Altona

Streit um Künstler-Quartier: Mäzen will vermitteln

Hofareal in der Bernstorffstraße 117 / Thadenstraße 102

Hofareal in der Bernstorffstraße 117 / Thadenstraße 102

Foto: Klaus Bodig / Klaus Bodig / HA

Altonaer Künstler haben Hans Jochen Waitz um Hilfe gebeten. Der wird bei einem Gespräch mit Investor und im Bezirksamt dabei sein.

Altona. Seit Monaten brodelt in Altona der große Streit: Hier die Neuinvestoren, dort die Altmieter. Es geht um die bunte Hausgemeinschaft „Bernstorff 117“, einem Hof zwischen Altona und St. Pauli an der Bernstorffstraße. 100 Bewohner, Handwerker und Künstler, unter ihnen der Autor und Musiker Rocko Schamoni und die Hip-Hop-Gruppe Fettes Brot, fürchten um ihre Heimat, seitdem ein Investor die Immobilie gekauft hat. Drastisch steigende Mieten würden die Existenz vieler Klein-Unternehmer gefährden, auch manche Bewohner müssten ausziehen.

Jetzt zeichnet sich eine überraschende Lösung des Konflikts ab. Die Hofgemeinschaft hat den Hamburger Kunstsammler und Mäzen Hans Jochen Waitz um Hilfe gebeten. Waitz wird auch am Donnerstag bei einem Gespräch zwischen Investor und Gemeinschaft im zuständigen Bezirksamt dabei sein.

Hofgemeinschaft will Gelände als Genossenschaft nutzen

„Gefragt ist in erster Linie mein Know-how, nicht mein Geld“, sagt Waitz. Und in Sachen Immobilien und Kunst kennt sich der Jurist in der Tat sehr gut aus. In den 1980er Jahren bewahrte Waitz mit dem damaligen Bürgermeister Klaus von Dohnanyi und Ex-Kultursenator Ingo von Münch die Kontor- und Lagerhäuser aus dem 19. Jahrhundert an der Admiralitätsstraße vor dem Abriss – der Grundstein für das heutige Künstlerviertel. Zudem vermittelte Waitz 1995 zwischen den Besetzern der Hafenstraße und der Stadt.

„Engagement zahlt sich aus“, sagt Waitz. Deshalb sagte er auch spontan zu, als ihn Schamoni anrief: „Ich kenne Rocko gut.“ Als Genossenschaft will die Hofgemeinschaft das Gelände nutzen, am liebsten sogar kaufen. Ein solches Kaufangebot gab es bereits gegenüber dem Vorbesitzer – vergebens. Ob die Gemeinschaft den nun fälligen Millionenbetrag stemmen kann, ist allerdings fraglich. Möglich sind aus Sicht der Gemeinschaft auch das Modell einer Stiftung oder die Übernahme der Immobilie durch die Stadt mit einer anschließenden Erbpachtlösung.

Solide Basis für Verhandlungen am runden Tisch

Waitz schließt ein späteres finanzielles Engagement nicht gänzlich aus, will aber zunächst das Gespräch im Bezirksamt abwarten. Klar ist, dass nach dem Eigentümerwechsel die bisher gelebte Geschäftspraxis – die Mieten bleiben extrem niedrig, im Gegenzug halten die Mieter das Ensemble in Schuss – keine Zukunft mehr hat.

„Kein Mieter soll vertrieben werden, es gab keine einzige Kündigung und es ist auch keine geplant. Die Eigentümer möchten die bestehende Gemeinschaft erhalten“, versichert Matthias Onken, der als Kommunikationsberater die Interessen der Eigentümer vertritt. Man habe mit der Mietergemeinschaft in „konstruktiven Gesprächen eine solide Basis für die Verhandlungen am runden Tisch entwickelt.“