Kino-Zwillinge

Hamburgs Oscar-Preisträger melden sich mit Alien-Film zurück

Die Filmemacher Christoph und Wolfgang Lauenstein. 1990 wurden sie für ihren Kurzfilm „Balance“ mit einem Oscar ausgezeichnet

Die Filmemacher Christoph und Wolfgang Lauenstein. 1990 wurden sie für ihren Kurzfilm „Balance“ mit einem Oscar ausgezeichnet

Foto: Lauenstein-brothers.com / Getty / Montage: HA

1990 gewannen die Brüder Lauenstein den Oscar. Nach Jahren in der Werbung haben sie nun einen Animationsfilm ins Kino gebracht.

Hamburg. Es passiert nicht so oft, dass gleich zwei Animationsfilme aus Hamburg in einem Monat für Furore Sorgen. Im Mai ist es aber so. Zuerst lief beim Filmfestival in Cannes „Another Day Of Life“, seit Dienstag ist bei uns „Luis und die Aliens“ in den Kinos.

So entfernt vergleichbar die Machart sein mag, inhaltlich sind sie noch viel weiter auseinander. Der Cannes-Beitrag handelt von historischen Kriegserlebnissen in Afrika. Der zweite Film erzählt von einem zwölf Jahre alten Jungen und seinen Sorgen. Sein allein erziehender Vater ist ein Ufologe, also ein Außenseiter. Die Erziehung seines Sohnes vernachlässigt er völlig. Da legen eines Tages drei Außerirdische eine Bruchlandung hinter dem Haus der Familie hin. Sie wollen nicht etwa die Welt zerstören, die wandlungsfähigen Wesen wollen Spaß haben – und eine Massagematratze kaufen.

Hamburger Film-Zwillinge melden sich zurück

Mit diesem Film melden sich Wolfgang und Christoph Lauenstein mit ihrem ersten langen Werk zurück. 1990 hatten die Zwillinge aus Hamburg für ihren Kurzfilm „Balance“ den Oscar gewonnen und danach lange in der Werbung gearbeitet.

„Die erste Idee für den Film hatten wir schon 2010“, sagt Wolfgang Lauenstein. Zwei Jahre arbeiteten sie mit einem Dramaturgen am Drehbuch. Danach zog die schwierige Finanzierung das Projekt in die Länge bis im Herbst 2015 die eigentliche Arbeit beginnen konnte. Dazu hatten sie Kontakt zur Produktionsfirma Ulysses in Altona aufgenommen, der das Projekt gefiel.

„Unser Film ist eine Mischung aus Komödie und Abenteuer.“ Luis‘ Vater, ein Typ verrückter Wissenschaftler, noch dazu pädagogisch verantwortungslos, sei nicht autobiografisch, so Lauenstein lachend. „Wir waren auf der Suche nach witzigen Charakteren, die sich aneinander reiben.

Brüder arbeiten seit Jahrzehnten zusammen

Luis muss, wie jeder Protagonist, eine Wandlung durchmachen. Zu Beginn ist er noch zu schüchtern, um sich gegen den Vater durchzusetzen und ihm die Meinung zu sagen. Aber diese Reife entwickelt er dann.“ Es gibt aber doch ein autobiografisches Element. Die Aliens können sich in Menschen verwandeln. Wenn sie ein Haar vom früheren Besitzer verschlucken, nehmen sie seine Gestalt an. Es kommt natürlich zu Verwechslungen, und die kennen auch die Lauenstein-Zwillinge zur Genüge.

„Wir haben zur Schulzeit viel Spaß damit gehabt und es auch sehr ausgenutzt. Wir wollten ähnliche Situationen auf der Leinwand wieder aufleben lassen. Dass ist uns übrigens erst im Nachhinein aufgefallen. Heute sehen Christoph und ich uns nicht mehr so ähnlich.“ Seit Jahrzehnten arbeiten die Zwillinge schon zusammen. Machen sie alles gemeinsam, oder teilen sie sich die Aufgaben? „Wir sind nach dem Oscar-Gewinn in die Werbung gegangen und mussten uns eine vernünftige Verteilung ausdenken. Mein Bruder hat sich in der Werbung auf die Kunden und Regie konzentriert. Ich habe mich auf die Animationen und die Bauten gestürzt.“

"Wir schauen uns gegenseitig über die Schulter"

Jetzt im Langfilm habe sich das geändert, sie führten beide parallel Regie. „Das war nur möglich, weil ich einen Zwillingsbruder habe.“ Er selbst habe bei „Luis“ Regie geführt, Christoph bei dem anderen Film. „Wir haben uns dann gegenseitig über die Schulter geschaut.“

Der zweite Film heißt „Marnies Welt“ und soll ebenfalls noch in diesem Jahr in die Kinos kommen. Es wird ein Film mit Tieren als Protagonisten und ist angelehnt an die „Bremer Stadtmusikanten“. Auch das wird wieder ein Film aus dem Genre Familienunterhaltung. Es gibt aber auch Animationsfilme mit ernsteren Themen wie „Waltz With Bashir“ oder der oben erwähnte „Another Day Of Life“. „Wir würden gern Animationsfilme für Erwachsene machen“, sagt der Regisseur. Aber Animationsfilme sind teurer als Realfilme und das Geld dafür sei sehr schwer zusammenzubekommen. Man geht also auf die größte Zielgruppe. „Wichtig ist, dass Erwachsene sich dabei nicht unterfordert fühlen und auch ihren Spaß finden.“

Oscar war der Türöffner

Der Oscar war für die Lauensteins damals ein Türöffner. Sie hatten gerade ihr Studium beendet und wussten nicht, wie sie Geld verdienen sollten. Dann kamen sehr interessante Angebote aus der Werbung. „Das haben wir erst einmal gemacht und sind dort ein bisschen zu lange hängengeblieben.“ In Zukunft wollen die 56-Jährigen Spielfilme machen. „Wir merken, dass uns das liegt. In der Werbung setzt man Ideen von anderen um. Unsere Kernkompetenz ist es, eigene Geschichten zu erzählen.“

„Luis und die Aliens“ läuft im Abaton, Alabama, Cinemaxx Dammtor/Harburg, Hansa, UCI Mundsburg/Othmarschen-Park/Wandsbek