Hamburg

Oberbaudirektor fordert U-Bahn zum Kleinen Grasbrook

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Axel Tiedemann
Eine Mischung von Wohngebäuden, Büros und Gewerbeimmobilien: So wie in dieser Visualisierung könnte der Kleine Grasbrook einmal aussehen – die genaue Planung startet aber erst

Eine Mischung von Wohngebäuden, Büros und Gewerbeimmobilien: So wie in dieser Visualisierung könnte der Kleine Grasbrook einmal aussehen – die genaue Planung startet aber erst

Foto: BSW/Hosoya Schaefer Architects

Linie U 4 soll bis zum künftigen Stadtteil auf der Elbinsel verlängert werden. Bürger können sich an Planung für Bebauung beteiligen.

Hamburg.  Die neue Station der U 4 nimmt im Dezember an den Elbbrücken ganz am Ende der HafenCity ihren Betrieb auf, doch dort ist dann direkt am Wasser erst einmal Endstation. Für eine weitere Verlängerung auf die andere Elbseite gab es bisher nur eine Planungsoption für eine ferne Zukunft, mehr nicht.

Nun aber hat sich Hamburgs Oberbaudirektor Franz-Josef Höing für eine konkrete Verlängerung ausgesprochen: Bei der ersten öffentlichen Präsentation der Senatspläne für den neuen Stadtteil auf der Elbinsel Kleiner Grasbrook plädierte er am Freitagabend für eine Anbindung per U-Bahn. „Eine U-Bahn ist am besten geeignet, die vielen Menschen dorthin zu bringen und wieder abzuholen“, so Höing. Das Beispiel der HafenCity habe gezeigt, dass man für einen neuen Stadtteil frühzeitig einen leistungsfähigen öffentlichen Nahverkehr brauche – auch um die Grundstücke dort besser vermarkten zu können.

U-Bahn-Verlängerung zum Greifen nah

Tatsächlich wurde die U 4 in der
HafenCity ziemlich am Anfang gebaut, als viele Gebäude noch gar nicht standen. Eine U-Bahn zum Kleinen Grasbrook würde nun wohl zunächst über eine Brücke führen und damit direkt in den neu geplanten Wohn- und Gewerbe-Stadtteil. Vorteile würde sie auch für die benachbarte Veddel und Wilhelmsburg bringen. Entsprechend positiv waren dort die ersten Reaktionen. „Das wäre eine gute Sache, wir kämpfen dafür schon seit 15 Jahren“, sagte der Veddeler SPD-Bezirkspolitiker Klaus Lübke. Schon heute sei die S-Bahn viel zu voll, der Süden brauche einfach eine weitere Nahverkehrslinie, so Lübke. Er glaube nun, dass die Möglichkeit einer U-Bahn-Verlängerung zum Greifen nahe sei: „Das sagt ein Oberbaudirektor nicht ohne politische Rückendeckung.“

Bisher hieß es immer, für eine U-Bahn-Verlängerung sei der Bedarf auf der südlichen Elbseite zu gering. Das könnte sich mit der Bebauung des Kleinen Grasbrooks deutlich ändern. Wie berichtet, hatte der Senat im Herbst 2017 mit seiner Bau-Vision für einige Überraschung gesorgt. Gegenüber der HafenCity soll demnach in den nächsten Jahren ein weiterer Stadtteil für rund 6000 Bewohner gebaut werden, wobei ein Drittel der Wohnungen Sozialwohnungen werden sollen. Aber auch Gewerbebauten für bis zu 16.000 Arbeitsplätze sollen hier entstehen sowie Einzelhandelsflächen, Kita und Grundschule.

Planung startet in diesem Jahr

Die ersten Ideen sehen wegen der Nähe zum Hafen eine Art Dreiteilung vor: Auf dem Gelände des seit 2016 stillgelegten riesigen Lagerhallenkomplexes „Überseezentrum“ sollen die Wohngebäude stehen, in einer Lage, die von zwei Seiten vom Wasser eingefasst ist – das sogenannte „Moldauhafen-Quartier“. Weiter soll es eine eher gemischte Nutzung und dann quasi als Schutzriegel zum eigentlichen Hafen ein Areal aus alten und neuen Hafengebäuden geben, die ausschließlich gewerblich genutzt werden, etwa von Büros. Insgesamt wird der neue Stadtteil die Dimension eines guten Drittels der HafenCity bekommen.

Allerdings sind dies nur erste Vorstellungen. Die Computer-Visualisierungen dazu stellten lediglich „Platzhalter“ dar, wie der Oberbaudirektor sagte. Bisher beschäftigten sich die Planer mit einer Bestandsaufnahme – die eigentliche Planung startet in diesem Jahr, mit Beteiligung der Bürger. Einer der ersten Schritte dazu bildete die Informationsveranstaltung am Freitag. Höing und Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD) begründeten dort in einem großen Zelt in der HafenCity mit Blick auf den Kleinen Grasbrook die Absichten des Senats.

Drei, vielleicht fünf solcher als „Stadtwerkstatt“ bezeichneten Veranstaltungen sollen folgen. 2019 werde man dann mit städtebaulichen Wettbewerben starten, kündigte die Senatorin an, die die Pläne als „Trittstein für den Sprung über die Elbe“ bezeichnete. Hintergrund seien unter anderem Bevölkerungsprognosen, wonach Hamburg bis 2030 um rund 100.000 Menschen auf etwa 1,9 Millionen Einwohner wachse. „Wir müssen diese Prognosen ernst nehmen“, sagte Stapelfeldt.

Keine zweite HafenCity

Sie und auch der Oberbaudirektor versicherten jedoch, dass mit dem Kleinen Grasbrook keine Verlängerung der HafenCity, sondern ein eigener, moderner Stadtteil entstehen soll, der in vielem beispielhaft werden könne. Man müsse aber die einzelnen Nutzungen nicht schon jetzt festlegen, sagte Höing und verglich die weitere Planung mit einem Bücherregal: „Das stellt man auch erst einmal überzeugend in den Raum, ohne zu wissen, welche Bücher dann später hineinkommen.“ Geradezu leidenschaftlich plädierte er dafür, sich an der Stadtwerkstatt zu beteiligen, um Ideen einbringen zu können.

Und dazu dürfte es durchaus kommen. So gab es aus den Reihen der Zuschauer bereits gleich bei dieser ersten Veranstaltung auch kritische Stimmen. Der SPD-Politiker Lübke merkte etwa an, dass der neue Stadtteil noch zu sehr von der HafenCity-Seite her entwickelt werde. „Auf der Veddel sind wir dann nur der Hinterausgang“, so Lübke. Wenn schon Trittstein zum Sprung über die Elbe – dann müsse man den Kleinen Grasbrook von Süden her planen, forderte er.

Noch aber, so scheint es, ist tatsächlich nichts fest geplant. „Wir sind“, sagte Oberbaudirektor Höing, „wirklich erst am Anfang und legen jetzt los.“

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