RoboCup 2018

Deutsche Fußball-Roboter hoffen auf WM-Titel in Kanada

Roboter der Kategorie "Standard Platform Liga" spielen bei den "RoboCup German Open 2018" in Magdeburg

Roboter der Kategorie "Standard Platform Liga" spielen bei den "RoboCup German Open 2018" in Magdeburg

Foto: Peter Förster/dpa-Zentralbild/ZB

Humanoide Roboter spielen auf Kunstrasen in Kanada ihren Fußball-WM-Titel aus. Auch ein Team aus Hamburg ist dabei.

Bremen. Während Jogi Löw und die Nationalelf in Russland um den WM-Titel kämpfen, laufen humanoide Roboter vom 18. bis 22. Juni in Montreal (Kanada) zu ihrer Fußball-Weltmeisterschaft auf. Aus Deutschland sind Teams aus Hamburg, Leipzig, Berlin, Frankfurt, Dortmund und Bremen beim RoboCup 2018 dabei. Sie haben Top-Chancen.

Die Bremer holten mit ihren Nao-Robotern schon sechs Mal den WM-Titel und sind amtierender Weltmeister. Nach Kanada fahren sie mit acht Naos, die meist im Bordgepäck-Koffer mitreisen können. Die Roboter mit menschlichen Zügen sind nur knapp 60 Zentimeter groß. Und zur Not wird zum Transport eben der Kopf abgenommen.

Bremen und Leipzig sind Weltspitze

Auch Leipzig ist Weltspitze und wurde beim letzten WM-Turnier dritter. Ihre Stärke liegt im Zweikampf und im Dribbling, die Bremer sind im Positionsspiel voraus und haben die beste Schusstechnik. Beim Aufeinandertreffen der beiden Teams bei den RoboCup German Open in Magdeburg gewannen die Bremer im Mai 2017 noch 4:1. Aber in diesem Jahr gewannen die Leipziger, und Bremen wurde dritter.

Das Spielfeld misst gerade einmal neun mal sechs Meter, auf dem Platz sind zwei Teams mit je fünf Spielern, und die Partie dauert 30 Minuten inklusive zehn Minuten Halbzeitpause. Stürmer, Verteidiger und Torwart sind mit knapp 60 Zentimetern nicht besonders groß. Sehr fix sind sie auch nicht: Es sind humanoide Nao-Roboter auf zwei Beinen, die gegeneinander antreten.

Die Robos sind autonom auf dem Feld

„Wenn die Teams auf dem Feld sind, dann ist der Mensch raus“, sagt Thomas Röfer, einer der „Trainer“ des Bremer Teams. Der Informatiker beim Deuschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Bremen und sein Fachkollege Tim Laue von der Universität Bremen fliegen mit 15 Studenten nach Montreal. Nach dem Anpfiff könnten sie allerdings wenig tun. Dann sind die Spieler auf sich selbst gestellt. Sie kommunizieren über WLAN und schalten softwaregesteuert vom Verteidigung auf Angriff, wenn sie den Ball haben. Die Naos dürfen sich im Spiel maximal drei Nachrichten zukommen lassen.

Die Regeln sind anders als beim menschlichen Fußball und verändern sich laufend. Es gibt noch kein Abseits. „Leider werden noch zu wenig Pässe gespielt“, sagt Röfer. Aber in diesem Jahr sind bei der WM Freistöße und Torwartabstöße dazu gekommen. Die drei Schiedsrichter sind keine Roboter und legen den Ball nach einem Schuss ins Aus oder zum Torwartabstoß wieder ins Feld. Für Einwürfe sind die Naos einfach noch zu langsam. Das würde den Spielfluss hemmen. Aber Fouls sind ihnen nicht fremd. „Es gibt zwar keine gelben oder roten Karten. Aber wenn einer den anderen umrempelt und der Spieler umfällt, dann gibt's Zeitstrafen“, erläutert Röfer.

Ein Roboter kostet um 6000 Euro

Als Trainingscamp dient den Bremer Studenten ein Vorlesungssaal, der umfunktioniert wird. Einmal in der Woche ein Testspiel, vor der WM werden es auch schon mal zwei. Ein Nao kostet um die 6000 Euro, an die „Profi-Teams“ gibt der Hersteller sie für rund 4000 Euro ab. Die Spielqualität hängt auch vom Zustand des Humanoiden ab. Wackeln die Gelenke, leidet die Treffsicherheit. Ein Nao im Bremer Team ist schon ziemlich alt und wackelig. „Der hat auch keine Garantie mehr. Wenn der kaputt ist, dann ist er kaputt.“ Ansonsten steht der Hersteller mit Serviceleistung zur Seite.

Besonders schnell sind die etwa fünf Kilogramm schweren Naos nicht unterwegs. „30 Zentimeter pro Sekunde. Das ist eher Gehen“, räumt selbst der Trainer ein. Auch haben die Roboter einen viel kleineren Sichtbereich als menschliche Spieler. Mit den Handy-Kameras sei nur ein ziemlicher Tunnelblick möglich. All das muss sich ändern, denn die RoboCup Federation hat ein ehrgeiziges Ziel: „Etwa Mitte des 21. Jahrhunderts soll ein Team aus voll autonomen humanoiden Roboter-Fußballspielern ein Fußballspiel nach den offiziellen FIFA-Regeln gegen den aktuellen (menschlichen) WM-Sieger gewinnen.“