Verkehrsreport

425 Kilometer Hauptstraße in Hamburg marode

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Matthias Popien
Walzen, Absperrungen, Staus: Das Hamburger Straßennetz muss weitersaniert werden

Walzen, Absperrungen, Staus: Das Hamburger Straßennetz muss weitersaniert werden

Foto: imago stock / imago/Lars Berg

Laut Stadt sind 40 Prozent der wichtigsten Verkehrsverbindungen in einem schlechten Zustand. Bericht kostete 380.000 Euro.

Hamburg.  Auf Hamburgs Straßen sind immer mehr Autos unterwegs. Nach einem Rückgang ging es von 2009 an fast Jahr für Jahr wieder bergauf. 711.290 Pkw waren es damals, 771.573 waren es im vergangenen Jahr. Dass das den Straßen nicht guttun kann, ist klar. Die Zahlen des mit großem Aufwand erhobenen Zustandsberichts zeigen das recht deutlich.

Um sie zu verstehen, muss man allerdings etwas ausholen. Die Straßen werden für den Bericht nach einem standardisierten Verfahren kategorisiert. Sie bekommen Noten – so, als seien sie Schüler. Schlechtester Wert ist die Fünf. Die Notenbereiche werden zu vier Kategorien zusammen­gefasst. Bei den beiden besseren Kategorien, die die Noten 1 bis 3,49 umfassen, ist alles in Ordnung. Straßen der beiden schlechteren Kategorien (3,5 bis 5) gelten in unterschiedlichem Maße als sanierungsbedürftig.

Es bleibt noch viel zu tun

Und da haben sich gerade bei den Hauptstraßen die Dinge in den vergangenen Jahren zum Schlechteren entwickelt. 2008 waren 30,8 Prozent sanierungsbedürftig, 2012 waren es schon 35 Prozent, 2014 dann 41,3 Prozent. Das entspricht rund 430 Kilometer Straße. Den leichten Rückgang in der aktuellen Erhebung auf 40 Prozent (425 Kilometer) wertet die Verkehrsbehörde nun als Trendwende. „Das Versprechen, den Werteverfall der Hauptverkehrsstraßen bis 2018 zu stoppen, konnten wir schon vor zwei Jahren einlösen“, sagt Verkehrsstaatsrat Andreas Rieckhof (SPD).

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Es wurden bisher 2295 Stimmen abgegeben.

Dennoch bleibt natürlich viel zu tun. Rieckhof findet, dass der Zustandsbericht eine gute Grundlage für die Planungen bietet. „Diese Noten sind wirklich sehr wichtig“, sagt er. „Es ist sehr einfach, auf eine Straße eine neue Deckschicht raufzupacken, wenn sie lädiert ist. Aber wenn erst einmal der Unterbau kaputt ist, wird es richtig teuer.“ Jetzt komme es darauf an, auch die Bezirksstraßen in Schuss zu bringen.

Viele Bezirksstraßen sind noch nicht gepflastert

Auch dort ist noch einiges zu tun. Der Bericht unterscheidet „Bezirksstraßen mit gesamtstädtischer Bedeutung“ (BSGB), zum Beispiel den Eppendorfer Weg oder die Große Elbstraße, von den restlichen Bezirksstraßen, also Wohnstraßen. Bei beiden Straßentypen geht es bergab. 2016 waren 46,5 Prozent (rund 490 Kilometer) der BSGB-Straßen sanierungsbedürftig, 2014 galt das nur für 43,1 Prozent (rund 440 Kilometer). Noch schlechter ist der Zustand der kleinen Bezirksstraßen. Viele von ihnen sind noch gepflastert. 65,3 Prozent (rund 1470 Kilometer) müssten saniert werden. Einen Vergleich mit Zahlen von 2014 gibt es in diesem Fall nicht. Die Bezirksstraßen wurden erstmalig kategorisiert.

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Der Bericht ist auch deshalb so aufwendig, weil alle Straßen neu erfasst werden mussten. Rund 4800 Kilo­meter wurden abgefahren. 380.000 Euro hat das gekostet. Allerdings wurden nicht komplette Straßen untersucht, sondern nur die „Hauptfahrstreifen, das meint, die rechten Fahrstreifen je Fahrtrichtung“, heißt es im Bericht. Wie es also auf den linken Fahrstreifen aussieht, bleibt vorerst unklar.

CDU-Politiker Thering macht Druck auf den Senat

Dennis Thering, der verkehrspolitische Sprecher der CDU Bürgerschaftsfraktion, forderte den Senat auf, endlich „ernsthaft zu versuchen, den Sanierungsstau auf Hamburgs Straßen abzubauen. Dieser schadet nämlich Wirtschaft, Verkehrssicherheit und Umwelt gleichermaßen.“ Dorothee Martin, die verkehrspolitische Sprecherin der SPD, sagte: „Gerade bei den Bezirksstraßen müssen die Anstrengungen jetzt noch einmal verstärkt werden. Gleichzeitig gilt, dass dem Verkehrsfluss nur eine endliche Zahl an Baustellen zuzumuten ist.“ Jeder, der jetzt noch mehr Sanierungsmaßnahmen fordere, solle sich fragen, ob er tatsächlich die Zahl der Baustellen noch einmal wesentlich erhöhen wolle.

Die Bezirke müssen nun zunächst einmal versuchen, das Personal zusammenzubekommen. Das dürfte nicht einfach sein. Ingenieure sind derzeit schwer zu bekommen, und auf Bezirksebene werden sie deutlich schlechter bezahlt als etwa beim Landesbetrieb, der die Hauptstraßen plant. Es ist daher fraglich, ob die Bezirksstraßen beim nächsten Zustandsbericht in zwei Jahren besser abschneiden.

Der Straßenzustand wird in Hamburg alle zwei Jahre erhoben. 2016 wurden erstmals auch die Bezirksstraßen (2561 Kilometer) erfasst. Die Arbeiten zogen sich bis in den Oktober 2017 hin. Deswegen konnte der Bericht erst jetzt vorgelegt werden.

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