Bürgerschaft

Misstöne vor Jubiläum der Hamburger Linken

Dora Heyenn (SPD) war von 2008 bis
2015 Linken-Fraktionschefin

Dora Heyenn (SPD) war von 2008 bis 2015 Linken-Fraktionschefin

Foto: picture alliance / dpa

Ausgerechnet Dora Heyenn, die sieben Jahren an der Spitze der Fraktion stand, wurde nicht zur Feier im Millerntor-Stadion eingeladen.

Hamburg.  Der eigentliche Jahrestag liegt schon etwas zurück, aber am übernächsten Sonnabend will die Linken-Bürgerschaftsfraktion ihr zehnjähriges Bestehen feiern – gewissermaßen szenenah im Millerntor-Stadion auf St. Pauli. Solche Jubiläen bieten aktuellen und früheren Weggefährten und Mitstreitern in der Regel Anlass zum leicht rührseligen oder selbstbewusst-kämpferischen Rückblick.

Doch nun haben sich in die Festvorbereitungen Misstöne gemischt. Ausgerechnet Dora Heyenn, die während sieben der zehn Jahren (bis 2015) an der Spitze der Fraktion stand, hat keine reguläre Einladung zur Sause erhalten. Das war – offensichtlich recht spät – auch dem Vorbereitungsteam aufgefallen. So landete auf den letzten Drücker doch noch eine Einladung in Heyenns E-Mail-Postfach – allerdings als eine Art Sammelrundbrief an alle Vergessenen. „Moin, moin, sorry, Du bist mir leider durchgerutscht, ich hoffe, Du fühlst Dich trotzdem eingeladen“, heißt es recht flapsig mit sozialistischem Du.

Sie fühlt sich nicht willkommen

Heyenn fühlt sich trotz der kumpelhaften Aufforderung nicht willkommen. „Einen Tag vor Anmeldeschluss zur Zehnjahresfeier der Linken-Fraktion solch eine E-Mail zu bekommen, die weder an mich persönlich gerichtet noch mit einer persönlichen Anrede versehen ist, kann ich nur als Nicht-Einladung verstehen, als Alibi gegenüber Dritten“, empört sich Heyenn. „In Hamburg sagt man dazu: So etwas gehört sich nicht!“

Die Reaktion von Sabine Boeddinghaus, eine der beiden Nachfolgerinnen Heyenns als Fraktionschefin, fiel recht schmallippig aus: „Dora Heyenn ist Teil der Geschichte unserer Fraktion, selbstverständlich haben wir sie eingeladen – wie mehrere Hundert andere Hamburgerinnen und Hamburger auch. Dass bei der Vorbereitung einer so großen Feier auch mal ein paar Einladungen verspätet rausgehen, kommt leider vor und trifft mehr als eine Person. Wer meint, daraus eine Staatsaffäre machen zu müssen, hat wohl wirklich viel Zeit.“

Großer Konflikt von 2015 wirkt nach

Viel haben sich Boeddinghaus und Heyenn wohl wirklich nicht mehr zu sagen, der große Konflikt von 2015 wirkt nach. Nach der Bürgerschaftswahl hatte die Linken-Fraktion Heyenn – für sie völlig überraschend – nicht als Vorsitzende wiedergewählt. Heyenn trat tief verletzt aus der Fraktion aus und kehrte 2017 in die SPD zurück.

Dora Heyenn Kurzinterview