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Der Abendblatt-Test: Smoothies zum Reinbeißen

Katharina Staudacher (l.) und Verena Ballhaus-Riegler
von Foodloose haben auch Riegel auf Nuss- und
ganz neu Mohnbasis entwickelt

Katharina Staudacher (l.) und Verena Ballhaus-Riegler von Foodloose haben auch Riegel auf Nuss- und ganz neu Mohnbasis entwickelt

Foto: Michael Rauhe / HA

Unternehmen in der Metropolregion überraschen mit neuen Produkten. Heute: Rohkostriegel Smu:di von der Firma Foodloose.

Hamburg. Zeit ist im Leben von Katharina Staudacher und Verena Ballhaus-Riegler ein kostbares Gut. Als Firmenchefinnen, als Mütter von insgesamt fünf Kindern und Familienmanagerinnen sind sie ziemlich beschäftigt. Essen wird da oft zur Nebensache. Und eigentlich ist man jetzt schon mittendrin in der Erfolgsstory des Hamburger Unternehmens Foodloose.

Für den Hunger zwischendurch haben die beiden Geschäftsfrauen sich immer mal wieder einen Smoothie im Supermarkt um die Ecke gekauft. „Aber beim genauen Hingucken werden die meist ultrahoch erhitzt. Vitamine und Nährstoffe sind dann verloren“, sagt Staudacher im Eimsbüttler Souterrain-Büro. Und wenn zwei Produzentinnen von Nussriegeln so einen Gedanken weiterspinnen, ist ziemlich klar, was rauskommt: ein neuer Riegel. Smu:Di heißt die Rohkost-Variante aus Gemüse, Früchten und Saaten.

„Alle mussten immer wieder testen“

In ihrer Küche in Winterhude fing Katharina Staudacher, die das Unternehmen vor sieben Jahren unter ihrem Geburtsnamen Loose gegründet hatte, an zu experimentieren. Möhren, Spinat, Rote Beete, Sauerkirschen, Himbeeren, Leinsaat, Minze, Chia-Samen, Kakao, Kurkuma – alles Bio, alles frisch: Was passt zueinander? Was gibt die besondere Geschmacksnote? Der Profi-Mixer lief auf Hochtouren, ein befreundeter Koch wurde hinzugezogen. „Alle mussten immer wieder testen“, erzählt die 37-Jährige und lacht.

Mit vier Smu:Di-Varianten gingen die Foodloose-Macherinnen schließlich an den Start: Karotte-Limette, Rote Beete-Himbeere, Spinat-Minze und Kakao-Sauerkirsche. Alle beinhalten zusätzlich Saaten und Superfoods wie Chia, Hanfsaat oder Acerola – aber natürlich keine Zusatzstoffe. „Die Variante mit Rote Beete-Himbeere ist bei Kindern besonders beliebt“, sagt Co-Geschäftsführerin Verena Ballhaus-Riegler.

Es gibt noch Entwicklungspotenzial

Seit einigen Monaten sind die Smoothies zum Reinbeißen jetzt in den Läden. „Es läuft gut an, aber es gibt noch Entwicklungspotenzial“, sagt Ballhaus-Riegler. Genaue Zahlen will die 38-Jährige, die für Vertrieb und Personal zuständig ist, nicht nennen. Die Rohkostriegeln sind nicht die ersten auf dem Markt, unter anderem gibt es Raw-Bite (Dänemark) und Roobar (Bulgarien). Das Hauptgeschäft der Hamburger sind auch weiterhin die Riegel aus Nüssen und Kernen. Insgesamt verkaufte Foodloose im vergangenen Jahr knapp drei Millionen Riegel. Der Umsatz betrug knapp zwei Millionen Euro. Produziert wird in Griechenland und in Bayern.

„Inzwischen können wir von unserer Firma leben“, sagen die Familienmütter. Das Team besteht aus sieben Mitarbeitern. Insgesamt an 2800 Standorten werden die Riegel verkauft, darunter auch einige in Österreich, der Schweiz, Spanien, Portugal, Dänemark und Belgien. Hotels und große Unternehmen ordern, auch das Bundeskanzleramt gehört zu den Kunden.

