Tour 2018

Anastacia lässt das Gemäuer der Laeiszhalle wackeln

Pop-gewaltig: Anastacia

Pop-gewaltig: Anastacia

Foto: Peter Svenson

2000 Hamburger Fans hatten Spaß beim ausverkauften Auftritt der US-Sängerin. Aber Anastacia erlebte auch Peinliches.

Hamburg. „Ist dieser Saal nicht viel zu schick für mich?“, fragt Anastacia nach einem herzlichen „Moin Moin“ am Donnerstag in der Laeiszhalle. Na, ja, vielleicht ist die ausverkaufte Laeiszhalle nicht zu schick für schillernden US-Soul-Pop, aber doch durchaus ungewöhnlich. Auch wenn dort schon Jimi Hendrix, Led Zeppelin, Deep Purple, die Scorpions, Queen und AC/DC aufgetreten sind – so laut wie Anastacia am Donnerstag hat wahrscheinlich seit Tina Turner 1979 keine Lady mehr das ehrwürdige Gemäuer am Johannes-Brahms-Platz erschüttert.

Überhaupt wirkt die Bühne mit zwei Ebenen und viel Lichtgerät, fünfköpfiger Band und zwei Tänzerinnen geradezu in den Saal gequetscht, und die Akustik scheppert zu Beginn bei „Left Outside Alone“, „Caught In The Middle“, „I Can Feel You“ und „Redlight“ enorm.

Der Band scheint die Routine zu fehlen

Mäßiger Sound und amerikanische Show-Dimensionen sorgten auch schon 2016 im Mehr! Theater für Irritationen, der Großteil der Fans aber lässt das Gestühl in der Laeiszhalle Gestühl sein und feiert, klatscht und singt fast zwei Stunden lang im Stehen. Und auch wenn Anastacias Karriere nach großen Erfolgen Anfang der 2000er seit 14 Jahren kommerziell stetig übersichtlicher wird, der Krebs sie mehrfach ausbremste und sie in der Heimat nahezu unbekannt ist: Es ist nicht nur der harte, treue Kern, der in der Laeiszhalle beim Funk-Medley zu Songs von Prince, Michael Jackson und Stevie Wonder wippt oder T-Shirts auffängt, die Anastacia und Band mit Tennisschlägern in die Reihen schicken. Als sie fragt, wer das erste Mal ein Konzert von ihr sieht, melden sich zwei Drittel der 2000 Besucher.

Die erleben eine groovige Show, die selten mit Balladen Marke „Before“ oder „Pieces of A Dream“ Tempo herausnimmt und die für US-Star-Verhältnisse auffällig unroutiniert wirkt. Mehrfach werden Einsätze verpatzt, bei „Why“ und sogar beim hundertfach gespielten Hit „Paid My Dues“: „Peinlich“, ruft Anastacia eher amüsiert als verärgert. Als Entschädigung gibt es noch eine von den Fans via App gewählte kernige Coverversion von „Sweet Child O’Mine“ (Guns N’ Roses), ein Schlagzeug-Solo und natürlich „I’m Outta Love“. Mal sehen, wo sie nächstes Mal ihre Bühne reinquetscht. Astra Stube?