Wirtschaft

Hamburger Kosmetikkette Adam & Eve expandiert bundesweit

Treiben die Expansion ihrer Kosmetikstudio-Kette voran: Filiz und Roald Christoph im Phoenix-Center

Treiben die Expansion ihrer Kosmetikstudio-Kette voran: Filiz und Roald Christoph im Phoenix-Center

Foto: Roland Magunia / HA

In der Hansestadt haben Filiz und Roald Christoph demnächst acht Filialen. Warum das Geschäft so erfolgreich ist.

Hamburg.  Das Herz in Pink gibt es noch. An jedem Behandlungssessel prangt es. „Das musste einfach sein“, sagt Filiz Christoph. Schließlich ist es so etwas wie das Markenzeichen ihrer Kosmetikstudio-Kette Adam&Eve. Ansonsten hat sich einiges verändert. Statt viel Weiß bestimmt künftig dezentes Grau und Schwarz das Design der Läden, mit ein wenig Pink. Neben Ehemann Roald Christoph steht die Gründerin in der neuesten Filiale im Phoenix-Center in Harburg, die Anfang Mai eröffnet hat. Die erste Kundin kommt schon vor 10 Uhr. Es ist der Auftakt für zehn Stunden im Dienst der Schönheit: Pediküre, Maniküre, Augenbrauen-Styling, Gesichtspflege, Haarentfernung – bei Adam&Eve gibt es die gesamte Palette der kosmetischen Behandlungen.

Der neue Look wirkt nicht nur moderner, sondern ist auch als Aufbruchsignal zu verstehen. Denn Adam&Eve ist auf Expansionskurs. In Hamburg gibt es inzwischen sieben Studios der Kette, im August eröffnet das achte im Elbe-Einkaufszentrum im Westen der Hansestadt. Und es sollen noch deutlich mehr werden. Roald Christoph, Finanzmanager mit jahrzehntelanger Erfahrung bei großen Unternehmen, ist 2017 operativ in das Beauty-Imperium seiner Frau eingestiegen.

Erster Laden außerhalb Hamburgs

Anfang 2018 holten die beiden Axel Herberg, den langjährigen Deutschlandchef beim US-Investor Blackstone, als Privatinvestor dazu. Und gerade erst hat das neue Führungstrio eine Expansionsmanagerin eingestellt. Noch in diesem Jahr soll es den ersten Laden außerhalb Hamburgs geben, voraussichtlich in Düsseldorf. „Jedes Jahr sollen dann fünf neue Adam&Eve-Filialen dazukommen“, sagt Roald Christoph. Mindestens.

„Wir hätten wie bisher organisch weiterwachsen können“, sagt Filiz Christoph. „Aber jetzt geht es deutlich schneller.“ 2006 war die Selfmade-Unternehmerin mit ihrer ersten Beauty Lounge in der Hamburger Neustadt gestartet. „Ich wollte eine neue Art von Beauty-Behandlungen schaffen“, erinnert sich die 44-Jährige. Kosmetiksalon mit weißen Kitteln adé. Christoph, damals schon Mutter von zwei kleinen Söhnen und als Stewardess unterwegs, erfüllte sich ihren Berufstraum. In dem offenen Ladenkonzept, so ihr Credo, sollte das gemeinsame Zelebrieren von Schönheit im Vordergrund stehen – inklusive Reden und Lachen. Die Kundinnen waren begeistert, schnell wurde der kleine Laden an der Steinwegpassage zu eng.

Zahl der Kosmetikstudios deutlich gestiegen

Es folgten Filialen am Mühlenkamp, am Lehmweg, an der Osterstraße und in der Einkaufspassage Galleria an den Großen Bleichen. Inzwischen gibt es auch ein Adam&Eve im Alstertal-Einkaufszentrum. Der Name „Adam&Eve“ leitet sich von den biblischen Urmenschen ab. „Menschen wollen immer schön sein, egal, wie alt sie sind, und deshalb haben wir den Namen gewählt, da er genauso ursprünglich ist.“

In den vergangenen Jahren ist die Zahl der Kosmetikstudios in Hamburg deutlich gestiegen. Laut der Statistik der Handwerkskammer gab es 2006 erst 617 gemeldete Betriebe, im vergangenen Jahr waren es 912 – fast ein Drittel mehr. Das Geschäft mit der Schönheit boomt. Das liegt einerseits an der zunehmenden Spezialisierung: Ob Waxing, Nagelpflege, Augenbrauen oder Wimpernverlängerung – für alles gibt es inzwischen eigene Läden. Zudem befeuert die Gründungswelle, dass die Bezeichnung Kosmetiker/Kosmetikerin nicht geschützt ist. Adam&Eve-Inhaberin Christoph setzt bewusst etwas dagegen. „Wir sehen uns als Angebot für One-Stop-Beauty“, sagt sie. Beschäftigt werden ausschließlich Fachkräfte.

