Konzertkritik

Bryan Adams animiert Hamburger Fans zu eigenartiger Aktion

Ja, er kann es noch. Rocken, feiern, mitreißen. Und singen. Am liebsten über die Liebe. Bryan Adams in der in der Barclaycard Arena in Hamburg

Ja, er kann es noch. Rocken, feiern, mitreißen. Und singen. Am liebsten über die Liebe. Bryan Adams in der in der Barclaycard Arena in Hamburg

Foto: Marcelo Hernandez/HA

Der Rock'nRoll-Dandy aus Kanada zeigt in der Barclaycard-Arena, dass er auch mit fast 60 Jahren noch feiern und mitreißen kann.

Hamburg. Der satte Schlagzeugsound ist schon mal ein guter Anfang. Wenig später fallen auf der Videowand hinter der Bühne Bomben vom Himmel, als Bryan – Rock’n‘Roll-Dandy – Adams (58) mit kehliger Stimme zu „Ultimate Love“ einsetzt. Die erste Erkenntnis des Abends: Ja, er kann es noch. Rocken, feiern, mitreißen.

Und singen. Am liebsten über die Liebe. „Es gibt keine Sieger, wenn du Bomben fallen lässt“, heißt es in „Ultimate Love“, einem der Songs des aktuellen Albums „Ultimate“, das gleichzeitig eine Best-of-Zusammenstellung ist, mit der der Kanadier derzeit um die halbe Welt tourt. „Ich weiß eine Sache – wir suchen alle nach Liebe, der ultimativen Liebe.“ Eine Nummer kleiner geht‘s eben bei Adams nicht. Ist aber okay. Die Rockhymne geht ordentlich nach vorne. Der Start gelingt.

Blaue Anzüge, eng geschnitten

Ebenso gelungen: die mutmaßlich maßgeschneiderten Zwirne, die sich Adams und seine vier Bandkollegen für den Abend in der Barclaycard Arena angelegt haben. Blaue Anzüge, eng geschnitten, mit weißen Einstecktüchern. Dazu trägt Adams eine Weste – und eine elegante Jazzgitarre.

Zu „Can’t Stop This Thing We Started“, ein Klassiker aus den 1990er Jahren, lässt sich Dank des eingespielten Videos wunderbar über die Herkunft der klassischen Garderobe mutmaßen: Der Kanadier ist bei einem Spaziergang durch ein nordamerikanisches Einkaufszentrum zu sehen. Adams von hinten gefilmt, schwarz-weiß, Küsschen hier, Lächeln dort: ein Flaneur mit Stil. Ein wenig eitel vielleicht, aber nicht unsympathisch.

„Hallo Hamburg, my name is Bryan.“

Überhaupt: Der Mann sieht mit seinen fast 60 Jahren wirklich noch verdammt gut aus. Einige frenetisch kreischende weibliche Fans scheinen das genauso zu sehen... Als dritten Song gibt’s mit „Run To You“ dann gleich kommentarlos den nächsten großen Hit – und im Anschluss die verschmitzte Begrüßung des Publikums: „Hallo Hamburg, my name is Bryan.“

Hamburg bedankt sich mit frenetischem Applaus. Die Fans sind ohnehin schon seit Minute eins aus dem Häuschen. Nun bejubeln sie eine Setlist, die durch das gesamte Œuvre des Kanadiers führt. Auf krachend servierte Rock-Hymnen folgen Liebesballaden, dann wird es wieder lauter. Die Stimme des Kanadiers ist mal energiegeladen und ruppig, dann wieder samtig rau – und immer exakt auf den Punkt.

Sportprogramm für die Zuschauer

Für den Teil des Publikums, der Karten auf den Rängen der Halle erstanden hat, ergibt sich ganz nebenbei ein veritables Ertüchtigungsprogramm: Setzen, Aufstehen, Setzen, Aufstehen. Das Smartphone immer dabei, wahlweise als Feuerzeugersatz (bei Balladen), Fotoapparat oder Filmkamera.

Besonders bei den ruhigen Nummern zeigt sich eindrucksvoll, aus welch großem Repertoire Adams schöpfen kann. Er hat so viele Lieder über die Liebe geschrieben hat, dass sich damit ohne weiteres zwei „Kuschelrock“-Sampler füllen ließen – an diesem Abend sind sie von „(Everything I Do) I Do It For You“ über „All For Love” bis hin zu „Heaven“ fast alle zu hören. Die Liebe, sie lässt Bryan Adams eben nicht los. Den Fans gefällt‘s. Die ersten Zeilen von „Heaven“ stimmt das Publikum ganz allein an; der kanadische Songwriter steht an der Akustik-Gitarre und haucht den Text geradezu. Die Pärchen in der Halle rutschen noch ein wenig enger zusammen, es wird geküsst – Kuschelrock eben. Dazu ein einfühlsames Gitarrensolo von Leadgitarrist Keith Scott, Fanherz, was willst du mehr?

Summer of '69

Ach ja, da war doch noch dieses Lied über den Sommer des Jahres 1969. Auch das darf natürlich nicht fehlen. Der Songtext, den wohl keiner der Besucher gebraucht hätte, wird per Video mitgeliefert. Geschrieben übrigens auf einem nackten Frauenkörper... Aber „gesittet“ älter werden ist ja sowieso nicht die Sache von Rockstars, Dandy-Zwirn hin oder her. „18 Till I Die“ heißt etwa ein Titel des Abends – immer jung bleiben, und sei es „ nur“ im Geiste. Eine andere Botschaft: „Go Down Rockin‘“, ein Abgang ist nur mit Rock’n’Roll als Soundtrack vorstellbar.

Es geht um Liebe an diesem Abend, auch um Rock ‘n’ Roll, darum, einfach Spaß zu haben. Etwa als Adams die Rockabilly-Nummer „You Belong To Me“ mit den Worten einleitet: „All right everybody, Arsch wackeln!“ , um dann selbst mit seinen Band-Kollegen die Hinterteile Richtung Publikum zu strecken. Es sind eben große Jungs, die man einfach gern haben muss – und die in der Barclaycard-Arena entsprechend gefeiert werden. Ein unterhaltsamer Abend.