Immobilien

Spektakulärer Umbau des Hamburger Hofs am Jungfernstieg

Der Hamburger Hof, ein Komplex aus rotem Backstein, ist denkmalgeschützt

Der Hamburger Hof, ein Komplex aus rotem Backstein, ist denkmalgeschützt

Foto: imago stock / imago/Chris Emil Janßen

Derzeit läuft ein Wettbewerb für den Gebäudekomplex. Die Passage soll neu gestaltet werden, auch Wohnungen sind geplant.

Hamburg.  Der Hamburger Hof ist eines der bekanntesten Gebäude in der Hamburger Innenstadt. Durch eine Einkaufspassage verbindet der denkmal­geschützte Komplex die Flaniermeile Jungfernstieg mit der Poststraße.

Nach Abendblatt-Informationen gibt es nun spektakuläre Pläne für die Immobilie in Eins-a-Lage, die der Meag, einer Tochter der Münchener Rückversicherungs-Gesellschaft AG, gehört. Die Meag hat ein Architekturgutachterverfahren gestartet, bei dem die sechs teilnehmenden Büros die Aufgabenstellung haben, Entwürfe und Ideen für eine Neugestaltung des Gebäudeensembles zu entwickeln. Dieser Wettbewerb soll Ende 2018 abgeschlossen sein.

Was das genau heißt, geht aus den Auslobungsunterlagen für das Gutachterverfahren hervor: „Die Eigentümerin plant unter Erhalt der denkmalgeschützten, straßenseitigen Fassadenteile und unter Verwirklichung anspruchsvoller Nachhaltigkeitsziele einen kompletten Rückbau der Gebäude des Hamburger Hofes.“ Weiter ist den Unterlagen zu entnehmen: „In der künftigen Neubebauung ist ein Nutzungsmix aus Einzelhandel, Gastronomie, Büro und Wohnen – von etwa 20 Wohnungen ist die Rede – vorgesehen. Unterschiedliche Nutzungs- und Grundrissszenarien wurden in einer ersten Machbarkeitsstudie von der Eigentümerin untersucht und mit der Stadt vorabgestimmt.“

"Gewinn für die Innenstadt"

Der Hamburger Hof wurde 1881 errichtet, dort war ein Luxushotel untergebracht. In den 70er-Jahren wurde der denkmalgeschützte Gebäudekomplex zu einer Einkaufspassage über zwei Ebenen umgebaut. Hier gibt es heute rund 5800 Quadratmeter Ladenflächen – darunter ist der Flagship-Store der Modemarke Gerry Weber. Außerdem befinden sich in den oberen Stockwerken des Komplexes rund 11.000 Quadratmeter Bürofläche. Unterstützung kommt von SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf: „Wenn die historischen Fassaden erhalten bleiben und dahinter ein neues Quartier mit vielfältigen Nutzungen entsteht, ist das ein Gewinn für die Innenstadt.“

Mittes Grünen-Fraktionschef Michael Osterburg sagt: „Der Hamburger Hof ist eine der prominentesten Immobilien in der Innenstadt. Jede Veränderung muss gut durchdacht und abgestimmt sein. Dabei hat der Denkmalschutz der historischen Gebäude oberste Priorität.“ Osterburg würde Wohnungsbau an dem Standort unterstützen, „weil das zu einer Belebung der Innenstadt beiträgt“.

Streit um Abriss

Die Neugestaltung des Gebäudekomplexes könnte allerdings den Abriss eines erst 2006 fertiggestellten und direkt angrenzenden neungeschossigen Hauses mit auffälliger Glasfassade an den Großen Bleichen 10 bedeuten. Das hatte der Ham­burger Stararchitekt André Poitiers entworfen, es gehört auch der Meag. Im Erdgeschoss hat der Elektrofahr- zeuge­anbieter Tesla einen Showroom.

Der Abriss sei eine Option, bestätigte Projektentwicklerin Rincker. Dem Vernehmen nach könnte dort im Zuge der Neugestaltung des Hamburger Hofes einer Tiefgarage zur Anlieferung entstehen. Fakt ist, dass die Mietverträge sowohl an den Großen Bleichen 10 als auch im Hamburger Hof relativ kurze Laufzeiten haben.

Die Gerüchte über einen möglichen Abriss haben André Poitiers erreicht: „Ein Architekt ist traurig darüber, wenn sein Werk abgerissen wird. Das gilt natürlich auch für das mehrfach preisgekrönte Gebäude an den Großen Bleichen“, sagte André Poitiers beim Abendblatt-Gespräch in seinem Büroloft am Großen Burstah. Er präsentiert Fotos aus Venedig – dort wurde ein Modell des Hauses auf der Architekturbiennale 2006 gezeigt: „Ich entwerfe ja nicht wie eine Maschine ein Gebäude, sondern in dem Entwurf steckt viel Herzblut“, so Poitiers­. Es stelle sich für ihn die Frage, ist das gut für die Straße und für Hamburg, wenn an diesem Standort neu geplant wird, und wertet das die Großen Bleichen auf?

Deutliche Worte findet SPD-Fraktionschef Kienscherf: „Es wäre eine falsche Entscheidung der Meag, dieses beeindruckende mehrfach ausgezeichnete Gebäude abzureißen. Die Stadt muss gemeinsam mit der Meag nach einer Lösung suchen, um dieses Ensemble aus moderner und historischer Architektur zu erhalten.“ Auch Grünen-Politiker Michael Osterburg übt Kritik: „Ein zwölf Jahre altes Haus abzureißen ist ökologisch und ökonomisch nicht nachvollziehbar.“

Allerdings steht das Gebäude nicht unter Denkmalschutz, das heißt, die Meag könnte es abreißen. Das weiß auch Architekt Poitiers: „Der Eigentümer kann mit seinem Haus machen, was er möchte, die Zeiten ändern sich. Natürlich würde ich mir wünschen, dass dieses Haus ein langes Leben führt und die Großen Bleichen schmückt.“