., überreichen die startsocial-Urkunde an Kerstin Wiskemann und Bettina Henze von coach@school

Bundeskanzlerin Angela Merkel, Schirmherrin von startsocial e.V., und Dieter Düsedau, Gründer von startsocial e.V., überreichen die startsocial-Urkunde an Kerstin Wiskemann und Bettina Henze von coach@school

Foto: startsocial e.V./Thomas Effinger

Koffer enthält zumeist zweisprachige Lektüre und wird an Grundschulen in sozialen Brennpunkten verteilt. Vorlesetraining für Eltern.

Hamburg.  Der Glückwunsch kam von Bundeskanzlerin Angela­ Merkel (CDU) persönlich. „Die Kanzlerin hat sich für uns Zeit ge­nommen. Man hat das Gefühl, dass ihr die Förderung des Ehrenamts sehr wichtig ist“, sagt Kerstin Wiskemann, Gründerin und Leiterin des Vereins coach@school, nach dem Besuch im Bundeskanzleramt.

Wiskemann und ihre Mitstreiterinnen haben vor einem Jahr das Projekt „Hamburger Bücherkoffer“ gestartet. Der Koffer ist mit 15 zweisprachigen, interkulturellen und inklusiven Kinderbüchern gefüllt. Das Ziel: Möglichst viele Kinder an Grundschulen in sozial problematischen Stadtteilen sollen den Koffer für zwei Wochen mit nach Hause nehmen. Der Clou: Eltern können und sollen selbst mitlesen. Väter und Mütter, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, lesen ihren Kindern zweisprachig vor, und alle finden idealerweise einen Zugang zur eigenen und deutschen Sprache und Kultur.

Einziges Projekt aus Hamburg

Der Besuch im Kanzleramt war für Wiskemann und ihre Mitstreiterinnen von coach@school Höhepunkt und besondere Anerkennung ihres Engagements: Zusammen mit 24 anderen bundesweiten Sozialprojekten wurde der „Hamburger Bücherkoffer“ – als einziges aus Hamburg – nach Berlin eingeladen. Zuvor hatte coach@school erfolgreich an einem Beratungsprogramm im Rahmen des startsocial-Wettbewerbs mit dem Ziel teilgenommen, die ehrenamtliche Arbeit zu professionalisieren und sich Ziele zu setzen.

Im laufenden Schuljahr verteilte der Verein, der sich aus Spenden finanziert, 15 Bücherkoffer an acht erste und zweite Klassen der Grundschulen Maretstraße und Kerschensteinerstraße in Harburg. Die Kinder haben die Möglichkeit, ihre Eindrücke in ein Lesetagebuch einzutragen. Bereits im Februar hatten 78 der 125 Grundschüler einen Koffer mit nach Hause genommen. Rund 90 Prozent der Kinder haben nach einer ersten Auswertung die gelesenen Bücher in Eintragungen bewertet.

Bücher Teil des Unterrichts

Auch drei Viertel der Eltern haben ihre Lektüreeindrücke aufgeschrieben. „Eine Elternbeteiligung in dieser Höhe ist absolut ungewöhnlich“, sagt Kerstin Wiskemann. Ein Teil der Bücher, die Titel wie „Hexe Lilli und die wilden Dinosaurier“ oder „Mert und der wunder­same Fes“ tragen, werden auch im Unterricht besprochen.

Zum auffällig türkisfarbenen Bücherkoffer, der auch Infomaterial für Eltern und Lehrer enthält, gehört ein umfangreiches Begleitprogramm. Unter anderem wird für Eltern ein Vorlesetraining mit Schauspielern angeboten. Am Landesinstitut für Lehrerbildung finden Fortbildungen für Lehrer statt. „Von dem Hamburger Bücherkoffer erwarte ich mehr Lesemotivation und eine Chance, zu Hause qualitativ gute Bücher zu lesen“, sagt Stefanie Geffers, Grundschullehrerin und Family Literacy (FLY)-Koordinatorin in der Schulbehörde, die das Projekt unterstützt.

Ziel: 52 Koffer verteilen

Im kommenden Schuljahr sollen bereits acht Grundschulen in Gebieten mit niedrigem Sozialstatus an dem Projekt teilnehmen. „Wir werden 52 Koffer an rund 620 Kinder in 26 Klassen verteilen“, sagt coach@school-Gründerin Wiskemann. Bei mehr als zehn Prozent der rund 14.000 Erstklässler in Hamburg wird ein ausgeprägter Sprachförderbedarf diagnostiziert. Jeder Koffer kostet rund 200 Euro. Eine Projekteinheit mit Koffer und Fortbildungen schlägt mit rund 500 Euro zu Buche.

„Die Einladung ins Bundeskanzleramt motiviert uns, weiterzumachen“, sagte Kerstin Wiskemann. „Der Wettbewerb hat uns wichtige Impulse für den Ausbau des Projekts gegeben, ist aber am Ende nur Mittel zum Zweck: Wir wollen so viele Kinder und deren Familien wie möglich in Hamburg mit unserem Programm erreichen.“