Erste Verkaufscharge mit 4000 Riegeln

2011 hatte Katharina Staudacher die ersten vier Riegel auf den Markt gebracht. Die Geschäftsidee war während eines Aufbaustudiums im kalifornischen Berkeley entstanden, als die Hamburgerin lange Uni-Tage mit Trockenfrüchten und Nüssen überbrückte. Weil sie die herkömmlichen Mischungen schnell langweilig fand, probierte sie unterschiedliche Varianten und erntete viel Beifall von den Kommilitonen.

Zurück in Deutschland ließ die Betriebswirtin das Thema nicht los. Schon damals stand sie stundenlang in ihrer Küche und rührte Zutaten zusammen. Die erste Verkaufscharge mit 4000 Riegeln produzierte sie gemeinsam mit ihren Eltern in einem Lebensmittelinstitut in Quakenbrück. Inzwischen gibt es sechs unterschiedliche Varianten mit schönen Namen wie Sahara Dragon oder Poesie Amelie.

Kunden können Sorten mitbestimmen

Ganz neu auf dem Markt ist Poppy Limona. Die Idee stammt wie die der anderen Sorten auch von einer Reise. Im vergangenen Jahr war Gründerin Staudacher mit Familie im Wohnmobil an der amerikanischen Westküste unterwegs, auf einer Tankstelle aß sie einen Mohn-Zitronen-Muffin. „Lecker, aber das müsste auch gesünder gehen, habe ich gedacht“, erzählt sie. Das Ergebnis ist ein Riegel, der nach Sommer schmeckt und durch die Mohnsamen aus den üblichen Nuss-Variationen herausragt.

Um keine Aromen zu verwenden, haben die Foodloose-Geschäftsführerinnen das erste Mal mit Zitronenöl gearbeitet. Ein kleines Abenteuer, wie sich herausstellte. Weil das Öl so hoch konzentriert ist, gilt es als Gefahrstoff und darf in großen Mengen nicht mit dem Flugzeug transportiert werden. „Das macht jetzt ein Spezial-Logistiker für uns“, sagt Staudacher.

Der nächste Riegel ist inzwischen in Arbeit, wieder in der Nuss-Reihe. Genaues wird noch nicht verraten, aber dieses Mal haben die Riegel-Fachfrauen über Facebook und Instagram ihre Kunden nach ihren Vorlieben befragt. Kokos oder Karamell, das war hier die Frage.

Test: Rote Beete-Himbeere lecker, Spinat-Minze bitter

Das Produkt: Für die Herstellung der Smu:Di-Riegel wird Rohkost schonend getrocknet und gepresst. In jedem Snack sind mehrere Sorten Gemüse, Obst, Gewürze und Saaten verarbeitet. Es gibt vier Varianten: Karotte-Limone-Ingwer, Spinat-Minze-Orange, Kakao-Sauerkirsche-Vanille und Rote Beete-Himbeere-Vanille. Die Verpackung ist sehr schlicht, fast wie bei Medikamenten. Die Geschmacksrichtungen unterscheiden sich farblich.

Preis-Leistungs-Verhältnis: Jeder 35-Gramm-Riegel kostet 1,49 Euro. Damit liegt das Produkt im Vergleich zu anderen Anbietern der Sparte Frucht- und Gemüse-Riegel am oberen Rand.

Nährwertangaben/Inhaltsstoffe: Die Snacks werden ohne Industriezucker und künstliche Aromen hergestellt. Alle Zutaten sind aus biologischem Anbau, vegan, glutenfrei und paleo (wie in der Steinzeit). Vitamin- und Nährwertangaben sind allerdings nicht aufgeführt. Die Riegel haben jeweils etwa 130 Kalorien.

Einkaufsmöglichkeiten: Smu:Di gibt es in Budni-Märkten, in einigen Edeka-Filialen und Bio-Läden sowie online unter www.foodloose.net und bei Amazon.

Fazit: Beim Reinbeißen hat man das gute Gefühl, etwas Gesundes zu essen. Die grüne Variante mit Spinat und Minze fiel beim Test durch: zu bitter. Sehr harmonisch, ohne süß zu sein, schmeckt die Verbindung Rote Beete und Himbeere. Smu:Di ist auf jeden Fall eine Alternative zu gängigen Schokoriegeln, ganz überzeugen kann das Produkt allerdings nicht. Gesamtnote: 3,5 Sterne

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