Hamburg

Auch wenn's teurer wird: Ansturm auf Elbphilharmonie-Abos

Die Elbphilharmonie in Hamburg (Symbolbild)

Die Elbphilharmonie in Hamburg (Symbolbild)

Foto: Marcelo Hernandez / HA

Die Verlängerungsquote für Abonnements in der Elbphilharmonie liegt bei nahezu 100 Prozent. Geld spielt offenbar eher eine Nebenrolle.

Hamburg.  97,3 Prozent! Nein, dies ist kein Wahlergebnis aus Sowjetzeiten, sondern die Abo-Verlängerungsquote in der Elbphilharmonie. Jedenfalls was die von HamburgMusik verantworteten Reihen betrifft. Bei ProArte werden derzeit sogar 100 Prozent prognostiziert, auch beim NDR (hier kann noch bis zum 30. Mai verlängert werden) und bei den Philharmonikern (Fristende: 1. Juni) tragen die ­Mitarbeiter der Abo-Verwaltung ein breites Grinsen im Gesicht.

„Die Hamburger abonnieren wieder!“, fasst Burkhard Glashoff, Geschäftsführer der Konzertdirektion Goette, den Ist-Zustand zusammen. Seine knapp 3000 für die Saison 2018/19 zusätzlich in den Verkauf gegebenen Abos waren jedenfalls binnen fünf Tagen weg. Geld spielt dabei für die Kunden eher eine Nebenrolle, auch die teuersten Kategorien finden reißenden Absatz, dabei sein ist alles.

Enorme Nachfrage

Angesichts der enormen Nachfrage sind die Preissteigerungen von der Saison 2017/18 zur Saison 2018/19 noch vergleichsweise moderat. Um elf Prozent haben sich etwa bei den HamburgMusik-Reihen Elbphilharmonie 1“ und „Elbphilharmonie Einsteiger“ die Abos (beste Kategorie) verteuert, für „Elbphilharmonie 2“ sind es jedoch nur drei Prozent, die Reihe „Elbphilharmonie Kenner“ ist sogar um elf Prozent günstiger geworden. Grundsätzlich hänge der jeweils aufgerufene Abopreis von der Zusammenstellung der enthaltenen Konzerte ab, erklärt Elbphilharmonie-Sprecher Tom R. Schulz.

So seien etwa die Berliner und Wiener Philharmoniker teurer als die meisten anderen Orchester. Burkhard Glashoff ergänzt, das von seiner Konzertdirektion aufgelegte ProArte-Programm sei in der kommenden Saison so hochkarätig und damit gagenintensiv, dass man die Abos für 2019/20 möglicherweise sogar wieder etwas billiger anbieten könne. Das „Große Stimmen“-Aufgebot mit Cecilia Bartoli, Jonas Kaufmann, Philippe Jaroussky und Elina Garanca (Abo 250 bis 490 Euro) ist eben kaum zu toppen.

5000 neue Aboplätze

Gestiegene Abopreise bei HamburgMusik haben aber noch einen anderen Grund: Um das Abonnement-Angebot ausweiten zu können, also insgesamt mehr Dauerkarten anzubieten, wurde die Aboermäßigung (der Vorteil gegenüber dem Kauf von Einzelkarten) von 30 auf 20 Prozent reduziert. 5000 neue Aboplätze wurden so geschaffen, ohne dafür auf Elbphilharmonie-Seite erhebliche finanzielle Einbußen hinnehmen zu müssen.

Vergleichbar ist der Run auf Elbphilharmonie-Abos in Hamburg nur mit dem Interesse an Dauerkarten für den FC St. Pauli: 13.000 Namen stehen dort auf der Warteliste. Da pro Saison lediglich circa 200 Dauerkarten nicht verlängert werden, bedeutet das theoretisch eine Wartezeit von bis zu 65 Jahren. Allerdings werden bei St. Pauli zusätzlich Saisonpakete und nicht verlängerbare Jahreskarten verkauft. Hinzu kommen – wie bei der Elbphilharmonie – Einzelkarten. Fußball- und Klassikfans bilden in diesem Fall also eine Schicksalsgemeinschaft: Im Zweifelsfall ist langes Anstehen an den Vorverkaufskassen oder der schnelle Mausklick beim Start des Online-Verkaufs der (Um-)Weg ins Glück.

Manche Konzerte in der Laeiszhalle

Echte Planungssicherheit genießt allerdings hier wie dort nur der Abo- oder Dauerkartenbesitzer. Weshalb sich in Sachen Elbphilharmonie inzwischen Familien oder Freundeskreise die begehrten Abos teilen. Da ruht die finanzielle Belastung auf mehreren Schultern, und jeder kann mal rein, vor allem in den besonders heiß begehrten Großen Saal.

Grundsätzlich ist das gebotene Musikprogramm natürlich wichtig, viele Neu-Abonnenten nehmen aber auch erst einmal, was sie kriegen können. Und sind leicht verärgert, wenn beim Abo „Elbphilharmonie Einsteiger“ plötzlich eins von vier gebuchten Konzerten gar nicht in der Elbphilharmonie, sondern in der Laeiszhalle stattfindet. Auf diesen Umstand weist HamburgMusik allerdings ausdrücklich hin, zudem ist dies die Ausnahme.

Goldene Zeiten für Konzertveranstalter

Ein Blick in die Programme der vergangenen Jahre zeigt: Bei ProArte, beim NDR und bei den Philharmonikern hat sich die Zahl der Elbphilharmonie-Konzerte pro Abo auf bis zu 100 Prozent erhöht. Bei HamburgMusik findet die weit überwiegende Mehrheit aller Abo-Konzerte im Großen oder Kleinen Saal der Elbphilharmonie statt.

Für Konzertveranstalter sind dies natürlich goldene Zeiten. Dass beim NDR auf jedes neu angebotene Abonnement 100 Bewerber kommen – vor der Elbphilharmonie undenkbar. Und Nachwuchssorgen dürfte es so bald nicht geben: Suchtstiftende Jugendabos für die Elbphilharmonie kosten bei HamburgMusik lediglich 40 bis 50 Euro. Da ist wohl auch in Zukunft eine 97,3-prozentige Abo-Quote garantiert.