Getränke

Deutschlands ersten Fleisch-Smoothie gibt es auch in Hamburg

Philipp (l.) Klassen und sein Vater Peter haben gut drei Jahre an dem Rezept für das flüssige Fleisch aus der Flasche getüftelt

Philipp (l.) Klassen und sein Vater Peter haben gut drei Jahre an dem Rezept für das flüssige Fleisch aus der Flasche getüftelt

Foto: Pete & Phil’s

In Hamburg hat bislang nur ein Geschäft die Drinks im Sortiment. Bald gibt es Huhn aus der Flasche auch in Real-Supermärkten.

Hamburg/Temmels.  Sie füllen Brause mit Rosengeschmack in Dosen, versetzen Kokoswasser mit einem Schuss Espresso oder dunkles Craft Beer mit einer Prise Zimt – Hamburg gilt als die Stadt der kreativen Köpfe in der Getränkebranche. Jahr für Jahr kommen Dutzende neue Marken und Sorten auf den Markt. Unlängst war es das nach Angaben des Herstellers Joybräu „erste alkoholfreie Proteinbier der Welt“ als Alternative zum herkömm­lichen Pulverdrink nach dem Krafttraining. Geschmacklich nicht jedermanns Sache, aber bei der weltgrößten Fitnessmesse Fibo im April gewannen die Joybräu-Macher aus der Hansestadt einen Innovationspreis.

Die wohl überraschendste Neuerung der vergangenen zwölf Monate auf dem Getränkemarkt aber wurde nicht von smarten Marketingprofis in Hamburg ersonnen, sondern in einem bodenständigen mittelständischen Fleischereibetrieb im 700-Einwohner-Dorf Temmels (Rheinland-Pfalz) an der Mosel unweit der deutsch-luxemburgischen Grenze: der nach Angaben des Herstellers weltweit erste Fleisch-Smoothie. Ein Drink, der zu knapp 20 Prozent aus gekochtem Fleisch besteht.

Flüssige Fleischmahlzeit

„Das ist kein Spaßgetränk“, stellt Peter Klassen (56) gleich mal klar, „uns geht es um den Ernährungsnutzen einer flüssigen Fleischmahlzeit aus der Flasche, nicht so sehr um den Geschmack.“ Der Fleischermeister hat das Getränk aus Fleisch, Gemüse und Wasser mit seinem Sohn und designiertem Unternehmensnachfolger Philipp (30) und dem Koch des zur Firma gehörenden Mittagstisch-Restaurants (Dienstag: Zwiebelrahmbraten mit Schwenkkartoffeln und Buttermöhren für 5,40 Euro) entwickelt. Drei Sorten des „Premium Meat Snack“ der Marke Pete & Phil’s sind seit Ende vergangenen Jahres auf dem Markt: Butcher’s Beef aus Rindfleisch, Beef Bombay mit indischen Gewürzen und Poulet Royal aus Huhn mit einem Hauch Curry.

In Hamburg wird das einzigartige Getränk derzeit nur in einem einzigen Geschäft verkauft: Bei Famila in Steilshoop kostet eine 0,33-Liter-Glasflasche mit Kronkorken 3,99 Euro und damit so viel wie im Onlineshop pete-and-phils.de (ohne Versandkosten). „Der Abverkauf ist noch überschaubar, hat aber deutlich angezogen, seitdem Famila vor Kurzem in einem speziellen Foodtrend-Flyer dafür geworben hat“, sagt der stellvertretende Kaufhausleiter Fabian Seeliger. Famila hat den ohne Kühlung ein Jahr haltbaren Fleisch-Smoothie im Regal für Suppen und Fertig­gerichte platziert, Seeliger selbst hat schon mal ein Butcher’s Beef probiert. „Schmeckt tatsächlich wie ein Steak.“

Vermarktung auf Medizinmessen

Peter „Pete“ Klassen weiß, dass das Produkt nicht ganz einfach zu vermitteln ist. „80 bis 90 Prozent der Leute können sich erst mal nicht vorstellen, Fleisch aus der Flasche zu trinken. Aber wenn sie es tun, sind 70 bis 80 Prozent positiv überrascht“, sagt er. Der Fleischermeister sieht den proteinreichen Drink eher als Funktionsnahrung, nicht als Lifestyle-Getränk. Zielgruppe seien Kraft- und Ausdauer-Sportler, Berufstätige, die keine feste Mittagspause haben, „Menschen mit ernsthaften Gewichtsproblemen“ oder anderen gesundheitlichen Einschränkungen.

Ein halbes Jahr nach der Markteinführung sieht es so aus, dass das flüssige Fleisch tatsächlich im Medizin- und Gesundheitsbereich die besten Zukunftsaussichten hat. „Wir haben mittlerweile einen Lizenzvertrag mit einem kanadischen Unternehmen abgeschlossen, dass das Produkt auf medizinischen Fachmessen vorstellt“, sagt Klassen. Anfangs hätten die Kanadier nur geplant Pete & Phil’s in Nordamerika zu vertreiben. Mittlerweile habe der Partner das Recht, das über drei Jahre hinweg entwickelte und patentierte Rezept so zu verändern, dass es auf die Bedürfnisse unterschiedlicher Verbrauchergruppen zugeschnitten ist. „Sie haben ein faires Angebot gemacht und wir haben das Recht, unsere Geschäfte so weiterzuführen, wie wir es für richtig halten“, sagt Klassen.

Bis zu 3000 Flaschen täglich

Das „ehrliche Handwerksprodukt“ solle auch dazu beitragen, dem Familienunternehmen und seinem Sohn Philipp (Phil) den Weg in die betriebliche Zukunft zu sichern. Da sind die Klassens in Temmels durchaus innovativ. Die Fleischerei setzt stark auf das Online-Geschäft, Kunden können sich vorbestellte Fleisch- und Wurstwaren rund um die Uhr aus gekühlten Schließfächern abholen. „Wir gehören zu den Ersten in Deutschland, die so etwas anbieten“, sagt der Seniorchef. Er trinkt den Fleisch-Drink am liebsten in Zimmertemperatur. „Mein Sohn mag ihn gern direkt aus dem Kühlschrank, meine Frau lieber angewärmt.“

Ausgelastet sei die Produktion, die täglich bis zu 3000 Flaschen schafft, noch nicht, aber Klassen ist da zuversichtlich. Zumal auch die Lebensmittel- und Warenhauskette Real Pete & Phil’s in einigen Wochen ins Sortiment nehmen will. Zunächst testweise für mindestens vier Monate in ausgewählten Märkten. Ob alle Real-Warenhäuser in der Hansestadt dazugehören, steht noch nicht fest. Womöglich werden Hamburger, die Fleisch einfach mal trinken wollen, die Smoothies von der Mosel künftig in fünf Geschäften in der Stadt finden.