„Beauty war schon immer mein Thema“

Die Hamburgerin mit türkischen Wurzeln hat ihre Ausbildung in der Kosmetikschule ihrer Cousine in der Nähe von Miami (Florida) absolviert. „Beauty war schon immer mein Thema“, sagt die Mutter von inzwischen drei Kindern im Alter von 17, 13 und sechs Jahren. Inzwischen ist aus dem Start-up ein mittelständischer Betrieb geworden. Zwischen 1000 und 1500 Kunden werden im Monat in jeder Filiale versorgt, insgesamt sind es etwa 10.000. Meistens Frauen, zwischen 14 und 75 Jahren, aber zunehmend auch Männer. „Uns macht Schnelligkeit aus, daraus entsteht unser Gewinn.“ Eine klassische Maniküre kostet 27 Euro, Pediküre 28 Euro. Augenbrauen zupfen gibt es für 13 Euro, für Farbe kommen noch einmal 10 Euro dazu. Zu den Kunden zählen Prominente wie Schauspielerin Sibel Kekilli und Moderatorin Sylvie Meis.

Im Laden im Phoenix-Center sind an diesem Vormittag schon drei der acht Behandlungsplätze besetzt. Immer wieder kommen Kundinnen in den Laden und buchen Termine. Außerdem gibt es drei Räume für Spezialanwendungen. In den Regalen stehen Pflegeprodukte, Nagellack-Fläschchen in allen Farben. Kosmetikerin Ceyda Özkan entfernt gerade bei einer Kundin den Nagellack an Zehennägeln, um eine Pediküre zu machen. Die junge Frau hat schon ihre Ausbildung bei Adam&Eve absolviert, gehört seit einem Jahr zum festen Team mit inzwischen 80 Mitarbeiterinnen. „Qualität ist uns sehr wichtig“, sagt Chefin Filiz Christoph. „Die Kunden müssen sich auf unsere Behandlungstechniken sicher verlassen können.“ Schon sechsmal, erzählt sie sichtlich stolz, waren ihre Azubis Hamburger Landessiegerinnen.

Gründerin manikürte auch Paul McCartney

Die Schönheitsexpertin, die auch schon Ex-Beatle Paul McCartney die Nägel vor einem Konzert in Hamburg manikürte und dem Online-Sender „Life&Harmony“ Beauty-Tipps gibt, steht selbst kaum mehr im Laden. Sie arbeitet vor allem in der Adam&Eve-Zentrale in einem stylischen Gewerbekomplex am Hammer Deich. Von dort aus betreibt sie ihre Augenmanufaktur mit einer Palette von inzwischen 120 Pflegeprodukten, die in den eigenen Läden eingesetzt, an andere Fachhändler vertrieben sowie über einen Onlineshop zudem an Privatkunden verkauft werden. Auch ein Schulungs- und Ausbildungszentrum gibt es. „Augen“, sagt Christoph, „bleiben ein wichtiger Trend in der Schönheitsbranche.“ Deshalb ist auch ein Markenrelaunch für die Augenmanufaktur in Planung, um künftig international auftreten zu können.

Im Phoenix-Center werden die Haare gemacht

Parallel arbeitet das Unternehmerpaar an den Wachstumsplänen. In der Filiale im Phoenix-Center können Kundinnen sich jetzt auch die Haare machen lassen. „Blow Dry Bar“ heißt der Trend aus den USA, dabei geht es ausschließlich ums Stylen – ohne Schneiden, Waschen oder Färben. Ein weiterer Schritt zu One-Stop-Beauty. „Und wir wollen digitaler werden“, sagt Roald Christoph. In den Schaufenstern hängen inzwischen Monitore, sogenannte E-Poster, über die neueste Beauty-Techniken flimmern. Eine eigene Adam&Eve-App ist in Planung, über die noch schneller mobil Termine gebucht werden können.

„Die neue Art zu arbeiten macht viel Spaß“, sagt Gründerin Filiz Christoph. Dass ihr Mann mit seinem kaufmännischen Know-how jetzt mit im Unternehmen ist, entlaste auch, sagt sie ganz offen. „Ich mache mir weniger Sorgen und habe nicht vor jeder Neueröffnung Albträume.“ Und dabei genießt sie es auch, ohne schlechtes Gewinnen mal einen Tag bei den Kindern zu Hause in der Nähe des Wildparks Schwarze Berge zu bleiben.“ Tochter Su kommt im Sommer in die Schule.