Hamburg

Pussy Riot prägt „Krass“-Festival auf Kampnagel

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Falk Schreiber
Nadeschda Tolokonnikova und Marija Aljochina von Pussy Riot (Archivbild)

Nadeschda Tolokonnikova und Marija Aljochina von Pussy Riot (Archivbild)

Foto: dpa

Die Punk-Feministinnen bestimmen auch in Abwesenheit die Debatte. Der Oberbegriff: „Inszenierung des Widerstands“.

Hamburg.  Wenn man so will, sind die Pussy-Riot-Mitstreiterinnen die zen­tralen Künstlerinnen des diesjährigen „Krass“-Festivals auf Kampnagel. Weil nämlich der aus Bosnien stammende Kurator Branko Šimić das Festival unter den Oberbegriff „Inszenierung des Widerstands“ gestellt hat und niemand Widerstand so originell inszeniert wie die russischen Punk-Feministinnen.

Pussy Riot ist also wichtig, auch wenn sie als solche gar nicht vor Ort ist. Jedoch tauchte Pussy-Riot-Mitstreiterin Mascha Alechina in Šimićs Eröffnungsinszenierung „Protest Portaits“ als Videoeinspielung auf. Und am späten Freitagabend wurden im Alabama-Kino die Dokumentationen „Pussy vs. Putin“ und „Putin vs. Pussy“ gezeigt. Die unter dem Namen Gogol’s Wives firmierenden Filmemacher Taisia Krugovykh und Vasily Bogatov erwiesen sich dabei nicht als neutrale Dokumentaristen, sondern als Künstler, die ganz nahe am vielköpfigen Protestkollektiv sind.

Radikal subjektiv

Die beiden Filme sind entsprechend inspriert vom räudigen Punk-Gestus der Pussy-Riot-Aktionen, radikal subjektiv, gefilmt oft mit Handykamera: Zu sehen sind der Skandal um das „Punk-Gebet“ in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale und das politisch motivierte Gerichtsverfahren, bei dem die Künstlerinnen Nadeschda Tolokonnikowa und Marija Aljochina zu langjährigen Haftstrafen verurteilt wurden. Aber auch Aktionen, die zeigen, dass Pussy Riot weniger im Politktivismus und im Punkrock zu Hause ist als in einer spezifisch russischen Variante der Performancekunst.

Unangenehmer wirken die Strukturen, in die die Gruppe eingespannt wird – bei der dominanten Rolle, die Tolo­konnikowas Mann Pjotr Wersilow einnimmt­. Aber auch bei der sich der Filmvorführung anschließenden Diskussion, die der Theaterproduzent Alexander Cheparukhin schnell an sich riss. Was vielleicht auch daran lag, dass Cheparukhin­ im Gegensatz zu Gogol’s Wives fließend Englisch spricht. Aber sage niemand, dass Widerstand widerspruchsfrei sein müsse. (fks)

„Krass Kultur Crash Festival“ bis 13.5., u. a. mit Konzert-Performance „Celebrating Oum Kalthoum“ (9.5.), Doku-Film „Wenn Gott schläft“ (10.5.), Theaterstück „Der Fluch“ (12.5.), Kampnagel; www.kampnagel.de

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