Hamburg

Stadt will dem UKE mit 56 Millionen Euro jährlich helfen

Der Haupteingang des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (Archivbild)

Der Haupteingang des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (Archivbild)

Foto: imago/Chris Emil Janßen

Da das Klinikum 2017 Minus gemacht hat, investiert Hamburg in die Universitätsmedizin. Dafür soll das Geld ausgegeben werden.

Hamburg. Er sprach von einem „Befreiungsschlag“ – Freude darüber sah man ihm allerdings nicht an: In ruhigem Ton, aber ohne ein Lächeln kommentierte Burkhard Göke am Mittwoch die Pläne des Senats, das Budget des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) ab 2019 um mindestens 56 Millionen Euro pro Jahr aufzustocken. Der Mangel an Euphorie dürfte damit zu tun haben, dass der 61 Jahre alte Ärztliche Direktor und Vorstandschef des UKE über das erste Defizit seines Hauses seit sieben Jahren sprechen musste: Auf 7,2 Millionen Euro belief sich der Verlust des Klinikums im Jahr 2017, bei einem Gesamtertrag von rund einer Milliarde Euro.

Göke zufolge hat das mehrere Gründe. Die von den Krankenkassen gezahlten Vergütungen glichen zwar mehr oder weniger die Kosten aus, die durch die Versorgung von Patienten entstünden, ließen aber „keinen Spielraum für Investitionen in die Zukunft“.

Hinzu komme, dass die besondere Rolle der forschenden Ärzte an Unikliniken in dem für alle Krankenhäuser konzipierten Vergütungssystem nicht angemessen berücksichtigt werde. Appelle an die Bundespolitik, einen Zuschlag zu beschließen, hätten nichts gebracht. Durch diese Umstände seien viele der 32 Unikliniken in Deutschland unter Druck geraten, sagte Göke.

Auch Stadt verantwortlich für Schieflage

Was das UKE betreffe, trage aber auch die Stadt Hamburg eine Verantwortung für die Schieflage. Der 2012 festgelegte Aufwuchs der Zuweisungen für Forschung und Lehre um 0,88 Prozent sei „unzureichend“ gewesen, weil er gestiegene Personalkosten und die Inflation nicht kompensiert habe.

Obwohl rote Zahlen schon vor etlichen Jahren erwartet worden seien, habe das UKE es mit Einsparungen und „Effizienzsteigerungen“ noch 2016 geschafft, profitabel zu arbeiten. „Die 11.000 Menschen hier am Campus haben sich wundgearbeitet, um dieses Ergebnis zu halten“, sagte Göke. Das es nun ein Defizit gebe, sei „schmerzlich“.

Seit seinem Amtsantritt 2015 habe er einen Zukunftsplan erarbeitet und sei dabei „sehr stark von der Stadt unterstützt“ worden, sagte der UKE-Chef. Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) habe dabei auch schon als Finanzsenator einen „signifikanten Beitrag geleistet“, sagte Göke. Er sei auch Wissenschaftssenatorin Katharina Fegebank „außerordentlich dankbar für ihre Bereitschaft, uns zu helfen“.

Anschaffung von Hightech-Geräten geplant

Die Senatorin versuchte am Mittwoch, Optimismus zu verbreiten. „Wir wollen das UKE nun zurück auf Wachstumskurs und in die schwarzen Zahlen führen, es aber auch weiterhin wettbewerbsfähig halten“, sagte Fegebank.

Fest vorgesehen ist schon länger, dass die Zuwendungen der Stadt für Forschung und Lehre im UKE von rund 116,8 Millionen Euro 2018 bis auf rund 122,4 Millionen Euro im Jahr 2023 steigen sollen. Nun will der Senat 2019 und 2020 jeweils zusätzlich 36 Millionen Euro bereitstellen. 2021 soll dieser Zuschuss auf 41,5 Millionen Euro steigen, 2022 bei 39 Millionen liegen und 2023 wieder bei 36 Millionen Euro.

Für den gleichen Zeitraum stand auch bereits fest, dass die Stadt pro Jahr rund 15 Millionen Euro für Investitionen des UKE bereitstellt. Hinzu kommen sollen nun von 2019 bis 2023 jährlich 20 Millionen Euro für Investitionen. Die Ausgaben müssen noch von der Bürgerschaft gebilligt werden.

Mit dem Geld soll die Ausstattung des Medizin- und Zahnmedizinstudiums verbessert werden, es soll in die Digitalisierung fließen, die Anschaffung technischer Geräte und Anlagen für die Forschung sowie die Modernisierung von Gebäuden ermöglichen.

Göke bleibt trotz Angebote in Hamburg

Fegebank sagte, das zusätzliche Geld sei nicht für die vom UKE geplanten Bauvorhaben gedacht. Nach dem 2017 beschlossenen „Zukunftsplan 2050“ sollen ein Universitäres Herzzentrum und ein Forschungscampus gebaut sowie ein Neubau für die Martini-Klinik errichtet werden, die sich auf Prostata-Krebs spezialisiert hat.

Dass der Senat den „Instandhaltungsrückstau“ beim UKE abbauen wolle und zusätzliche Mittel für Investitionen bereitstellen wolle, sei ein „wichtiger Schritt in die richtige Richtung“, sagte Jennyfer Dutschke von der FDP-Bürgerschaftsfraktion. „Allerdings bleibt unklar, wie der Restbetrag der notwendigen dreistelligen Millioneninvestitionen in das neue Herzzentrum und den Forschungscampus finanziert werden soll. Wir befürchten eine weiter wachsende Verschuldung außerhalb des Kernhaushalts.“

UKE-Chef Burkhard Göke, der 2015 aus München nach Hamburg gekommen war, erklärte am Mittwoch noch, es hätten bereits andere Einrichtungen um ihn geworben. Nun aber könne er versichern: „Ich werde in Hamburg bleiben.“ Das UKE habe jetzt eine sehr gute Perspektive. Außerdem mache sein Job ihm Spaß. Fast meinte man, ihn lächeln zu sehen.